Multikulti ist nie töter gewesen als 2016


Noch unter den Präsidenten Ronald Reagan (Präsidentschaft 1981-1989) und George Bush (1989-1993) gab es Ansätze von außenpolitischer Vernunft und zielgerichtetes Handeln. Der Blick war noch nicht durch Regenbogenfahnen verstellt und der Verstand noch nicht durch Genderstudies vernebelt.

Reagan rüstete die Sowjetunion tot und befreite damit Osteuropa aus jahrhundertelanger brutaler Knechtschaft. Die Unterstützung der frommen Moslems in Afghanistan war der Preis, um Moskau in einem langen Abnutzungskrieg (1979-1989) entscheidend zu schwächen. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wäre es für den Westen jedoch zweckmäßig gewesen, sich vom Engagement im Nahen Osten wieder zu lösen. Denn gerade die große Unterschiedlichkeit der westlichen und der paschtunischen Kultur war ja das Unterpfand des Sieges. Westliche Technik und östliche Todesverachtung gingen eine Allianz ein, die nur in den Tälern des Hindukusch, aber nirgends sonst auf der Erde Sinn macht.

Nach der Annexion des Scheichtums Kuweit befreite George W. Bush das Land von den Irakern. Alle Welt, und besonders die kriegsgeilen und moralintriefenden Medien rätselten damals, warum er den Krieg abbrach, nachdem die irakische Grenze erreicht wurde. Man hätte doch noch mit leichter Mühe einen Diktator stürzen können. Heute ist allen vernünftigen Beobachtern klar, daß die Destabilisierung von arabischen Regimen das Tor zur Hölle öffnet. Soviel Expertise das zu erkennen, hatte die amerikanische Außenpolitik am Anfang der neunziger Jahre noch.

Bill Clinton (1993-2001) verpaßte als Präsident endgültig den Ausstieg aus der Parteinahme für oder gegen den Islam. Der westliche Raum, der auf dem Balkan zu verteidigen ist, endet an der kroatischen, ungarischen und rumänischen Außengrenze. Noch Reichskanzler von Bismarck hatte davon eine Ahnung, als er 1876 in einer Reichstagsrede erwähnte, daß das Deutsche Kaiserreich auf dem Balkan kein eigenes Interesse verfolge, „welches auch nur […] die gesunden Knochen eines einzigen pommerschen Musketiers wert wäre“. Welcher schwerwiegende Fehler beispielsweise die Aufnahme Griechenlands in die EU war, zeigte sich in der Finanzkrise und der Asylkrise, als die ganze orthodoxe Lügenwirtschaft, Unfähigkeit und Verschlagenheit transparent wurde. Statt die Konfliktparteien auf dem Balkan ungestört gegeneinander wüten zu lassen, und nur die eigenen Grenzen zu verteidigen, mischte sich Bill Clinton ein. Sicher, er hat vielen Moslems auf dem Balkan das Leben gerettet. In Albanien wehten eine Weile lang überall amerikanische Fahnen. Aber Dankbarkeit für das Eingreifen der NATO auf Dauer zu erwarten war wirklich blauäugig. In den bosnischen und albanischen Moscheen gewinnen die Salafiten immer größeren Einfluß und die amerikanische Hilfe gerät in Vergessenheit.

Nicht realistischer verhielt sich George W. Bush (Präsident 2001-2009), der mit Saddam Hussein einen der bizarrsten Diktatoren stürzte und den Irak auf den Weg der Demokratie führen wollte. Der Unterschied der Kulturen wurde weghalluziniert. Der sich schnell zeigende Antagonismus zwischen Schiiten und Sunniten und das morgenländische Stammesdenken konnten durch die vom Westen verordnete Parlamentswahl nicht eingeebnet werden.

Barack Obama (Präsident seit 2009) hatte bereits kurz vor Amtsantritt 2008 in Berlin mit seinem Eingreifen als Weltpolizist gedroht: Er hielt seine Rede „als Bürger, als stolzer Bürger der USA und als Weltbürger“. Partnerschaft und Kooperation zwischen den Nationen sei keine Wahl, die man habe, sagte Obama – „es ist der Weg, der einzige Weg“. Die Unterschiede zwischen den Menschen, ob nach Herkunft oder Konfessionen, „das sind die Mauern, die wir jetzt einreißen müssen“.

Dieser angeblich einzige Weg (wir kennen diese vorgetäuschte Alternativlosigkeit auch von Frau Dr. Merkel) ist eine Sackgasse und eine breite Straße ins Inferno, die nur von Unterbelichteten benutzt wird. In Libyen, Tunesien, Ägypten und Syrien hat Obama die von ihm beschworenen Mauern zum Einsturz gebracht. Was bei Bush im Irak nicht geklappt hatte, funktionierte bei Obama gleich in vier Ländern nicht. Mittlerweile sind Teile des Irak, von Syrien und Libyen, aber auch der ägyptische Sinai Gottesstaaten geworden, in denen es keine säkulare Ordnung mehr gibt und wo Leute anderer Konfessionen gelyncht werden. „Mauern einreißen“, nannte der Zyniker Obama das.

Die NATO hätte aus dem Zusammenbruch der russischen Herrschaft in Osteuropa und Asien lernen können. Jahrzehnte- und in anderen Ländern jahrhundertelang hatte sich Rußland unter wechselnden Fahnen und Ideologien bemüht die nationalen Kulturen der Finnen, Esten, Letten, Litauer, Polen, Tschechen, Slowaken, Ungarn, Sachsen, Brandenburger, Mecklenburger, Thüringer, Franken, Kasachen, Turkmenen, Kirgisen, Tadshiken, Usbeken, Tartaren und Bulgaren zu zerstören. Nach der Lösung der sozialen Frage sollte die Nationalität keine Rolle mehr spielen und die internationale Arbeiterklasse unter der Führung der KPdSU den Kommunismus aufbauen. Völlig ohne greifbaren Erfolg verlief die „gute Sache“ im Sande. Seit der Mitte der achtziger Jahre machte jeder der Warschauer-Pakt-Satrapen wieder seins, als wenn es die russische Erziehungsdiktatur mit Stacheldraht, Todeslagern, Genickschuß, Deportationen und Instituten für Marxismus-Leninismus nie gegeben hätte.

Auch die westliche Kultur ist nicht so „gut“ oder so „natürlich“, daß man sie irgendwelchen Hinterwäldlern (amerikanisch: Hillbillies) aufstülpen kann. Entweder sie ist in einer Gesellschaft verankert, oder auch nicht. In Asien wird der romantische Träumer an der Verwestlichung der Kulturen regelmäßig scheitern, weil die Gewohnheit der Privatheit und des Privateigentums fehlt. Wo der Stammeschef alle Erträge einsammelt und im Stamm neu verteilt, wird es nie so etwas wie Industrie, Eigentum, Marktwirtschaft oder Innovation geben. Die Reformer Stolypin, Atatürk, Aman-Ullah, Bhutto, Nasser, Ghaddafi und Reza Pahlevi mußten alle vor den Realitäten ihrer Länder kapitulieren oder Ihr reformerisches Lebenswerk wurde nach ihrem Tode ruiniert. In Rußland, der Türkei, Afghanistan, Pakistan, Ägypten, Libyen und im Iran hat die fromme Tradition nach laizistischen und sozialistischen Experimenten auf ganzer Linie gesiegt. Der Nahe Osten ist der westlichen Kultur und dem Gedanken der Toleranz heute viel stärker entfremdet als vor dem Ersten Weltkrieg im Osmanischen Reich.

Der Multikulturalismus als Weltherrschaft der Demokratie und der Aufklärung ist nie töter gewesen, als 2016. Was Obama, Merkel und Sarkozy verbrochen haben, war einfach nur töricht.

 

Ein Kommentar zu “Multikulti ist nie töter gewesen als 2016

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.