Euros nach Athen tragen

Eine Koalitionsverhandlung auf Zuruf und die Vereidigung des Ministerpräsidenten keine 15 Stunden nachdem das Wahlergebnis feststeht. Das ist Athen life. Regierungsbildung ist übermorgen fertig. „Abgeschlossen“ kann sie Mittwoch wohl nicht sein. Ist das jugendlicher Elan?

Nein, das ist politische Unerfahrenheit. Und nackte Gier. Früher gaben die Feldherren nach gewonnener Schlacht das Gut der Besiegten zur Plünderung frei. Heute plündern die Feldherren selbst. Anders ist die Hast bei der Regierungsübernahme kaum zu erklären.

Unsere deutsche Lügenpresse hat sich Ministerpräsident Tsipras schöngeschrieben. Was las man nicht alles für Vermutungen. Er würde vielleicht mit der „liberalen“, gemäßigten und eurofreundlichen Flußpartei koalieren oder vielleicht auch mit den korrupten, aber immerhin erfahrenen Sozialisten. Nichts davon ist in Erfüllung gegangen. An seinen Freunden erkennt man den Mann. Tsipras hat sich den geldgierigsten Partner ausgesucht, der im neuen Parlament verfügbar war. Und das blitzschnell. Und diese Partnerpartei der Unabhängigen Griechen ist im Regieren genauso unerfahren, wie die Koalition der extremen Linken Syriza.

In Deutschland werden vor einer Koalition Parteitage veranstaltet oder sogar die Mitglieder befragt. Koalitionsvereinbarungen werden veröffentlicht und abgesegnet.  Im Erfindungsland der Demokratie ist das alles nicht nötig. Da wird noch nach Gutsherrenart verfahren. Wenn das auf Dauer mal gutgeht! Schon in der Ausländerpolitik kann es ganz schnell zum Krach kommen. Oder man schiebt Flüchtlinge einfach alle nach Deutschland ab.

Wenn es gegen Deutschland geht, sind sich die neuen Liebenden einig. Das ist eine gute Basis zum Regieren, solange Angela Merkel sich das gefallen läßt. Macht Berlin den Zwergenaufstand, kommt es in Athen schnell zur Ehekrise.  Die Syriza-Partei ist ein Bündnis von sehr unterschiedlichen Kräften, dessen Beständigkeit noch nicht getestet wurde. In solchen Gruppierungen sammeln sich oft auch Reißbrettpolitiker, die schwer zu kontrollieren sind. Da sind 12 Abgeordnete, die die Mehrheit des Bündnisses ausmachen, schnell dahingeschmolzen. Aber es lauern  ja noch 15 Kommunisten, 13 Sozialisten und 17 Abgeordnete der Goldenen Morgenröte auf Regierungsposten.

Auf den Athener Silbermünzen der Antike war eine Eule geprägt. Aristophanes (444 bis 380 vor Chr.) bezeichnete es als überflüssig, Silbermünzen mit aufgeprägten Eulen ins damals noch reiche Athen zu tragen. Eulen nach Athen tragen wurde das Synonym für ein sinnloses Unterfangen. Leider ist das mit dem Euro auch so. Euros nach Athen tragen ist sinnlos. Aber nicht weil Athen reich ist…

2 Kommentare zu “Euros nach Athen tragen

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