Ein Schloß voller brauner Affen


Das zwangsfinanzierte Staatsfernsehen ist nicht nur unprofessionell und peinlich, zunehmend wird es chauvinistisch. Deutscher Chauvinismus ist aggressive moralische Lufthoheit, bei dem ausländische „Abweichler“ und ganze Völker abgewertet werden. Das war gestern Abend im Übermaß der Fall.

Die Sendung „Mainz wie es singt und lacht“ wurde von den beiden ÖR-Sendern schon seit Jahrzehnten zensiert. Sitzungspräsident Rolf Braun wußte sich noch zu wehren, seine beiden Nachfolger Betz („Guddi“) und Schmidt wurden und werden von den Redakteuren der Sendeanstalten offensichtlich nicht mehr ernst genommen.

Die Mainzer Hofsänger hatten wegen kritischer Texte jahrelang Auftrittsverbot. Dann durften sie Ole-ole-ole singen, und nun sind sie endlich im Sinne der Medienzaren domestiziert und sie dürfe wieder Texte trällern. Jetzt hat das Fernsehen sie soweit, daß sie nur noch ausländischen Potentaten und Nachbarvölkern an die Gurgel gehen. Zum Beispiel den Briten: „Eine Insel voller Affen…“. Das war die Rache des ZDF für den Brexit.

Auch Lars Reichow stand nicht nach, als er vom großen weißen Gorilla faselte. Da kann man sich denken, wen er meinte. Natürlich bekamen auch Putin, Orbán und die AfD was ab.

Die Fastnacht diente früher dazu, der Obrigkeit im Kostüm des Narren mal die Meinung zu sagen. Also der Regierung. Heute sagen die Narren der Opposition (speziell der vom ZDF ungeliebten AfD) die Meinung und arbeiten sich an Ausländern ab, weil sie Merkel und Co nicht mehr kritisieren dürfen. Dabei hatte das sich auf dem draaturgischen Höhepunkt stattfindende Regierungsbildungstheater die eine oder andere humoristische Spitze geradezu provoziert.

Das Verhältnis des Staatsfernsehens zum Ausland erinnert an das Dritte Reich und den Wilhelminismus.  „In staunender Weise ertüchtigt, voll hoher sittlicher  Kraft zu positiver Betätigung, und in unserer furchtbaren Wehr der Schrecken unserer Feinde, die uns neidisch umdrohen, so sind wir die Elite unter den Nationen und bezeichnen eine zum ersten Male erreichte Höhe germanischer Herrenkultur, die bestimmt niemals und von niemandem, er sei wer er sei, wird überboten werden können!“

Das legte Heinrich Mann seiner Romangestalt Diederich Heßling in den Mund. Wenn man mal von der „furchtbaren Wehr“ absieht, die durch Mißmanagement der Ministerin derzeit derb unter Ersatzteilmangel leidet, so hat Heinrich Mann die chauvinistische Stimmungslage im zwangsfinanzierten Staatssender ZDF gut getroffen. Täglich läuft die braune Soße hinten und vorne aus dem TV.

Nun braucht es immer nützliche Idioten, die das Spiel der Mächtigen mitmachen und sich an der angeklebten Nase durch die Arena ziehen lassen. Wie lange lassen sich die Mainzer Narren vom Fernsehen noch zum braunen Affen machen?

3 Kommentare zu “Ein Schloß voller brauner Affen

  1. Ich fand es auch bedenklich. Zumal die Kabarettisten ja nicht mal Teil unserer überheblichen Elite selbst sind, sondern bloße Mitläufer, und in gewissem Sinn tatsächlich Spiegel der („besseren“) Mainzer Gesellschaft. Dieses Völkchen macht jeden Unsinn mit, solange dadurch das eigene Ego gestreichelt wird.
    Richtig und wichtig, das nicht zu ignorieren.

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