Die Dekadenz vorrevolutionärer Zeiten


Vorrevolutionäre Zeiten sind daran erkennbar, daß die herrschende Klasse oder Kaste der Dekadenz verfällt und damit den Faden zum einfachen Volk verliert. Derzeit kann man das in Deutschland wieder einmal diagnostizieren: Eine Vielzahl von Geschlechtern, Klimakatastrophismus, sexuelle Verirrungen, als „Wissenschaft“ verkaufte Genderstudien, Rauschgift, überteuerte Energiekosten, extremer Veganismus, Diesel- und Kohlephobie und eine unüberlegt oder böswillig massenhaft importierte Herrenmenschenideologie weisen in diese Richtung.

Das mit der Abgehobenheit war auch vor der französischen Revolution so, wo Versailles ein isoliertes Adelsghetto geworden war. Das zeigte sich in Kriegsmüdigkeit der Soldaten und Offiziere vor der Novemberrevolution 1918, während die Redakteure, Dichter und Denker außerhalb des Schlamms der Schützengräben immer noch für die letzte, die neunte Kriegsanleihe warben. Und vor der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933. Ein Blick zurück auf die Kulturkrise des Spätkaiserreichs und der Weimarer Republik, um Vergleiche zu ziehen.

„Platzkonzert, ein jeder rennt, denn heute spielt die große Band des 4. Regiments der Infanterie.“ So vermittelte uns Drafi Deutscher in einem Schlager der 60er Jahre die Goldene Zeit vor 1914.

Das ist jedoch nur die eine volkstümliche Seite der Medaille. Die Intellektuellen und selbstgefühlten Avantgarden der damaligen Zeit pfiffen auf Platzkonzerte. Sie hatten ihre Liebe für Reinigungskatastrophen, Blutleuchten und den Neuen Menschen entdeckt. Der Rationalismus des 19. Jahrhunderts und der dadurch ermöglichte technische Fortschritt war ihnen zuwider.

Bereits ab Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich besonders unter dem Einfluß von Arthur Schopenhauer (1788 bis 1860) die literarisch-philosophische Dekadenz.

Die lebensmüde, oft lebensfeindliche Untergangsstimmung, die Faszination durch den Verfall in allen Formen, führten zur Vorliebe für Krankheiten, krankhafte Zustände sowie für den Tod. Die charakteristischen Figuren der dekadenten Literatur zeichnen sich denn auch durch eine geschwächte Vitalität aus…Sensibilität wurde kultiviert, Nerven, Nervosität und Hysterie wurden Schlüsselwörter. Normalität und Natur lehnte man in diesen Kreisen als banal und uninteressant ab“, schrieb Bengt Algot Sörensen in seiner „Geschichte der deutschen Literatur“ darüber.

Spielwiesen der nervenkranken Welt waren die Praxen der Psychiatrie, der Hypnose, der Suggestion, der Triebpsychologie und zuletzt der Psychoanalyse als Königsdisziplin der reformistischen Traumdeutung. Bereits 1892 schrieb Max Nordau in „Entartung“ „wir stehen mitten in einer schweren geistigen Volkskrankheit, in einer schwarzen Pest von Entartung und Hysterie.“

Friedrich Nietzsche als Ideengeber des Reformismus war sowohl von Schopenhauer als auch von Paul Bourget beeinflusst, dessen „Théorie de la Décadence“ 1883 erschienen war. Überwiegend waren im Spätwerk von Friedrich Nietzsche, insbesondere in „Also sprach Zarathustra“ die Versuche, die Dekadenz zu überwinden und ihr die Philosophie des Lebens gegenüberzustellen. Zarathustra ruft jedoch zu einem archaischen Leben auf, das in seinen sinngebenden Abschnitten aus Krieg, Kampf und Blutvergießen besteht und damit den eigenen Lebenserhalt sozusagen um in der biologistischen Logik zu verweilen „widernatürlich“ gering schätzt.

Der Riß zwischen krankhafter Dekadenz und dem Leitbild des „gesunden Volksgenossen“ ging mitten durch manche Schriftsteller- und Malerexistenzen: Thomas Mann schilderte minutiös den Verfall einer Kaufmannsfamilie, und sehnte sich in „Tonio Kröger“ doch nach den Wonnen der Gewöhnlichkeit. Ganze Künstlerscharen von Malern, Dichtern, Schriftstellern und Publizisten schworen dem Stadtleben ab und drängten in die ländlichen Künstlerkolonien nach Murnau, Friedrichshagen und Worpswede, um sich den Wonnen des Landlebens auszusetzen und an der Kraft der bäuerlichen Tradition und des deutschen Bodens zu schmarotzen. „Blut und Boden“ war kein Parole von Hitler, sondern von ihm nur aufgesammelt.

Die Dekadenz blühte im Rahmen der Kulturkrise der Jahrhundertwende weiter auf, in der Lebensreformbewegung die ebenfalls von dieser Krise angetrieben wurde, entwickelte sich fast gleichzeitig Widerspruch. In der 1896 gegründeten Zeitschrift „Jugend“ erschien 1898 ein Artikel, welcher die Überschrift „Anti-Fin de siècle“ trug und sich polemisch gegen die „Müdigkeitsbruderschaft der Dekadenten“ wandte. Die Auseinandersetzung mit der Dekadenz wurde im Folgenden eine Konstante der Jugendbewegung. Die Kampfformen waren so heterodox wie diese Bewegung selber: Ausdruckstanz, Rassismus, Vegetarismus, Nudismus, Krieg, Sport, Euthanasie. Zum Schluß die Ausstellung „Entartete Kunst“, in der auch die „Werke“ von Nationalsozialisten wie Röhl und Nolde hingen. Neben einem starken Hang zum Elitarismus war es besonders die weitverbreitete Manie, die tradierten Werte abzulehnen und bewusst umzuwerten, medienwirksame Tabubrüche zu begehen, selbst und gerade auch um den Preis nicht volkstümlich und massenwirksam zu sein.

Der Ästetizismus blickte ab 1890 in den Spiegel des Nietzscheanismus und vermeinte sich im Übermenschen wiederzuerkennen. 1892 bekannte sich Stefan George in seinen „Blättern für die Kunst“ zur „kunst für die kunst“ mit einem Primat für die Schönheit. Sörensen schreibt dazu:

„Dekadenz und Ästhetizismus verbanden sich mühelos miteinander. Der Typus des Ästheten, der das eigene Leben und die Umwelt nicht mit moralischen Kategorien von Gut und Böse, sondern mit den ästhetischen Begriffen von Schön und Häßlich bemisst, gehört zusammen mit dem Dandy und dem Dilettanten zu den Lieblingsfiguren der damaligen Literatur.“

Ohne die Parole von der Umwertung der Werte lässt sich diese Haltung kaum verstehen, vielfach waren die Werke der Dekadenten nur „Lehrprosa“ und „Lehrlyrik“ zur Lebensphilosophie. Der arrivierte Künstler der damaligen Periode wollte nach der Logik der Herdentiere beweisen, in der neuen Zeit angekommen zu sein. Das ständig präsente Leitmotiv des Kampfs des Starken gegen das Schwache berührte Frank Wedekinds Bänkelgesang „Tantenmörder“ (1897):

Ich habe meine Tante geschlachtet .
Meine Tante war alt und schwach.
Ihr aber, oh Richter, ihr trachtet
Meiner blühenden Jugend-Jugend nach.

Mühelos verbanden sich nicht nur Dekadenz und Ästhetizismus miteinander, auch die Dekadenz und die völkische Bewegung kohabitierten bereits früh. Der junge Heinrich Mann brachte es 1894 fertig gleichzeitig zwei Dekadenzromane: „Das Wunderbare“, in der die Schönheit des Verfalls beschrieben wurde, und „Contessina“ zu schreiben und bei der antisemitisch-völkischen Zeitung „Das Zwanzigste Jahrhundert. Blätter für deutsche Art und Wohlfahrt“ mitzuarbeiten.

Neu war auch, dass man sich auf die Faszination der Großstadt einließ. Der Lyriker Ernst Blass forderte, dass die modernen Dichter die Bilder der Großstadt als Landschaften ihrer Seele darstellen, und nicht die Großstadt an sich. Die Abstraktionstendenz war nicht zu übersehen: nicht der Einzelne, das Individuum wurde dargestellt, sondern der Mensch an sich. Solch eine großstädtische Seelenlandschaft offenbarte Paul Boldt:

Auf der Terrasse des Café Josty

Der Potsdamer Platz in ewigem Gebrüll
Vergletschert alle hallenden Lawinen
Der Straßentakte: Trams auf Eisenschienen
Automobile und den Menschenmüll.

Die Menschen rinnen über den Asphalt,
Ameisenemsig, wie Eidechsen flink.
Stirne und Hände, von Gedanken blink,
schwimmen wie Sonnenlicht durch dunklen Wald.

Nachtregen hüllt den Platz in eine Höhle,
Wo Fledermäuse, weiß, mit Flügeln schlagen
Und lila Quallen liegen – bunte Öle;
Die mehren sich, zerschnitten von den Wagen.–
Aufspritzt Berlin, des Tages glitzernd Nest,
Vom Rauch der Nacht wie Eiter einer Pest.

Der „Menschenmüll“ wurde nur wenig später auf den Schlachtfeldern um Verdun relativ bedenkenlos entsorgt.

Großen Einfluß gewann nach 1900 Siegmund Freud, der den Menschen so darstellte und beschrieb, dass er nicht Herr im eigenen Körper sei, sondern seine Psyche von bösen ödipalen Geistern in den Schläuchen des Körpers umgetrieben würde. Der Kampf mit dem eigenen Vater, der seinem Sohn in der ödipalen Phase die sexuellen Reize der Mutter vorenthielt, gewann unter Freuds Einfluß gerade nach 1910 große Bedeutung: Heym, Benn und Becher führten den Kampf mit dem Vater sowohl persönlich als auch literarisch, in einigen anderen Fällen kam es zum literarischen Vatermord. Walter Hasenclever gar ließ 1914 in seinem Roman „Der Sohn“ aus nichtigem Anlaß die männlichen Mitglieder eines Jugendclubs zu den Klängen der Marseilleise den Mord an ihren Vätern beschließen.

Georg Heym träumte 1910 von Barrikaden und Kriegen. Auskunft gab sein Tagebuch:

„Geschähe doch einmal etwas. Würden einmal wieder Barrikaden gebaut. Ich wäre der erste, der sich darauf stellte, ich wollte mit der Kugel im Herzen den Rausch der Begeisterung spüren. Oder sei es auch nur, dass man einen Krieg begänne, er kann ungerecht sein. Dieser Frieden ist so faul ölig und schmierig, wie Leimpolitur auf alten Möbeln.“

Ein Jahr später reimte er schon wieder vom Krieg:

Aufgestanden ist er, welcher lange schlief,
aufgestanden unten aus Gewölben tief.

Eine große Stadt versank in hellem Rauch,
warf sich lautlos in des Abgrunds Bauch.
Aber riesig über glühnden Trümmern steht,
der in wilde Himmel dreimal seine Fackel dreht

über sturmzerfetzter Wolken Widerschein
in des toten Dunkels kalten Wüstenein,
dass er mit dem Brande weit die Nacht verdorr,
Pech und Feuer träufet unten auf Gomorrh.

Von 1910 bis 1914 entstanden Hunderte von Gedichten, Romanen und Bildern, in denen der bevorstehende Krieg thematisiert und herbeigeschrieben worden ist. 1911 wurde Jakob von Hoddis „Weltende“ veröffentlicht, das die deutschen Gymnasiasten regelrecht elektrisierte:

Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut,
in allen Lüften hallt es von Geschrei
Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei
Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.

Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen
An Land, um dicke Dämme zu zerdrücken.
Die meisten Menschen haben einen Schnupfen.
Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.

Die literarisch-poetische Zerstörungslust, manchmal gar Zerstörungswut, war mit dem Wunsch nach einer harmonischen schönen Neuen Welt verbunden, deren neue Menschen in einer brutalen Reinigungskatastrophe entstehen würden.

Mit dem Weltkrieg und Versailles kam es zwar zu einer Katastrophe, sie reinigte allerdings nicht. Die Novemberrevolution verursachte Verwerfungen, die bis heute katastrophale Auswirkungen haben. So wurden die Haushaltshoheit der Städte und Gemeinden beschnitten, indem ihnen ein Großteil der Steuereinnahmen weggenommen und auf die Zentrale umverteilt wurden.

Die beginnende Weimarer Republik begleiteten ein manirierter Spät-Jugendstil sowie dessen Derivate, sowohl in der Illustration, in der Malerei als auch auf dem Wahl- und Agitationsplakat. Nicht nur der Jugendstil, fast alle Reformsekten wie Expressionisten, Okkultisten, Nudisten, Aktivisten, Vegetarier, Siedler und Ästhetizisten retteten sich über den Weltkrieg hinweg. Vom Blauen Reiter strömten die Maler ins Bauhaus, die Kriegsliteraten wurden die schärfsten Kritiker der Rüstungsindustrie, die Expressionisten und Wandervögel begehrten in Scharen Einlaß in die KPD und in völkische Landkommunen, die Kriegsplakatillustratoren und „litterarischen“ Heldenverschönerer wurden Pazifisten. Da die Lebensreform viel mehr war als ein Protest gegen das verkrustete Kaiserreich, da sie das konservative Kaiserreich der siebziger und achtziger Jahre mit dem Transport eines neuen biologistischen und vitalistischen Welt- und Menschenbildes in die Gesellschaft kulturell aufrieb, so überlebte sie den Kaiser. Für die Kostgänger des Kaiserreichs änderten sich die Aspekte: Nicht mehr der Blick in eine grenzenlose Zukunft, sondern der Rückspiegel in das Kaiserreich und das sich-messen am Kaiserreich war die ersten Jahre der Republik eine neue Perspektive vor allem der älteren Generation. Aber für die jüngeren Reformisten war und blieb das Ziel nach wie vor der Marsch in die biologistisch, vitalistisch, sozialistisch, kosmogen geprägte Zukunft. Die Parole hätte auch damals schon sein können: „Wir schaffen das.“

Die Jahre zwischen 1924 und 1929 werden dennoch als goldene Jahre bezeichnet. Um diese Wertung zu teilen, ist es erforderlich, das politische, kulturelle und wirtschaftliche Anspruchsniveau stark herunterzuschrauben. Die heute unverdient gefeierte Avantgarde wurde durch das Bauhaus, die Neue Sachlichkeit und Brechts episches stalinistisches Theater besetzt. Das war für 14 Jahre nicht sehr viel. Der breite Strom der Alltagskultur ergoß sich als abgestandener Expressionismus und gestreckter Jugendstil in die gesellschaftliche Umgebung.

Während in einer durchaus begrenzten Zahl von Lokalitäten der Charleston im Zibbelröckchen getanzt wurde, ging die Kulturrevolution sowohl in Berlin wie in der Provinz ihren sozialistischen Gang. Das soll im folgenden exemplarisch an der Freiland-Freigeld-Bewegung, der UFA und der elitären Zeitschrift „Weltbühne“ gezeigt werden. Selbstverständlich ist das nur ein Ausschnitt: Betrachtungen über den „Kladderadatsch“, den „Simplicissimus“ und den „Kunstwart“ würden das Bild zwar abrunden, die Folgerungen wären jedoch keine grundsätzlich anderen.

Auf der Leuchtenburg wurde 1925 ein Workshop Freiland – Freigeld – Freikultur veranstaltet, bei dem nichts obskurantistisches fehlte, was die Jugendbewegung ausgebrütet hatte. Muck Lamberty hatte es so ausgedrückt: „Besinnt Euch! Unser Volk muß untergehen, wenn die Jungen und Junggebliebenen nicht aufstehen und an sich arbeiten. Wir wollen in den Tagen, die wir bei Euch sind, mit Euch leben und kämpfen gegen Vergnügungen aller Art, die die Jugend ausbeuten an Leib und Seele aus Geldinteressen, und rufen Euch auf, die Tage mit uns zu verbringen in rechter Fröhlichkeit.“ Vor und nach dem Weltkrieg hatte er sich mit Experimenten beschäftigt, das verhaßte Geld aus dem Verkehr zu ziehen. Eine Lösung könnten Tauschläden sein, die er in nietzscheanischer Manier „Umwertungsläden“ nannte, mit einer Produktpalette, die den sozialromantischen Reiz von Dritte-Welt-Läden ausmacht:

„Freunde der guten Sache, klare und rare Köpfe, werden in der Stadt eine Umwertungsstelle schaffen, einen Laden mieten und wenn möglich später einmal ein ganzes Häuslein kaufen oder bauen, wo die fertigen Arbeiten unserer jungen und junggebliebenen Handwerker sich zusammenfinden. Ausstellung und Verkauf durch die Handwerkergemeinschaft. Dort gibt es feine Töpfe, schöngebundene Bücher, Lauten, guten Schmuck, rechten Hausrat, herrliche Drucke und Steinzeichnungen, fertige Kittel und Gewänder, handgewebte Stoffe, ja sogar Lichterkränze für die guten deutschen Stuben statt Blechleuchter der närrischen Welt vor dem Kriege. In der Umwertungsstelle werden wiederum Menschen unserer Art gebraucht: Kaufleute, praktische Menschen, Mädchen, Schreiberlein, Arbeiter, Gehilfen. So wird allen im Sinne der Gesundung und der Erstarkung eine Lebensmöglichkeit geboten, so daß sie auch in der Arbeit so denken und sich geben können, wie sie es sicherlich jetzt möchten.“

Die Märchen von den goldenen Jahren und von der fortschrittlichen Weimarer Republik geistern durch die herrschende Lehrmeinung und durch die Medien, da sie eine irreführende Funktion haben: Die Eliten der Kultur, die sich weiterhin auf die Kraftquellen der „Moderne“ und des „Neuen Menschen“ beziehen, wollen die Beteiligung der modernen Kraftmeier an der Genese der nationalsozialistischen Herrschaft vertuschen. Deshalb wird die heutige Auseinandersetzung mit der NSDAP auf die Jahre nach der Machtergreifung konzentriert und die dekadente Kulturrevolution 1890 bis 1933 wird kleingeredet. Auschwitz soll die Sicht auf die dem Nationalsozialismus vorhergehende Auflösung der tradierten Moralvorstellungen verstellen. Eine buntes Bündnis der Vertuscher und Verpfuscher ist da am Werk.

Das Bauhaus, die Neue Sachlichkeit, die „Weltbühne“ und der Acht-Stunden-Tag gehörten für die Historiker zur „fortschrittlichen“ Tendenz, es war aber nicht die herrschende, wie das Ende der Republik beweist. Die Historiker haben sich im Weimarer Irrgarten auf die Betrachtung dieser „fortschrittlichen“ Gewächse konzentriert, und alles mit der Gartenschere weggeschnitten, was nicht in das von ihnen verteidigte vulgärmaterialistische System passte.

Rainer Maria Rilke sang 1926 im Duett mit den Autoren der „Weltbühne“ das Hohelied auf Benito Mussolini: Im Januar und Februar 1926 schrieb er drei Briefe an die in Mailand lebende antifaschistisch eingestellte Herzogin Gallarati Scotti, in denen er die faschistische Diktatur pries und als Heilmittel empfahl, da es „sich auf die Autorität stützt“. Eine „gewisse, vorübergehende Gewaltanwendung und Freiheitsberaubung“ sei tolerabel. Da Ungerechtigkeit schon immer Bestandteil aller menschlichen Bewegungen gewesen sei, solle man, sofern man nur einen Plan für die Zukunft habe, nicht die Zeit damit vergeuden, Ungerechtigkeiten zu vermeiden, sondern müsse einfach über sie hinweg zur Aktion schreiten. „Das ist genau das, was sich im Augenblick in Italien abspielt, dem einzigen Lande, dem es gut geht und das im Aufstieg begriffen ist.“ Mussolini sei zum „Architekten des italienischen Willens“ geworden, zum „Schmied eines neuen Bewußtseins, dessen Flamme sich an einem alten Feuer entzündet“. „Glückliches Italien!“

In der Weltbühne pries Kurt Hiller Italien:

„Der Fascismus hat immerhin Wein im Blut, der deutsche Republikanismus Bier.“

Heute fragt man sich freilich, ob Mussolinis Faschismus in einigen Punkten, insbesondere im kulturellen Leben, nicht liberaler war, als die bleierne Merkelzeit. Die hat nämlich nicht einmal mehr Bier im Blut, sondern nur noch Bionade.

Einer von Adolf Hitlers Lieblingsfilmen stammte aus den Studios der UFA. Nachdem der Österreicher Fritz Lang 1924 den Zweiteiler „Die Nibelungen“, abgedreht hatte, entsprechend dem zeitgenössischen Werbetext „eine strahlende Waffe deutschen Glaubens, die unverzagt und unbesiegt die Welt durschwingt mit dem Glockenton einer freien Menschlichkeit“ folgte 1926 „Metropolis“. Über der unterirdischen Arbeiterstadt mit menschenverschlingenden Kraftmaschinen ragt die Stadt des Lichts auf, deren Wolkenkratzer von wenigen Reichen und Besitzenden bewohnt werden. Der finstere Jude Rotwang, ein verblendeter Wissenschaftler, der Metropolis knechten und beherrschen will, entführt die „Arbeiterführerin“ Maria und ersetzt sie durch einen gleichaussehenden Roboter, der die Arbeiter zur Revolution und zur Zerstörung aller Werte aufhetzt. Im von den Film-Arbeitern bevölkerten Studiokeller kommt es drehbuchbedingt zu Wassereinbrüchen, die das Leben der Proletarier gefährden. Der Sohn des Besitzers von Metropolis und die wirkliche Maria verlieben sich, und machen der jüdischen Zersetzung ein Ende.

Während die rechten Elitaristen in der Deutschen Rundschau, im Kunstwart und in der Tat publizierten, wählten die Linkselitaristen den Sturm, die Aktion, die Linkskurve und die Weltbühne als Tribüne ihrer Agitation. Walter Laqueur schrieb, dass sowohl die rechte wie die linke Intelligentsia hoffnungslos in Grüppchen zersplittert und ständig in internen Querelen engagiert gewesen sei. Diese Erkenntnis muß man voranstellen, um von vornherein den Eindruck zu vermeiden, dass es sich bei linken und rechten Weltverbesserern um kompromiß- und damit politikfähige Kleingruppen gehandelt habe. Jede dieser Gruppen kämpfte im totalen ideologischen Krieg um ihren eigenen Endsieg. Dabei atomisierten sich die Grüppchen immer schneller, Freundschaften und Bündnisse zerbrachen.

Die Weltbühne-Herausgeber Tucholsky und Ossietzky benutzten ihre Zeitschrift als Stalinorgel des geistigen Unflats, um vor allem die Sozialdemokraten (die damals noch nicht von Nettoprofiteuren des Steuersystems dominiert wurden), das Zentrum und den Außenminister Stresemann, also alle ohnehin schwachen semidemokratischen Kräfte zu diffamieren. Die Weltbühne beschwor immer wieder die Aussöhnung mit Frankreich. Aber ebenjener Politiker, der diese unpopuläre und notwendige Aufgabe mit viel Engagement und angemessenen Erfolgen übernommen hatte, eben dieser Stresemann wurde in der Weltbühne als gefährlicher Feind attackiert. Die Sozialdemokraten wurden nicht wegen ihren politischen Fehlern gegeißelt – die sie zweifellos machten – sondern in snobistischer Manier wegen persönlichen Unzulänglichkeiten, für ihren Mangel an Lebensart, für ihre Defizite bei höherer Bildung. Ebert war ein Sattler und Gastwirt, Severing ein Schlosser, Scheidemann ein Drucker, Noske ein Korbmacher und Wels ein Polsterer.

Diese hatten traditionell keinen großen Respekt vor Intellektuellen. Sie brauchten Redakteure für die Parteizeitungen, ansonsten hielten sie die Intellektuellen auf Armlänge von sich fern. Henrik de Man schrieb über sie, dass er fähig wäre sich mit Barbaren abzufinden, jedoch nicht mit diesen halbgebildeten petty-bourgeoisen Elementen. Die Intellektuellen hielten die Sozialdemokraten für kleinliche Bürokraten, die sich weder um die Revolution, noch um kulturelle Werte kümmerten. In Hemdsärmeln Bier trinken, am Kartentisch sitzen oder Kegeln, typische deutsche Vereinsmeier und Philister seien sie. Nach der Reichstagswahl von 1930, bei der die NSDAP zweitstärkste Kraft geworden war, attackierte die Weltbühne die Sozialdemokraten, weil sie ihren Wahlkampf nicht gegen die herrschenden Zentrumskatholiken geführt hatten, sondern gegen die NSDAP. Ab 1932 übernahm die Weltbühne die stalinistische These, dass in Deutschland unter der Herrschaft der Katholiken der Faschismus herrschen würde. Ossietzky akzeptierte keinen Unterschied mehr zwischen der bürgerlichen Demokratie und der NS-Herrschaft. Tucholsky, der sein Wissen über menschliches und allzumenschliches während seiner Tätigkeit für die Feldpolizei in Rumänien beim Ausspionieren des Privatlebens von deutschen Offizieren erworben hatte, brachte 1931 das Buch „Deutschland, Deutschland über alles“ heraus.

Dieses krude Machwerk zielte auf die Sprengung des äußerst zerbrechlichen Bündnisses zwischen Hindenburg, dem Zentrum und der Sozialdemokratie gegen die radikal reformistischen Kräfte KPD und NSDAP. Es war in seinen starken Übertreibungen und schiefen Wertungen Wasser auf die Mühlen aller extremen Kräfte. Bereits der Einband zeigt das Problem: der eingebildete Feind war alt und trug einen Zylinder. Der wirkliche Feind war jung und trug Schirmmützen. Tucholsky war zeitlebens ein gefährlicher politischer Idiot.

In einem Aufwasch wurden alle tradierten Institutionen angegriffen, die Ikonen der Jugendbewegung wurden dagegen heilig gehalten. Der intellektuelle Zorn ergoß sich nicht über die intellektuellen Brandstifter der Vorkriegszeit, sondern gegen die Stützen der Gesellschaft: über die Reichswehr, die Kirche, die Justiz, Hindenburg, die sozialdemokratischen Kommandeure der Polizei, Stresemann, die Gewerkschaftssekretäre und alle anderen in leitenden Positionen. Das Buch zielte nicht nur gegen die Lebensart der deutschen Kleinbürger (heute die „Abgehängten“), nicht nur gegen den Militarismus, sondern gegen die Landesverteidigung als solche.

„Da gibt es kein Geheimnis der deutschen Armee, dass ich nicht schnellstens einer fremden Macht übereignen würde.“

So schrieb Tucholsky. Der Eindruck, der von Tucholskys Buch erzeugt wurde, war der dass die Deutschen doof sind. „Tiere schauen auf dich“ war ein Bild betitelt, das acht böse Herren zeigte, die alle die sechzig überschritten hatten, die meisten von ihnen in Uniform. Walter Laqueur resümierte dazu:

„Wenn Tucholsky andeuten wollte, dass die deutsche Armee und Polizei besser aussehende Offiziere benötigen würde, so verschafften ihm das die Nazis ein paar Jahre später in den Figuren von Heydrich und anderen jungen Männern mit auffallender Erscheinung.“

Laqueur hielt mit dieser Bemerkung den Finger auf die blutende Wunde der Weimarer Intellektuellen: Sie konnten sich entsprechend ihrer Sozialisierung in der Jugendbewegung der Kaiserzeit definitiv nicht vorstellen, dass eine junge Bewegung böse und tradierte Instuitutionen unter Umständen nützlich sein könnten. Jung war in ihren Augen nun einmal per Definition gut und alt war böse.

Die NSDAP selbst wählte eine Außendarstellung als junge Kraft: Sie profilierte sich einerseits in Konkurrenz zum ebenfalls jungen Linkselitarismus der KPD, andererseits grenzte sie sich jedoch auch von der alten „Reaktion“ ab. Aus Rücksicht auf die schwachen Nerven vieler Leser zitiere ich nur eine Strophe des Horst-Wessel-Liedes, nicht ohne zu erwähnen, dass die Abgrenzung gegenüber der Reaktion mehrfach wiederholt wurde:

Die Fahne hoch die Reihen fest geschlossen
S.A. marschiert mit ruhig festem Schritt
|: Kam’raden die Rotfront und Reaktion erschossen
Marschier’n im Geist in unsern Reihen mit

So wie jung per Definition fortschrittlich war und alt reaktionär, so war gesund per Dekret gut und krank war böse. Konsequenterweise tadelte Tucholsky Joseph Goebbels nicht wegen seiner Tribunenraserei, sondern wegen dem Klumpfuß. Wegen diesem Jugend- und Gesundheitswahn wurden der junge Faschismus und der gesunde Stalinismus bewundert und gepriesen, und das in traditionellen parlamentarischen Bahnen seinem sicheren Untergang entgegenwankende halbdemokratisch verfasste Deutschland von ganzem Herzen zutiefst gehasst. Tucholsky schrieb 1926 in der Weltbühne:

„Da sind zwei Kräfte in Europa, die ausgeführt haben, was sie wollten: Die Faschisten und die Russen. Der entscheidende Faktor ihrer Siege war die mutige Unversöhnlichkeit.“

Nun gibt es noch die herrschende Meinung, dass alle Unzulänglichkeiten Tucholskys durch seinen Pazifismus aufgewogen würden. Dieser Pazifismus entstand bei Tucholsky vergleichsweise spät. Viele kriegsfreiwillige Expressionisten und einige Wandervögel hatten bereits 1915, 1916 oder 1917 erkannt, dass es einen Unterschied zwischen dem heiligen Schauer beim Töten im Gedichtband und dem profanen Schlamm und Schmutz im Schützengraben gab. Tucholsky gehörte dagegen offenbar zum letzten Aufgebot der Kriegsliteraten. Noch im August 1918 anläßlich des Aufrufs zur 9. Kriegsanleihe nahm Tucholsky in der Kategorie „Literarische Beiträge“ am Heldenverschönerungswettbewerb der „Frankfurter Zeitung“ teil. Tucholsky bemühte sich zwar, kam bei diesem Kriegsverlängerungscontest nicht unter die preiswürdigen Beiträge.

Das geistige Klima in der Spätkaiserzeit und in der Weimarer Republik war von obskuren, dekadenten und okkulten Strömungen wesentlich belasteter, als es die Geschichtsbücher und die einschlägigen Dokumentationen einräumen. Der Focus der Medien und Geschichtsbücher liegt immer auf dem erstaunlichen wirtschaftlichen Aufstieg Deutschlands vor 1914, auf Glanz und Gloria der Berliner Monarchie, auf Bauhaus, Charleston und Bubikopf. Insofern ein Zerrbild, als das letztlich nicht die Einflüsse waren, die Deutschland in zwei Kriege und zwei Revolutionen stürzten.

Genau dieselben in den Medien und im Bildungssystem verankerten Kräfte, die heute das gesellschaftliche Klima in Deutschland vergiften, taten das auch vor 100 Jahren. Jene selbstverliebten „Avantgarden“, die immer dachten etwas besseres zu sein, und den Rest der Welt als „abgehängt“ verunglimpften. Denen kein politisches Risiko je zu hoch war, wenn es darum ging die Welt zu verbessern. Hasardeure, an denen unser geliebtes Deutschland wie ein Hund leidet.

Die gute Nachricht: Wenn man nach dem Grad der Dekadenz, Perversion und Verkommenheit des Merkelregimes geht, so leben wir in einer vorrevolutionären Periode.

Noch eine gute Nachricht: Soeben wurde die italienische Regierung vereidigt. Prabels Blog war das erste Medium in Deutschland, welches genau diese Regierung aus Fünfsternlern und Lega vorausgesehen hatte. Meine Blog-Leser sind der Zeit oft etwas voraus!

6 Kommentare zu “Die Dekadenz vorrevolutionärer Zeiten

  1. Schon richtig, nur darf man nicht vergessen, dass eben Wilhelm II in den Krieg gestolpert ist, sicher mit Unterstützung der deutschen Esoterik.
    Zu Italien: wenn jetzt noch die Deutsche Bank wackelt, dann ist das Pulver der EZB wohl endgültig verschossen. Dann wird die EU noch dieses Jahr zerfallen und der Euro Geschichte sein.

    • Das Bankenvolk hat fertig!

      Offensive Bankenwerbung

      „Wir suchen noch fleissige Deutsche, die nach den beiden Weltkriegen immer noch Spaß daran haben für Haus, Auto, Swimming-Pool und Frau sich bei uns zu verschulden. Wenn Sie auch der Meinung sind, daß es sich lohnt Ihre wertvolle Lebenszeit gegen harte Arbeit für unsere völlig gegenstandslosen Giralgelder, Papierscheine und Wertpapiere bei uns einzutauschen, weil Sie beispielsweise an einem Messie-Syndrom oder Fetisch für digitale Zahlungsmittel aus Stromimpulsen leiden, dann sollten Sie noch heute einen Termin mit uns vereinbaren. Wir freuen uns auf ein Gespräch mit Ihnen, auch dann, wenn Sie einmal zahlungsunfähig werden, sind wir Ihnen stets behilflich. Und nicht vergessen! Arbeit macht frei, wir machen den Weg frei, wenn´s ums Geld geht Sparkasse und auf unsere Steine können Sie bauen. Und das Beste : Ihre Arbeit stellt unsere Banker frei von Arbeit! Deutsche Schuldner sind einfach die Besten!“

      Versklavung der Menschheit über neuro-linguistische Programmierung aufgedeckt
      https://aufgewachter.wordpress.com/2018/01/22/versklavung-der-menschheit-ueber-neuro-linguistische-programmierung-aufgedeckt/

  2. Das ist alles zu hoch für mich. Das, was ich als Kind gelernt habe und was über Generationen für gut und richtig gehalten wurde, ist jetzt „repressiv“, sexistisch, nationalistisch, fremdenfeindlich und was weiß ich noch alles.
    Mit dem Bemühen, ein anständiger Mensch zu sein, hat man doch schon genug zu tun. Verantwortung für sich selbst zu übernehmen; hilfsbereit innerhalb der Gemeinschaft zu sein; Gottes Schöpfung zu achten und Seinen Geboten zu folgen, daß man am Ende seines Lebens sagen kann: „Habe ich auch nicht immer alles richtig gemacht, so gibt es doch nichts, dessen ich mich schämen müßte.“
    Ein Leben als Christ mag langweilig sein, aber es erspart einem viele Zweifel.

  3. Die dekadenten „Spätphasen“ historischer Epochen als Merkmale „vorrevolutionärer Zeiten“, wurden treffend dargestellt. Schade nur, dass in dem langen Aufsatz bloß wenige Zeilen für die gegenwärtige selbstzerstörerische Spätphase der »Moderne« übrig blieben. Und hier ist es keineswegs allein die „Perversion und Verkommenheit des Merkel–Regimes“, die zu einer „vorrevolutionären Periode“ führ(t)en. Vielmehr bewirken die Reduktion und Einseitigkeit modernistischen Denkens oder das „falsche Bewusstsein“ (K. Marx), die selbstzerstörerischen Fehlentwicklungen. Dazu gehören: Traditionelle Aufklärung, Rationalismus, mechanistischer Konstruktivismus, Atheismus, Grenzenlosigkeit, Spleen der Gleichheit oder Unterschiedslosigkeit, Multikulti, NWO u.A. Richtig wurde dies pauschal als „vulgärmaterialistisches System“ bezeichnet. Viele ideologische Säulen der »Moderne« sind zerbrochen, schaffen penibel mit „empirischer Vernunft“ (I. Kant) immer größere Katastrophen in Umwelt, Gesellschaften und Wirtschaft, häufen enorme, nicht mehr regulär zu tilgende Schulden an, gefährden die Währungssysteme. Der gewöhnliche Verstand akzeptiert erst Bankrotte als Faktum.

    Leider wurde die auf „Spätphasen“ i. Allg. folgende Revolution nicht erwähnt. Es ist ein Fehler, die »Postmoderne« als Tabuthema zu behandeln. Deren Ziele fußen auf einer teils fundamentalen Kritik am nicht mehr funktionierenden Funktionalismus der »Moderne«. Sie bedeutet deshalb weder „anything goes“, noch schrankenloser Pluralismus, Nihilismus oder vager Relativismus. Solche Fehleinschätzungen oder Ausblendungen seitens des intellektuellen Establishments fördern die Missstände lediglich. Es würde hier zu weit führen, auf den „Post–Physikalismus“ oder die de-konstruktivistischen, „übersummativen“, „holistischen“ Ansätze der »Postmoderne« einzugehen; es sei lediglich knapp bemerkt, dass die „Intellektuellen-Idioten“ der »Moderne« (Bestseller–Autor Nassim N. Taleb) wieder lernen müssen, mindestens von 1–3 zu zählen (im übertragenen Sinne). Die Worte von Prof. W. Welsch deuten den epochalen, revolutionären ideologischen Wandel an: ..„Eine Fortschreibung oder Erneuerung der modernen Programmatik – etwa im Sinne einer `Zweiten Moderne` – reichen nicht mehr aus. (…) “Die hehren Modelle der älteren und neueren Moderne haben sich, gelinde ausgedrückt, nicht als zielführend erwiesen. Ein Kurswechsel ist fällig. Dieser Befund legt den Gedanken nahe, dass wir nicht einer Fortschreibung oder Erneuerung oder einer Ergänzung und Detailverbesserung der modernen Programmatik bedürfen, sondern eines tieferen Wandels, einer radikalen Umstellung“.. (S. 177). (»Blickwechsel«, Reclam 2012).

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