Oft gibt es nur ein einziges Thema


Die Medien geben die Entgleisung des Schulzzuges im Deutschen Bundestag etwas verschieden wieder, aber der Kern von Schulzens geifernder idiotischer Tirade ist doch der gleiche:

Bei Tichy lese ich: Schulz zu Gauland: „Die Reduzierung auf ein einzelnes Thema ist ein Stilmittel, das bekannt ist.“

Die WELT gibt die unappetitliche Rede so wieder: „Die Reduzierung … ist ein tradiertes Mittel des Faschismus. Das haben wir heute erneut vorgeführt bekommen“, so Schulz. „Die Migranten sind an allem Schuld.“

Für ein Kind der DDR wie mich war es ganz normal, daß sich alles auf ein einziges Thema reduziert: Seit dem 13. August 1961 war es das Eingesperrtsein.

Es war ein Sommervormittag wie aus dem Bilderbuch. Der Tau lag gerade noch auf den Gräsern, die Sonne begann gegen 10 Uhr zu wärmen, alle möglichen Düfte durchzogen den Garten, einige Obstbäume boten stellenweise angenehmen Schatten und es entstand ein Wechselspiel des Lichts bei gleißend blauem Himmel. Ich drückte mich am Zaun herum und langte nach den saftigen gelben Stachelbeeren von Nachbars Büschen („Hörnings Früheste“ mit den weichen Stacheln auf der Fruchtschale), die ihre Zweige durch den Gartenzaun streckten. Ohne sie zu waschen steckte ich sie in den Mund und saugte gierig den Saft aus den Beeren. Köstlich. Ich mußte etwas aufpassen, nicht entdeckt zu werden, denn der Nachbar war in der Nähe. Der Nachbar war Taubenzüchter und damit beschäftigt, einen Haufen scharfen Taubenmist umzuwenden, der sich gleich hinter dem Gartenzaun befand.

Es hätte ein normaler Sommersonntag werden können, aber es war ein Sonntag im August, es war der 13. Tag im Monat, und man schrieb das Jahr 1961. Der Vater befand sich noch im Wohnzimmer und hatte den Fernseher an. Vormittags glotzen war ungewöhnlich. Als er aus dem Haus kam, fragte ich ihn ahnungslos, was es im Fernsehen gegeben hat. Da gings meinem sonst sehr abgeklärten und nachsichtigen Erzieher wider die Natur. Ich bekam eine so wuchtige Schelle, daß ich mich einmal um die eigene Achse drehte. Ich wußte sofort: Es war etwas Entsetzliches passiert, die Welt war aus den Fugen. Nichts war mehr wie am Tag zuvor.

Als er sich nach einer halben Stunde abgeregt hatte, fragte ich nach dem Grund. Er gab an, daß der Nachbar sich während meiner Frage in Hörweite befunden hätte. Sein Mißtrauen gegen den Nachbarn gründete sich übrigens nicht auf einen konkreten Verdacht. Es hätte ja vielleicht nur möglich seien können, daß…

Ja, solche Tage wie diese vergißt man nicht. Und die nächsten 28 Jahre dachte man jeden Tag ein paarmal an die Grenze. Alles andere hat keine Sau interessiert. Da konnte Karl Eduard Kopf stehen und mit den Beinen strampeln, da konnten Direktiven und Programme beschlossen werden, es interessierte alles niemanden. Auch die sozialen Wohltaten gingen unter. Man nahm den Ehekredit, aber den Makel der Einsperrung konnte er nicht löschen. Leute, die in Berlin lebten, haben vielleicht zwanzig mal am Tag an die Grenze gedacht, weil sie so nah war. Nach der waghalsigen Theorie von Schulz war das „Faschismus“.  Ist noch irgendwo ein Platz in der Klapse für ihn frei?

Ulbricht hatte dieselbe Methode wie Schulz, um seine Gegner zu delegitimieren. Er nannte die Grenze „Antifaschistischer Schutzwall“. Die Antfa-Keule ist so alt wie der Bart von Methusalem, äh von Ulbricht.

Bis zur Öffnung der Grenze waren übrigens auch die Demos 1989 von diesem einen Thema dominiert: „Reisefrei bis Schanghai“.

Und nun kommt der gescheiterte Führer des entgleisten Schulzzugs und wettert im Bundestag gegen die Dominanz eines einzigen Themas: Der Messer- und Prabelfrage. Davon abgesehen, daß nicht die Migranten an allem Schuld sind, sondern der Kontrollverlust der Regierung angesichts der Messerkrise, hat sich tatsächlich die Messerei als beherrschendes Thema meines Blogs, wie auch der ganzen besorgten Bürger entwickelt.

Ich würde ja so gerne über etwas anderes schreiben, ich wäre gerne wieder froh, doch die Verhältnisse, sie sind nicht so. Ich werde am Thema dranbleiben, bis der Albtraum mit der gemeinen bluttriefenden Merkelhexe ausgeträumt ist. Und bis der Mann mit der Kapopsychologie im Mülleimer der Geschichte liegt.

Ob ich deswegen als Faschist adressiert werde, interessiert mich nicht. Von einem SPD-Mann gedisst zu werden ist nach dem Abgang von Helmut Schmidt von der politischen Bühne eher ein Gütesiegel. So wie die 1 bei der Stiftung Warentest. Die SPD: Das sind nur noch Pöbler und pflichtvergessene Arbeiterverräter. Pfui!

 

2 Kommentare zu “Oft gibt es nur ein einziges Thema

  1. „Ich werde am Thema dranbleiben, bis der Albtraum mit der gemeinen bluttriefenden Merkelhexe Geschichte ist.“ Das werden wir alle gezwungenermaßen, aber nicht jeder kann dazu so viel beitragen wie Sie mit Ihren stets lesenswerten Texten. Vielen Dank!

  2. Ich finde trotzdem, man sollte Walter Ulbricht nicht mit Maddin Kapo vergleichen. Anthropologisch ist schon allein beim Vergleich des Stirnwinkels, der das Gehirnvolumen charakterisiert zu erkennen, wer den höheren IQ hat.

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