Lieber fifty-fifty als brüderlich geteilt

Beppe Grillo, das „megafono“ der italienischen Bewegung der 5 Sterne hat im Europawahlkampf die Vergemeinschaftung der europäischen Schulden gefordert. „Die europäischen Staatsschulden mitteln wir einfach und verteilen sie auf alle Länder“, so Grillo. „Und an Frau Merkel gerichtet: „Gut, wenn du das nicht willst, dann zahlen wir halt unsere Schulden nicht mehr zurück.“ Er ist nicht der Einzige mit diesen bahnbrechenden Ideen. Sie ist bei den Rekordschuldnern in Griechenland und Italien weit verbreitet.

In Deutschland ist dieser Vorschlag zumindest in der Bevölkerung sehr unpopulär, da Deutschland knapp unter dem Schuldendurchschnitt der Euroländer von 95,5 % des BIP liegt und auch in der Pro-Kopf-Verschuldung leicht unter dem Euro-Durchschnitt. Frau Merkel könnte auch drohen, daß sie die Schulden nicht zurückzahlt. Ihr Erpressungspotential ist mit 2,15 Billionen € etwas größer, als das italienische.

Die folgende Tabelle zeigt in welchem Ausmaß die einzelnen Länder betroffen wären, wenn alle Schulden in einen Topf kommen und dann durch die Zahl der Einwohner geteilt würden.

Land

Staatsschulden 2013 Mrd €

Veränderung bei Pro-Kopf-Verteilung der Staatsschulden Mrd. €

Griechenland

319

-­16

Italien

2.069

-434

Portugal

214

+73

Irland

203

-77

Zypern

18

+6

Belgien

387

-82

Spanien

961

+318

Frankreich

1.925

-127

Deutschland

2.148

+70

Österreich

233

-2

Niederlande

443

+15

Malta

5

+7

Slowenien

25

+31

Finnland

110

+39

Slowakei

40

+108

Lettland

9

+46

Luxemburg

11

+4

Estland

2

+34

Eurozone (18)

9120

0

Grillo kann rechnen. Italien wäre der große Nutznießer seines Vorschlags. Leidtragende der Umverteilung der Schulden wären Spanien, Portugal, Estland, Lettland, die Slowakei, Finnland und Deutschland. Darunter drei Länder aus dem Ostblock, die deutlich ärmer sind als Italien oder Griechenland.

Italien hatte 2013 ein Pro-Kopf-BIP von immerhin 34.715 $ und Griechenland von 21.857 $. Dagegen beträgt es in der Slowakei nur 17.706 $, in Litauen 16.003 $ und in Estland 19.032 $.

Die Pro-Kopf-Verteilung der Schulden ist offensichtlich kein Ausweg, weil die Probleme damit nicht gelöst werden. Griechenland zum Beispiel bliebe auf seinen Außenständen weitgehend sitzen. Außerdem würde diese Umverteilung Spanien und Portugal endgültig in den Abgrund reißen.

Auch die Aufteilung der Schulden nach der im BIP erfaßten Wirtschaftsleistung ergäbe keine korrekte Lösung, weil die Schattenwirtschaft in den einzelnen Euroländern eine sehr unterschiedliche Leistungsfähigkeit hat und im BIP nur grob abgebildet werden kann, wenn überhaupt. Die steuerehrlichen Länder würden benachteiligt.

Da bei Vergemeinschaftung der Schulden der Anreiz zur Haushaltsdisziplin deutlich schwächer werden würde und die sparsamen Armen für die disziplinlosen Reichen zahlen würden, ist die Neuaufteilung der Schulden keine gute Idee. Besser als diese Neuaufteilung ist der Austritt der Länder mit traditioneller Schuldenkultur aus dem Euro. Diese Staaten könnten dann ihre erprobte und geliebte Inflationswirtschaft der Vor-Euro-Zeit wieder aufnehmen oder sich für einen Staatsbankrott entscheiden. Die kurze Geschichte des Euro zeigt, daß man Staaten mit völlig unterschiedlicher Mentalität nicht in einem Geschirr zusammenspannen kann. Links ein Esel und rechts ein Pferd, das funktioniert nicht. Kraft und Gewohnheit sind unterschiedlich. Vor 25 Jahren war bereits der Ostblock an fundamental unterschiedlichen kulturellen und wirtschaftlichen Traditionen sowie machtpolitisch motivierten Ungereimtheiten in der internen Arbeitsteilung zerbrochen.

Die Aufteilungsprobleme unter den sogenannten Brüderländern im sowjetischen Wirtschaftsblock belegt folgender Witz aus den späten 70er Jahren: Ein Deutscher und ein Russe finden einen Schatz. Sagt der Sowjetmensch: „Komm, Genosse, wir teilen brüderlich.“ Darauf der Deutsche: „Nein, fifty-fifty!“

Nun gibt es schon wieder einen, der brüderlich teilen will: Beppe Grillo…

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