Dunkeldeutschland und die DDR-Bildung


Es gibt Westjournalisten, die das DDR-Bildungssystem für Dunkeldeutschland und die AfD-Erfolge im Osten verantwortlich machen. Exemplarisch Alan Posener von der WELT: „An den Folgen des DDR-Systems leidet freilich die Republik bis heute: autoritäres Denken, buckeln nach oben, treten nach unten, die Überbewertung des Unterrichts gegenüber der Erziehung, des Stoffs gegenüber dem Charakter.“

Nun hat der Bundeswahlleiter das Bundestagswahlergebnis im Wilden Osten nach Alterskohorten aufgeschlüsselt. Wenn wir da mal die über 70jährigen rausgreifen, die sind telweise noch im Stalinismus zur Schule gegangen. Die Jüngsten von denen waren 40, als der Stacheldraht aufgewickelt wurde. Das Beitragsbild zeigt die Originalbänke aus der Zeit, in denen ich in der Grundschulzeit gesessen habe.

Andererseits haben wir im Gegensatz die Alterskohorte von 25 bis 34, die die Schule nach 1990 besucht hat. Die waren 1990 noch gar nicht geboren, die Ältesten 4 Jahre alt. Die haben das neue westliche Schulsystem „genossen“.

Diese beiden Kohorten kann man nun anhand der amtlichen Wahldaten vergleichen. Mal sehen, wie die im Ex-DDR-Gebiet gewählt haben.

In der Nach-1990-Kohorte von 25 bis 34 haben 22,7 % AfD gewählt und 2,1 % NPD. Von den DDR-sozialisierten Methusalems über 70 haben nur 14,1 % AfD gewählt und 0,2 % NPD. Die Durchschnittswerte für die beiden Parteien betrugen in der Ex-DDR 21,9 und 1,0 %.

Interessant vielleicht noch die Generation der Umbruchszeit zu betrachten, die während der Schulzeit beide Systeme durchlaufen hat, also vergleichen kann. Das sind heute die 35- bis 44jährigen. Sie wählten 25,7 % AfD und 1,6 % NPD.

Das neue westliche Schulsystem hat nach der fragwürdigen Theorie von Posener wesentlich mehr sogenannte „Dunkeldeutsche“ hervorgebracht, als das poststalinistische DDR-Schulwesen.

Nun kann man entweder davon ausgehen, daß das Paradigma der DDR-produzierten Autoritätssstrukturen falsch ist. Oder es ist doch richtig, und das „autoritäre“ Schulsystem hat CDU-, SPD- und Linkewähler hervorgebracht, während das westliche System des Ausdiskutierens mehr AfD- und NPD-Wähler produziert.

Bei den über 70jährigen haben im Osten immerhin 35,3 % CDU gewählt, 19,8 % SPD und 21,6 % die Linke. Die Durchschnittswerte im Osten betragen: CDU 27,6 %, SPD 13,9 % und Linke 17,8 %. Man muß Posener also fragen: Sind CDU, SPD und Linke die dunkeldeutschen Parteien der in der Schule deformierten autoritätshörigen Ossis?

Noch ein letztes Mal will ich meine Leser mit Zahlensalat quälen. In der nach 1990 eingeschulten Alterskohorte 25 bis 34 Jahre haben nur 21,2 % CDU gewählt, 12,2 % SPD und 15,2 % Linke. Alle unterdurchschnittlich, zusammen nicht mal die Hälfte der Wähler.

Ich könnte nun noch aufschreiben, was ich selbst für die Ursachen des Wahlergebnisses halte. Das verkneife ich mir heute. Ich wollte ja nur beweisen, was die „Qualitätspresse“ – hier exemplarisch die „WELT“ – für Fakenews produziert.

Eine Bitte an die WELT-Chefs Stefan Aust und Ulf Poschardt: Mehr Analyse, weniger Agitation, die man heute verharmlosend „Standpunkt“ nennt. Sie können das und sie schaffen das.

 

 

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