Warum sind so viele Politiker Flachzangen?


Früher haben einige Spitzenpolitiker eine gewisse Seriosität ausgestrahlt. Oder sie wurden von den Medien günstig gezeichnet. Dr. Adenauer machte immer einen trockenen und exakten obersten Beamten. Willy Brandt hatte sich in vielen Berliner Krisen als Bürgermeister ein großes Ansehen in der Bevölkerung erarbeitet. Seine sexuellen Eskapaden wurden von den Medien ausgeblendet. Der selbsternannte Weltökonom Helmut Schmidt wurde zwar etwas überschätzt, aber er hatte eben auch einen schneidigen, glaubwürdigen, zuweilen volkslehrerhaften Auftritt. Beim Hamburger Hochwasser und im Deutschen Herbst war er zu kraftvollen Entscheidungen fähig. Bei Gerhard Schröder war man hin- und hergerissen: Mal im feinsten Tuch mit dicker Zigarre, mal prollig. Beim Irakkrieg und der Definition des Kleinbetriebs sehr weitsichtig, mal fast blind wie beim Afghanistankrieg, dem EEG und der vertrackten Riesterrente.

Sind diese Politiker im Bernstein der Erinnerung immer kompetenter geworden? Gemeinsam ist ihnen, daß sie in einer Welt des Aufschwungs, der Rechtsstaatlichkeit und der Marktwirtschaft regierten. Ich bitte meine Leser diesen Satz bezogen auf die heutige Zeit als relative Einschätzung zu verstehen. Wenn wir nämlich weiter in die zentralistische Zeit der Weimarer Republik, des Dritten Reiches und der Zone zurückblicken, fehlt es an diesen Persönlichkeiten. Oder sie waren sehr selten. Erst die Fürsten Bismarck und Metternich erscheinen im fernen, aber milden Licht wieder als erfolgreiche Macher. Sicher spielt bei Politikern immer die Kulisse eine Rolle, vor der sie agierten.

Aber solch eine Witzfigur wie Martin Schulz, so ein Nihilist wie Ralf Stegner, so ein Tiefflieger wie Anton Hofreiher oder so eine Gedankenvergewaltigerin wie Angela Merkel, das hat es in Deutschland vor 40 Jahren nicht gegeben. Merkels „Knackepunkte“ sind gedanklicher Hackepeter. Wie die meisten ihrer Satz- und Wortungetüme. Kommt die Sprache bei ihr aus dem Reißwolf?

Sind die Wähler schuld, die immer blöder werden? Eigentlich nur bedingt, denn sie haben ja gar keinen Einfluß, wen die Parteien auf ihren Wahllisten an die Spitze stellen. Sind es also die Parteien? Sind es die Medien, die die Akzeptanzlatte für einen politisierenden Hanswurst immer tiefer legen?

Es ist neben dem kulturmarxistischen Zeitgeist ein ganzes Bündel von Ursachen, die miteinander verknüpft ein fatales Förderprogramm der Inkompetenz ergeben. Da ist sicher die überbordende Schar von staatlich bezahlten Helferlein, die jeder Abgeordnete unterhält, und aus denen sich in der Regel zukünftige Politiker rekrutieren. Außer einem abgebrochenen Studium haben die oft keine weitere Qualifikation. Von der Schulbank ins Parlament. Der Steuerzahler züchtet mit hohem Aufwand ein parlamentarisches Prekariat heran, das von nichts, außer von Machtspielchen und Volksverdummung – sogenannter Politikvermittlung – eine Ahnung hat.

Vielleicht würde es helfen, wenn die Wähler wie bei Kommunalwahlen ihre Favoriten aus einer Liste selbst auswählen dürften? Wenn die üppigen Fraktionsgelder gestrichen würden? Oder wenn die Staatssender abgeschaltet würden? Alles wären nur Versuche. Pillen und Patentrezepte gegen Blödheit gibt es leider nicht.

Die Medien lassen den Politikern mehr durchgehen, als früher. Springer-Chef Mathias Döpfner hat es kürzlich eingeräumt und Besserung gelobt. Claudia Roth oder Katrin Göring-Eckhardt hätten in den 60ern in der damaligen Medienlandschaft keine Chance gehabt. Das lag nicht daran, daß sie Frauen sind. Nein, es gab früher auch ein Gespür für Qualität. Statt Parlamentspräsidentin Roth saß damals Annemarie Renger (1919-2008, SPD) dem Bundestag vor, die wirklich intelligent und witzig war und unserem Land ein würdiges Gesicht gab. Sie kam noch aus einem handfesten Tischlerhaushalt und nicht aus dem irrlichternden Bionadebürgertum.

Sicher, uns Wähler darf man nicht aus der Verantwortung entlassen. Den Sinn für Charakterstudien gibt es doch in jeder Familie, in jeder Nachbarschaft, warum nicht in der Politik? Bei der Einschätzung von Politikern verläßt sich manch einer auf Herrn Kleber und Frau Slomka. Ein Fehler! Was man nicht selbst einschätzt und entscheidet, wird auch nichts.

Die etwas wendigeren Wähler haben bei CDU und SPD inzwischen gekündigt, aber immerhin gut 60 % der Deutschen haben Schrott gewählt: Merkel, Schulz und Göring-Eckardt. Obwohl mit Weidel, Wagenknecht, Gauland und Schäffler intellektuelle Alternativen auf dem Markt sind. Na gut, ich will nicht weiter auf die Wähler schimpfen. Der Tiefpunkt des deutschen Parlamentarismus war 2013 bis 2017 erreicht. Volkskammerniveau. Das Wahlergebnis dieses Herbstes läßt wieder etwas hoffen. Langsam, viel zu langsam geht es aufwärts.

 

4 Kommentare zu “Warum sind so viele Politiker Flachzangen?

  1. Menschen, die etwas gelernt haben, eine fundierte Ausbildung genossen haben und in ihrem Beruf etwas leisten, einen ordentlichen Charakter haben und ehrlich sind, gehen wohl kaum in die Politik.
    Dort treiben sich Lindners, Roths, KGE, Kötzdemir, Tritt ihns, Quallen, Pofallers und andere seltsame Gestalten herum.
    Flachzangen würde ich die nicht nennen, denn eine Flachzange ist immerhin noch zu etwas nütze.

  2. Tya, Herr Doktor,
    es sind schon die Deutschen, also unsere lieben Mitbürger. Die Wähler sind schon mal eine positive Auslese, es gibt ja noch Nichtwähler. Merkel ist bei aller Richtlinienkompetenz nur das Synonym für den Weg nach unten.

    Wir wollen trotzdem nicht aufgeben.

    Übrigens gäbs schon Patentrezepte. Einfach mal den Strom ne Woche abschalten. Dann ist überall Dunkeldeutschland. Die Industriepolitik scheint das ja als geheime Agenda zu verfolgen.

  3. Erstklassige Chefs haben erstklassige Mitarbeiter, zweitklassige Chefs haben drittklassige Mitarbeiter. Merkel hat merkelhafte Mitarbeiter. Noch Fragen?

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