Im ersten Halbjahr 2013 hielt der Abschwung in Griechenland an

Das griechische Statistikamt veröffentlicht die Hauptzahlen zur Wirtschaft immer im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresmonat. Das ist eigentlich vernünftig und aussagekräftig. Man kann die Aussagekraft jedoch noch steigern, wenn man die April- und Maizahlen von 2012 und 2013 mit den Märzzahlen von 2012/13 vergleicht.

Der Einbruch der industriellen Produktion geht kontinuierlich weiter: 

Industrielle Produktion März 2013 gegenüber März 2012 minus 0,7 %

Industrielle Produktion April 2013 gegenüber April 2012 minus 4,6 %

Industrielle Produktion Mai 2013 gegenüber Mai 2012 minus 0,4 %

Im Bauwesen und im Einzelhandel hat sich der Rückgang stabilisiert. Diese beiden Wirtschaftszweige nutzen der griechischen Leistungsbilanz nichts. Eher im Gegenteil.

Bauwesen März 2013 gegenüber März 2012 minus 47 %

Bauwesen April 2013 gegenüber April 2012 minus 19,7 %

Bauwesen Mai 2013 gegenüber Mai 2012 minus 50,1 %

Einzelhandel März 2013 gegenüber März 2012 minus 14 %

Einzelhandel April 2013 gegenüber April 2012 minus 12,9 %

Einzelhandel Mai 2013 gegenüber Mai 2012 minus 3,3 %

Die Privatisierung kommt nicht vom Fleck. Der Chef der Privatisierungsbehörde wurde wegen Korruption gefeuert. Der Verkauf der Staatsfirma DEPA an Gasprom ist kläglich gescheitert. Lediglich eine staatliche Spielhölle wurde an einen griechischen Reeder verkauft.  Prognose: Solange die Staatsgewerkschaften in den Staatsbetrieben die faktische Macht ausüben, ist alles unverkäuflich oder man muß es verschenken.

Zuletzt der griechische Export und Import. Von Januar bis Juni 2013 wuchsen die Warenexporte von 10,4 Mrd. € auf 11,06 Mrd €. Der Zuwachs ist alleine auf Erdölexporte zurückzuführen. Das sind überwiegend Exporte von vorher importiertem Öl. Die Importe verringerten sich im gleichen Zeitraum von 21,5 auf 19,3 Mrd, €. Einkünfte aus Reisedienstleistungen  erhöhten sich von 2,8 auf 3,3 Mrd. €. Dafür verringerten sich Transportdienstleistungen (vor allem Reedereigeschäft) von 6,8 Mrd. auf 5,8 Mrd. €. Direktinvestitionen des Auslands verringerten sich von 253 auf 147 Millionen €. Die 253 Millionen waren auch schon außergewöhnlich wenig im internationalen Vergleich. Wenn Griechenland ein durchschnittliches Ziel für Auslandsinvestitionen wäre, dann wäre etwa das 10fache geflossen, denn die weltweiten Auslandsinvestitionen betrugen 1.350 Mrd. $.

Es ist alles eine Frage der Größenordnungen. Die griechische Staatsschuld ist auf 340 Mrd. € angewachsen, trotz Schuldenschnitt von 100 Mrd. €. Pro Einwohner ist das eine Schuld von 28.000 €. Wenn die Staatsschuld mit 5 % verzinst werden muß (10jährige griechische Staatsanleihen werden mit 10,5 % Zinsen ausgewiesen) sind das Zinsaufwendungen von 17 Mrd. €. Also aus Außenhandelsüberschüssen oder Überschüssen der Leistungsbilanz kommt dieses Geld nicht.

Bessere Zahlen waren nicht zu erwarten. Wie soll sich die Wirtschaft erholen, wenn die Beamtenzahl wieder nicht reduziert wurde? Der griechische Patient kränkelt weniger an zu hohen Wechselkursen, als an einer grausligen Disproportion zwischen den Bereichen, die Geld verdienen, und denjenigen, die es ausgeben. Die Qualitätspresse berichtet, daß von geplanten 12.500 Entlassungen im öffentlichen Dienst ganze 99 realisiert wurden. 12.500 Entlassungen hätten auch nichts genutzt. 12.500 Leute, das sind etwa 0,9 % der Staatsbediensteten in Griechenland. Zum Vergleich: etwa 50.000 Beamte erreichen in Griechenland jedes Jahr das Rentenalter.

Die Behandlungsmethode, die die Troika Griechenland verordnet hat, war Homöopathie. Nicht mal dazu konnte sich die griechische Administration aufraffen. Nicht ein winziges Tröpfchen Medizin wurde in den Ozean der korrupten, ineffizienten und aufgeblähten Verwaltung geschüttet. Nichts wurde getan, um die griechische Industrie, die Landwirtschaft, das Handwerk und den Tourismus vom Parasitenbefall zu befreien.

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