Energiepolitik wie bei König Drosselbart

In den Märchen der Gebrüder Grimm wollte ein König seine Tochter verheiraten, aber bei der Vorstellung der Freier war keiner ihr gut genug. Einen Bewerber verhöhnte sie als König Drosselbart, nur weil er ein zu spitzes Kinn hatte.

So ähnlich läuft es derzeit bei den Energieträgern für die Verstromung. Minister Gabriel soll sich für einen Energieträger für die Grundlast entscheiden, aber alle Bewerber haben einen Makel. Vor wenigen Tagen brach er öffentlich eine Lanze für die Kohle. Heute sieht man eine seiner zahlreichen politischen Pirouetten und er fordert vor den Vertretern der Kraftwerke eine deutliche Reduzierung der CO2-Reduktionen um 4,4 Mio t CO2 pro Jahr, was praktisch einem nach unten gestreckten Daumen für die Kohle entspricht. Dieser Daumen, von den römischen Kaisern gezeigt, bedeutete das Todesurteil.

2013 wurden 45 % des deutschen Stroms aus Kohle erzeugt, 15 % aus Kernenergie, 11 % aus Erdgas, 3 % aus Wasserkraft und 7 % aus Biomasse.  Dem gegenüber stehen 8 % aus Windböen und 5 % aus Wolkenlücken bei der Photovoltaik.  Die letztere Energie muß teilweise ungenutzt und entsprechend ihres Wertes unentgeltlich über die Grenze gedrückt werden, da sie nicht immer zur gescheiten Zeit anfällt.

Fakt ist, daß Deutschland seine Grundlast aus Kohle, Kernenergie, Erdgas, Wasserkraft und Biomasse erzeugen muß, da man Wind- und Sonnenstrom nicht in relevanten Mengen speichern kann. Aber keiner dieser Kandidaten ist schön und ökologisch genug. Kohleverstromung läßt CO2 entweichen. Kernenergie wird aus Angst vor Medienkampagnen verteufelt, Fracking zur Erdgasgewinnung wird wegen Widerstand von Rundfunk, Nichtregierungsorganisationen und Presse nicht gewollt, die Ukraine will man nicht für russisches Erdgas an Putin verkaufen. Die Wasserkraftproduktion läßt sich aus topografischen Gründen in Deutschland nicht wirklich steigern und bei der Biomasse stößt man auch an Grenzen. Noch mehr Mais und Raps geht nicht und die Wälder sind bei der Brennholzlieferung auch bald an der biologischen Grenze.

Bei der Erdgas- und Holzverbrennung entsteht übrigens auch CO2. Bei Gas stört das offenbar nicht und bei Holz wird das ähnlich wie beim mittelalterlichen Ablaßhandel mit der Photosythese von Bäumen verrechnet, die noch jahrzehntelang in den Wäldern rumstehen werden. Vielleicht werden diese Bäume eines Tages nicht verheizt werden, sondern zu Antikmöbeln verarbeitet, die tausend Jahre in irgendwelchen russischen oder chinesischen Palästen rumstehen werden, ohne ihr CO2 auszugasen?  Die Welt ist unberechenbar und verrückt, aber zurück zu König Drosselbart:

Der Bundesminister Gabriel läßt uns ratlos vor den Windrädern stehen. Noch mehr Windstrom bedeutet ja auch noch instabilere Netze und mehr Müllstromverklappung ins Ausland. Nur ein Teil des produzierten Windstroms kann wirklich genutzt werden.  Bei Dunkelheit und Windflaute wird man immer das ganze volle Programm aus Kohle, Kernkraft oder Gas benötigen. Aber Gabriel gibt allen Energieträgern die durchs Rad der Kraftwerksturbine wollen einen Korb.

Im Märchen der Gebrüder Grimm wurde der König angesichts des Hochmuts seiner Tochter zornig und vergab sie an einen bettelnden Spielmann. Die deutsche Industrie, insbesondere die energieintensive Chemie und Schwerindustrie wird von Minister Gabriel derzeit mit der grünen Lobby verheiratet. Nichts anderes als um Fördergelder bettelnde Spielleute sind das.

Die Königstochter in Grimms Märchen hatte Glück: der Spielmann entpuppte sich nach einigen Wirrungen als König Drosselbart. Sie heiratete, nachdem ihr Stolz gebrochen war, einen mit Wald ausgestatteten Monarchen, der seinen Palast ordentlich heizen konnte.

Die mit der deutschen Industrie verheirateten EEG-Lobbyisten werden sich leider als das entpuppen was sie sind:  wirkliche Bettler, die Deutschlands Zukunft verspielen.

2 Kommentare zu “Energiepolitik wie bei König Drosselbart

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  2. Naja, dazu kommt, dass die Bettler, wenn sie ihren Bettlerstatus registrieren, auch das restliche Volk an den Bettelstab gebracht haben.
    Nebenbei:
    „da man Wind- und Sonnenstrom nicht in relevanten Mengen speichern kann“
    – das würde ich härter formulieren.
    Strom kann überhaupt nicht gespeichert werden.
    Und wenn das Hendricks in dem genialen Interview bei „Jung & naiv“ faselt, dass Speichermöglichkeiten für elektrische Energie ganz bestimmt in 10 Jahren oder so erfunden worden seien, dann ist das das Ergebnis einer anscheinend schon in den 60er Jahren verfehlten Bildungspolitik. Mit sowas wird man heutzutage Umweltministerx.

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