Wowereit sollte Freifahrten nach Schkeuditz spendieren

Nach zahlreichen gescheiterten Entrauchungsplanungen des Flughafens BER sollte der Brandschutzplaner Jochen Großmann aus Dresden die Kuh vom Eis holen. Sein Vorgehen erschien logisch und durchdacht. Er wollte aus der einen geplanten hochkomplexen Entrauchungsanlage sieben machen, das Problem in kleine lösbare Teilschritte zerlegen. Das ist nun Geschichte. Der Planer steht unter Korruptionsverdacht und wurde von Hartmut Mehdorn beurlaubt.

Nun ist Scherbengericht. Der Vorsitzende des Flughafenuntersuchungsausschusses im Berliner Abgeordnetenhaus, Martin Delius fordert nun, alle Entscheidungen Großmanns zu prüfen. „Es dürfen keine Zweifel an der Rechtmäßigkeit von Vergaben, Planungsänderungen und Personalentscheidungen bestehen bleiben.“ Das bedeutet, daß planerisch wieder bei Null angefangen wird, obwohl alle Experten angesichts der Pläne von Großmann aufgeatmet hatten und ein Ende der Verwirrspiele erwarten konnten.

Durch Entscheidungen des Architekten und Planungsänderungen des Bauherrn hatte sich ein widernatürliches Entrauchungskonzept entwickelt, bei dem aus ästhetischen Gründen der Rauch nicht nach oben, sondern nach unten abgezogen werden sollte. Und das mit zu wenig Unterdeckenraum für die Kanäle. Der ehemalige Brandschutzplaner Bernd Schulitz machte in einem Interwiev mit einer VBI-Fachzeitschrift die Architektur verantwortlich: „Schon von Anfang an entrauchten wir die unteren Geschosse nach unten, also zur Seite raus. Zusätzlich hängten wir das Erdgeschoss noch mit dran, auch schon über Kanäle nach unten saugend über einen Entrauchungskanal bis zu den rechts und links des Terminalgebäudes liegenden Entrauchungszentralen, weil der Architekt in der Abflughalle keine Entrauchungstürme tolerierte. Das ist verständlich und soweit auch technisch realisierbar und für diese Planung gab es auch eine Baugenehmigung. Aber dann kamen die Veränderungen in der Abflughalle und die Suche nach zusätzlichen Flächen für das sogenannte Retailgeschäft. Bis dahin sollten alle Flächen ab der Abflugebene über das Dach entraucht werden. Während der weiteren planerischen Optimierung gingen Schachtflächen für die Entrauchung verloren mit dem Ergebnis, dass auch die Flächen in den aufsteigenden Gebäuden in der Abflughalle nun an die Entrauchungsanlage nach unten angehangen wurden.“

„Der Rauch kann auch in Kanälen nach unten abgesaugt werden. Das ist jeder Zeit nachrechenbar, aber es ist immer einfacher, den Rauch frei nach oben steigen zu lassen – unterstützt durch einen Ventilator. Das aber beeinträchtigt die Architektur, denn es wären zusätzliche Schachtflächen erforderlich gewesen und auf dem Dach nicht nur vier runde Ablufttürme, sondern ggf. acht oder zwölf sichtbar gewesen.“

Üblich ist, daß ein Brand einen Rauchmelder auslöst, die Brandmeldeanlage bekommt das Signal und löst auf der Grundlage der Brandsteuermatrix eine Reihe von Schaltungen in verschiedenen Gewerken aus, wie Abschalten von Lüftungsanlagen, Einschalten von Entrauchungsanlagen, Öffnen und Schliessen von Entrauchungsklappen, Öffnen von Fenstern und Türen für die Nachströmung. In Berlin wurden fast alle diese genannten Funktionen nicht an einen Generalunternehmer, sondern an unterschiedliche Firmen in Einzelgewerkevergabe vergeben, was beim BER zehntausende unnötige Schnittstellen zwischen den Firmen produziert hat, die Zeit kosten.

Nun werden der Ausschußvorsitzende Delius und die Presse vermuten, daß Herr Großmann die Umplanungen nicht initiiert hat, um das Projekt zu vereinfachen und genehmigungsfähig zu machen, sondern daß seine neuen Planungsansätze korruptionstechnisch motiviert waren. Jeder Planungsschritt wird nun von politischen Dilettanten beäugt und zerpflückt werden. Lobbyisten mit wirtschaftlichen Interessen sind in solchen Fällen immer zur Stelle, um die Wahrheit endgültig zu verwirren.

Die geplanten Kosten von BER betrugen zur Erinnerung 2,83 Mrd. €. Die jetzt zu erwartenden Kosten liegen irgendwo oberhalb von 5 Mrd. €. Herr Wowereit sollte die Reißleine ziehen und seine Landeskinder zum Fliegen nach Schkeuditz bei Leipzig schicken. Jeder Berliner Familie hätte man statt der Kosten des Flugplatzes BER zwanzig Freifahrten nach Sachsen und zurück bezahlen können.

 

 

 

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