Dilettanten regulieren Banken

Viele Banken beklagen sich über den Anlagenotstand. Das ist die Schwierigkeit, Kundeneinlagen sinnvoll und gewinnbringend zu verleihen. Viele Banken helfen sich mit dem Kreditersatzgeschäft, das heißt mit dem Verkauf von Finanzwetten gegen Provision an ihre meistens älteren Kunden.

Wenn man den letzten Monatsbericht der Bundesbank liest, so fragt man sich: Kann das Bankgeschäft nicht auch ganz einfach und solide abgewickelt werden?

Die privaten Haushalte hatten am Jahresende 2012  2,01 Bio. € Bargeld und Einlagen, die Unternehmen noch einmal 0,51 Bio. €, zusammen 2,52 Bio €.
Die privaten Haushalte hatten Kredite von 1,55 Bio.€, die Unternehmen eine Nettokreditaufnahme von 1,00 Bio. €, zusammen 2,55 Bio. €.

Gesamtwirtschaftlich stimmt die Summe der Bankeinlagen und der vergebenen Kredite überein. Woraus ergibt sich da der Anlagenotstand?

Wenn man sich die Bilanzen von Banken ansieht, so fällt sofort auf, daß viele Banken nicht einmal 50 % der Kundeneinlagen in Kredite verwandelt haben. Es gibt einen großen Unterschied zwischen der volkswirtschaftlichen Ausgewogenheit von Einlage und Kredit und der betriebswirtschaftlichen  Umsetzung im einzelnen Geldinstitut.

Natürlich ist über Deutschland keine nationale Käseglocke mehr gestülpt. Kredite können auch von ausländischen Instituten vergeben werden, so daß es in Deutschland Anlagenotstand geben kann und gleichzeitig der Kreditbedarf gedeckt ist. Andererseits haben viele Journalisten und Politiker ihre Einlagen bei ausländischen Kreditinstituten untergebracht, wogegen man ja auch nichts einwenden kann, soweit die Zinserträge von den Caymans und anderen Inselparadiesen in Deutschland brav versteuert werden.

Eine Ursache des Überwiegens der Bankeinlagen über die Kredite auf betriebswirtschaftlicher Ebene ist die staatliche Regulierung des Bankwesens. Oder besser die dilettantische Regulierung. Kredite an Häuslebauer und Unternehmen müssen stärker besichert werden, als Kredite an Staaten, obwohl Kredite an den Staat tausendmal riskanter sind. Das beweist die deutsche Geschichte der letzten 100 Jahre mit drei großen Staatsbankrotten. Auch das zyprische Bankendesaster ist nicht durch Privatkredite verursacht worden, sondern einzig und alleine durch den Totalausfall von Staatsanleihen.

Die deutschen Banken pumpen sich wegen den geringen Besicherungsanforderungen mit Staatsanleihen voll, die sie als Rentenfonds teilweise an die verehrte Kundschaft weiter verticken. Zwölf deutsche Großbanken halten alleine 314 Mrd. € deutsche Staatsschulden! Allen voran die LB Baden-Württemberg und die Norddeutsche LB. Mit der Kreditvergabe an Unternehmen und Haushalte sind die Banken dagegen zögerlich.

Das verhexte ist nun: Mit Krediten an Unternehmen werden Arbeitsplätze gesichert und wirtschaftliches Wachstum generiert. Mit Krediten an den Staat wird wirtschaftliches Wachstum abgewürgt. Denn die Zinsen dafür sind ein Aderlaß für die Unternehmen und deren Arbeitnehmer. Und nach jeweils etwa 30 bis 40 Jahren geht der Wert der Staatsanleihen stiften.

Den deutschen Finanzpolitikern von SPD und CDU muß man ins Stammbuch schreiben: Die Bevorzugung der Staatsanleihen bei der Bankenregulierung ist eigensüchtig und dient nur der Aufrechterhaltung einer unsoliden Finanzpolitik, die Wähler mit Geld kauft und zu bestechen versucht.  Das Geschäftsmodell der Parteien ist kriminell und das überträgt sich auf das Geldwesen.

Eine Bankenregulierung ist nur sinnvoll, wenn das Risiko von Anleihen zum Beispiel bei Stresstests realistisch abgebildet wird. So wie das jetzt gemacht wird geht es gar nicht. Bei einer effizienten Bankenaufsicht bilanzieren Kundeneinlagen und vergebene Kredite miteinander. Alles andere sind Auswirkungen planwirtschaftlicher Fehlsteuerungen und finanzpolitischer Käse. Es muß viel weniger reguliert werden, das wenige aber deutlich konsequenter, zielführender, effizienter und verantwortungsvoller. 

Ein Kommentar zu “Dilettanten regulieren Banken

  1. Eine schonungslose Offenlegung der Bankenregulierung. Herrlich!

    Doch ich muss unsere Regierung in einem Punkt in Schutz nehmen. Dilettantisch ist diese Regulierung nur bei der Prämisse, die Regierung wolle etwas anderes als das Leiten der Finanzströme in die Regierungs-Kassen.
    Wenn sie diese eigennützige, also durchaus rationale Bevorzugung von Staatsanleihen zudem mit Verbraucherschutz und Gemeinwohl bemänteln kann, ist doch alles professionell durchgeführt worden. Fazit: Wir haben eine sehr professionelle Bankenregulierung!

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