Der stille Don


Der Roman „Der stille Don“ erzählt uns die Lebensgeschichte des Donkosaken Grigori Melechow. In den russischen Revolutionswirren kann er sich weder endgültig für die Weißen noch für die Roten entscheiden. Er sehnt sich nur nach einem einfachen Kosakenleben und kämpft zunächst mit den Weißen gegen die Rote Armee, ohne sich mit den Zielen seiner Kombattanten voll zu identifizieren. Nach der Niederlage der Weißen dient er den Roten gegen die Polen. Später schließt er sich einer Bande von Desperados an, die aber auch aufgerieben wird, wie alles in seinem Leben.

So ein stiller Don, der sich zwischen Grünen und Blauen nicht entscheiden will, ist Rainer Meyer, genannt Don Alphonso. Eigenwillig, ästhetizistisch, oft von oben herab wandelte er auf seinem Blog „Stützen der Gesellschaft“ zwischen den Welten. Das hat bei der FAZ nun erst mal ein Ende gefunden. Die Stützen der Gesellschaft haben ihn abgeschaltet.

Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. So der Schlachtruf der Eiferer. Wie Melechow am stillen Don ist der stille Don aus Oberbayern im kalten Bürgerkrieg zwischen Grün und Blau zerrieben worden. Er ist nicht das erste Opfer von grüner Intoleranz und überschießendem Fanatismus. Es müßte doch eigentlich einen von der Gesellschaft geschützten Raum geben, in welchem man sich ungestraft informieren und orientieren kann, ohne sofort eine Entscheidung für die „gute“ Seite treffen zu müssen.

Bei der FAZ muß es eine Art Wanseekonferenz für Texte gegeben haben, wo beschlossen wurde, welche Blogs ins Gedanken-Auschwitz abtransportiert gehören. Wer beim Tanz ums migrantische Kalb oder beim Kampf für die neoenergetischen Windmühlenflügel nicht mitmacht, wird in die Parallelgesellschaft des Internets verbannt. Don Alphonso ist als Internetpionier mit dem Worldweitweb vertraut. Für ihn ist die Situation nicht existenziell.

Die deutschen Blogs sind inzwischen ein who is who der verstoßenen Journalisten. Eva Hermann, Roland Tichy, Nicolaus Fest, Thomas Böhm, Matthias Matussek und viele andere wurden auf die eine oder andere Art entsorgt. Als vorerst letzten hat es Don Alphonso erwischt. Willkommen im Klub!

Aber wie sähe es in den alternativen Blogs aus ohne die verbannten Profis? Ziemlich grau.  Liebe Frau Dr. Merkel, vielen Dank, daß es unter ihrer Führung politische Entlassungen, Berufsverbote, brutale Knüppelgarden und krude Einschüchterung gibt. Machen Sie weiter so! Rauswürfe aus dem halbstaatlichen Medien- und Politikbetrieb heben die journalistische und literarische Qualität im Internet.

Aufgeklärte Herrscher haben sich immer bemüht so viele Querdenker, Freiheitsfreunde und Kreative wie irgend noch möglich innerhalb der Weidezäune der herrschenden Klasse grasen zu lassen. Erstens weil es Nutzen für das naturwüchsig zur Verkrustung neigende Herrschaftssystem bringt und zweitens weil man die Zahl der hungrigen Wölfe reduziert, die um die regierten Schafe herumkreisen. Selbst absolutistische Fürsten haben sich Hofnarren geleistet. Aber diese humorlose protestantische Kuh ist eben nicht barock, sondern allenfalls hunnisch.

Im System Merkel wird alles entsorgt, was nicht pariert. Denken wir mal an Tatjana Festerling. Sie war bei einer städtischen Gesellschaft beschäftigt und hatte kaum Zeit für Politik. Sie wurde nach ihrem Weltwoche-Bericht über die Kölner Heinzelmännchen aus politischen Gründen gekündigt. Nun hat sie Zeit und einen eigenen Blog. Oder Ursula Sarrazin, die aus ihrem Job als Lehrerin gemobbt wurde, nachdem ihr Mann ein mißliebiges Buch veröffentlicht hatte. Sie nahm es sportlich, hat sich mit dem Buch „Hexenjagd“ revanchiert und ist jetzt öfter locker auf Lesereise. Die Wenigsten lassen sich mundtot machen. Ich denke Meyer taucht als Autor irgendwo irgendwann irgendwie wieder auf.

Eine Welt, in der sich zwischen dem staubtrockenen Merkelfaschismus einerseits und AfD und PEGIDA andererseits nur noch eine von der Merkeljugend terrorisierte Wüste erstreckt, ist nicht lebenswert. Dieses polarisierte Europa ist aber das teuflische Lebenswerk von Dr. Merkel. Merkel muß weg.

2 Kommentare zu “Der stille Don

  1. Nun, als bekennender Don Anbeter:
    Der Mann ist ganz sicher kein Opfer.
    Der wackere und ebenfalls sehr geschätzte Danisch irrt, wenn er bei ihm Naivität vermutet.
    Die Antwort ist einfach: Denn sie wissen nicht was sie tun sollen.
    Toll doch und zum piepen, dass er noch bis Ende März bei der FAZ weitermachen tut. Heute übrigens zu Tellkamp.

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