Soros György hat ein Problem


Eine Liblingsidee von Soros György ist ja die politische Beseitigung des ungarischen Ministerpräsidenten Orbán Victor. Bei den Wahlen im vergangenen Jahr hatte das nicht geklappt, weil die ungarische Opposition arg zerstritten ist. Die Grünen hatten versucht alle Oppositionsparteien zur Aufstellung gemeinsamer Kandidaten einzuschwören, aber danach hatten sich nicht einmal die Linksparteien gerichtet. Von der schon damals umstrittennen Partei „Die Besseren“ – Jobbik – ganz zu schweigen. Sie gab sich moderater als früher, verfolgte eine konservativ-nationale Rhetorik. Die vom Vorsitzenden Vona Gábor seit 2013 betriebene Öffnung der Partei zur politischen Mitte hin brachte beim Wähler nicht den erhofften Erfolg. Vona trat vom Parteivorsitz zurück.

Inzwischen stehen die Kommunalwahlen vor der Tür. Wieder müßte sich die Opposition auf gemeinsame Kandidaten einigen, um die regierende FIDESZ zu schlagen. Ein heißer Favorit für einen Wahlsieg ist ausgerechnet der Jobbik-Politiker Péter Jakab, der schon 2014 bei der Bürgermeisterwahl in Miskolc hinter dem FIDESZ-Kandidaten und dem gemeinsamen Kandidaten der Linken mit über 20 % den dritten Platz belegte. 2018 kam er über die Liste ins ungarische Parlament, nachdem er der Kandidatin der Regierungspartei als Direktkandidat in seinem Wahlkreis im Nordosten Ungarns nur sehr knapp unterlegen war.

Péter ist wie Soros Jude, sein Großvater starb in Auschwitz. Nun liegt Miskolc jedoch in der Grafschaft Borsod-Abauj-Zemplen, wo die Zigeuner einen relativ großen Bevölkerungsanteil stellen. Und hinsichtlich dieser Minderheit war nicht alles freundlich, was Péter bisher von sich gab.

Um nur seine Kernsätze mal durchzureichen: „In den vergangenen zwanzig Jahren hat die Zigeunerschaft die Mehrheitsgesellschaft mit dem Zauberwort des Rassismus erpresst“. Mit dieser Einlassung begann er 2010 seine politische Karriere. Es gäbe keine Roma-Familie die keinen LCD-Fernseher hätte, keine Hi-Fi-Anlage, aber das Zigeunerkind ginge immer noch nicht zur Schule, die Eltern arbeiteten immer noch nicht.

„Herr Abgeordneter, vielen Dank für Ihre Rede, aber bitte, lassen Sie das nächste Mal den Dampf vor der Generalversammlung ab und versuchen Sie, ruhig zu reden“. So konterte der Bürgermeister Kriza Ákos gegenüber Péter.

In einer weiteren Rede zum Vertrag von Trianon sagte Péter: „Vona Gábor, der Parteichef, hat vor kurzem gesagt, daß Jobbik zwischen zwei Arten von Leuten unterscheidet: dem Erbauer und dem Zerstörer. Und er sagte auch, wenn wir in die Regierung gehen, werden wir den Baumeister mit allen Werkzeugen unterstützen, aber den Zerstörer die Hölle bereiten. Liebe Zerstörer! Ich habe eine schlechte Nachricht für Sie: Jobbik in Miskolc wird nicht bis 2014 warten, Jobbik in Miskolc wird Ihr Leben schon jetzt zur Hölle machen!“

Jobbik wehrt sich auf der offiziellen Internetseite. Die Reden von Péter seien hornalt und wenn man suchen würde, was Orbán früher alles gesagt hat, würde man auch was finden. Aber wahrscheinlich nichts zu Zigeunern.

Meine deutschen Leser sollten wissen, daß die Zigeuner in Ungarn deutlich besser integriert sind, als in Nordrhein-Westfalen. Sie haben in der Regel eine bessere Schulbildung als hierzulande und ich habe viele kennnengelernt, die ihren Job machen: Im Bauwesen, als Tagelöhner, in der Musik, in Handwerksbetrieben, ja einige sogar in der Politik. Es erweist sich als sehr günstig, daß die Anreize fleißig zu sein, größer sind als in Deutschand. Aber auch traditionell war Ungarn das Land, welches noch das beste Miteinander der Völker bot. Nicht nur in der Operette „Der Zigeunerbaron“. Das war mir schon in den 80ern aufgefallen, als Ungarn die bunteste Baracke im großen Völkergefängnis war. Wenn man damals mit Tschechien oder Rumänien verglich, war das Ungarland bei der Integration der Roma viel weiter.

Ich habe 1983 mal zehn Minuten auf dem Keleti zwei Reisetaschen gegen sechs Zigeunerkinder verteidigt. Das war Schwerstarbeit. Aber heute ist das anders geworden. Ich war letztes Jahr nach 35 Jahren wieder in diesem Bahnhof. Ich glaube nicht, daß es  wegen der ungarischen Opposition alles besser ist.

Wenn Soros György nun wieder zum Sturm auf die ungarische Regierungsfestung trommelt, hat er das alte Problem: Er muß mit der romafeindlichen Jobbik kungeln, der von Orbán Rassismus vorgeworfen wird. Oder der Sturz der Regierung wird nichts.

 

 

 

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