Wie wärs mit links Blinken, rechts abbiegen?

AKK hat gedacht, daß es reicht mit dem behäbigen CDU-Panzer ein paarmal rechts zu blinken, um den konservativen Parteiflügel der CDU und ehemalige Wähler reinzulegen, während Dr. Merkel am Steuer wie üblich links abbiegt. Ein Witz über Transgender in einer Faschingsbütt sollte die Konservativen einfangen. Das ist ein Konzept der „Symbolpolitik“, welches zu Zeiten von Helmut Kohl und Oskar Lafontaine in vollster Blüte stand. Damals wurden überall Duftmarken gesetzt, an denen die Wähler schnüffelten und sich berauschten. Blümchen beduftete die Rentner, Süßmut betuttelte die Frauen, Dregger betreute die Konservativen mit reichlich Irrlicht. In der Sache wurde damals geradeaus gefahren. „Die Hunde bellen und die Karawane zieht weiter“, so der Einheitskanzler.

Symbolpolitik muß ich noch etwas erklären. Das ist „Zeichen setzen“, ohne daß in der Realität viel passiert. Das Händchenhalten von Francois Mitterand mit Helmut Kohl auf einem deutschen Soldatenfriedhof ist das klassische Beispiel. Die Medien regten sich wochenlang darüber auf, den Konservativen bedeutete es nicht viel und die Grünen hyperventilierten. Ansonsten hat es die Bundesrepublik weder im Guten noch im Bösen verändert. Heute ist die Ehe für Alle so ein sympolträchtiges Irrlicht. Ich habe mir in den letzten Wochen gerade in 15 Dörfern und einer Stadt die Briefkasten angesehen. Von den zwei bis drei jüngeren Generationen ist fast niemand mehr verheiratet. Wenn man die Hochzeitsbilder im Standesamt ansieht, ist man erstaunt. Die meisten Hochzeiter sind 50 +, viele sind in Sachen Zweit- und Drittehe unterwegs. Die „Ehe für Alle“ kam lange nachdem das Thema Ehe töter als tot war. Das Ehegattensplitting bringt nichts, wenn beide arbeiten und ansonsten hat man nur Nachteile, weil der übergriffige Staat seine neugierige Nase ins Private stecken will.

Dr. Merkel hatte das 70er-Jahre-Konzept der Irreführung der Wähler mit dem Flattern der Parteiflügel verworfen. Sie blinkte immer links und bog auch nach links ab. Bei der Abschaltung der Grundlastkraftwerke, bei der Rettung der Staatsbanken, bei der Grenzöffnung und bei den Zensurgesetzen. Rechts blinken wurde während ihrem Parteivorsitz allen Lehnsleuten verboten, selbst die deutsche Fahne durfte nicht mehr geschwenkt werden. Als bei den Landtagswahlen 2016 zwei CDU-Spitzenkandidaten Integrationspflicht und Tageskontingente von Asylanten forderten, fiel Merkel ihnen in den Rücken. Julia Klöckner und Guido Wolf verloren in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg.

Wie schon erwähnt, AKK sendete seit ihrer Wahl zum Parteivorsitzenden irrlichternde Signale, ohne den Kurs Deutschlands beeinflussen zu können. Weil nicht sie, sondern Dr. Merkel am Steuer sitzt. Die Zahl derer, die Kurskorrekturen nicht nur wollen, sondern das auch in die Öffentlichkeit tragen wächst. Die Jungtürken, die Werteunion, die Mittelstandsvereinigung, der Wirtschaftsrat. Solange die Kritiker die alte Hexe politisch nicht beseitigen, ist das jedoch unglaubwürdig und zündet nicht. Es fehlt der Mannesmut vor Königsthronen, und das merkt der Bürger sehr wohl. Wie soll man die Gordischen Knoten der Asyl-, Währungs-, Industrie- und Energiepolitik zerschlagen, wenn man innerparteilich ein Lemming ist und Dr. Merkel in den finsteren Abgrund folgt?

Auch medienpolitisch hat die Union noch nichts begriffen. Kürzlich fragte ein Unionsfreund an, ob er den Rundfunkbeitrag GEZ als Parteispende für die Grünen absetzen könne.  In einem der zwangsfinanzierten Staatssender war offen für einen grünen Kanzler geworben worden. Wie man sich bettet, so liegt man. Die Union hatte in 16 Landtagen den Rundfunkstaatsvertrag durchgewunken und nun bekommt sie die Quittung dafür als Grünfunk. Robert, unser täglich Soja gib uns heute.

Dabei gäbe es in vier Ländern eine solide Mehrheit zum Abschalten der Sender aus CDU/CSU, AfD und Freien Wählern: In Bayern, Sachsen, Saarland und Sachsen-Anhalt. Das reicht, um die Öffentlich-rechtlichen in der jetzigen vertraglichen Konstellation zu zerstören. Aber dazu fehlt der Mut. Innerparteilich gibt es zu viele alte Herren, die zum Frühstücksfernsehen die Zeitung lesen, um sich dabei schwarz zu ärgern.

Einige CDU-Politiker gehen jetzt verstärkt ins Netz und nutzen soziale Medien. Der thüringische Landesvorsitzende Mike Mohring gehört dazu. Nicht alle Kommentare zu seinen Einträgen sind für ihn erfreulich, trotzdem hat er bienenfleißig jeden seiner Auftritte im Lügenfernsehen gepostet. Ist schon witzig: Er nutzt ein modernes Medium um seine Präsenz in den Altmedien auszukosten. Ein Widerspruch in sich. Und er merkt es nicht einmal.

Am Sonntag war Kommunalwahl, eine Gelegenheit den Erfolg seiner Strategie anhand von Wählerstimmen zu messen.Tatsächlich hat Mohring sein Stimmenergebnis für den Kreistag von 10.000 im Jahr 2014 auf 14.000 heuer verbessert. Die Wahlbeteiligung war allerdings gegenüber 2014 von 115.000 Stimmen auf über 132.000 gestiegen, was den Erfolg etwas relativiert. Mohring hat sich auf Kosten seiner Parteifreunde profiliert. Der CDU insgesamt hat das Agieren in den sozialen Medien nämlich nichts genutzt. Sie hat nun im Kreistag Weimarer Land 15 Sitze gegenüber 17 vorher. Die in Berlin gemachte Politik hängt örtlichen Koryphäen wie ein Klotz am Bein. Da hilft kein Posten, kein Twittern und kein Chatten.

Vielleicht probiert Mohring mal was neues: Links Blinken und rechts abbiegen. Das letzte Mal als er rechts blinken und rechts abbiegen versucht hatte, wurde er in Ostberlin einbestellt und von Dr. Merkel zusammengefaltet. Das war 2014. So wird es zumindest aus Mohrings näherer Umgebung kolportiert.

 

 

 

3 Kommentare zu “Wie wärs mit links Blinken, rechts abbiegen?

  1. AKK soll ja nicht denken,sie soll nachdenken.

    Man muss sich Parteien wie GmbHs vorstellen,die einen leben mit AGBs ,die anderen mit Parolen.
    Wenn man nicht gerade Mitglied ist—kanns eigentlich einen abstandsmäßig 3 mm den verlängerten Rücken runter ziehen–man braucht es nicht zum leben und eben deswegen sind das Dinge die die Welt nicht braucht.

  2. ich habe noch was zum nachdenken,
    da gibt es eine IBAR Association, sozusagen als internationale Organisation der Anwälte,
    in verschiedenen Ländern vertreten, die kämpfen nun fürs Recht,welches ist egal,aber sie kämpfen erst mal.

    Nun, auch Germany hat einen Ableger davon, die Germany Bar Association (DAV,deutscher Anwaltverein),natürlich in Berlin in der Littenstr. Das stimmt mich zb ein bischen nachdenklich, denn Hans Litten war der einzige Anwalt der in der Zeit vor und nach 33 bei den Grabenkämpfen der Kommunisten und den Nationalsozialisten den berüchtigten A.H. als einziger Anwalt in den Zeugenstand gerufen hat. Abgesehen davon hat er viel Mut bewiesen, aber es auch schwer büßen müssen,denn damals wurde bereits links geblinkt und rechts abgebogen.
    Soweit,so gut.
    Die Weiterbildung der Vereinsmitglieder ist natürlich Ehrensache, dafür gibt es sogar Schulungszentren,eins davon Garmisch, wie man das blinken gemeinsam anzuwenden hat.

    Und was macht dann der arme Irre vor Gericht, ich denke mal der macht ein dummes Gesicht wenn er feststellen muss das selbst sein Anwalt der ihn eigentlich sachkundig vertreten soll links blinkt und rechts abbiegt ,eben weil er nicht aus dieser Gilde fliegen will ,denn dann wäre die Schulung umsonst gewesen. Was der arme Irre auch nicht weiß ist, das alle beteiligten und sein Anwalt ebenfalls die gegnerische Partei sind- aber so ist das eben, im selben Verein muss man halt zusammenhalten.Da gibt’s ne alte Regel die besagt, wer Partei ist kann kein Recht sprechen, aber das weiß der arme Irre auch nicht,er blinkt also links und biegt gemeinsam mit dem Verein rechts ab.

  3. Also, Herr Prabel,

    der Herr Mohring ist mir neulich bei Plassberg (was ich mir offensichtlich aus Langeweile wieder mal reingezogen habe) sehr positiv aufgefallen.
    Mit seiner Diskussionskultur und seiner (ich denke, nicht nur vordergründig) geäußerten Kritik am eigenen Stall.
    Es war ziemlich wohltuend, nicht nur die üblichen Parteiphrasen zu hören.
    Aber es war auch klar und zwischen den Zeilen zu erkennen, welchen Stand er im CDU-ZK hat.

    Nun zum links Blinken und rechts Abbiegen.

    Übrigens: die meisten Unfälle passieren, wenn Frauen im Straßenverkehr links blinken und tatsächlich links abbiegen. 🙂 🙂

    Am deutlichsten wird diese politische Schizophrenie für mich bei der FDP. Bisher gelegentlich noch mit Resten liberalen Denkens versehen, sind sie im Vorfeld der Europawahlen, besonders aber mit ihrem 70.Bundesparteitag Ende April im politisch korrekten Mainstream untergegangen. Die Quittung kam prompt.

    Das gegenwärtige deutsche Politikverständnis unter den sogenannten Etablierten ist ein miserables „Weiterso“ des von Generation zu Generation von Westpolitikern – und nur die sind schon aus rein quantitativen und negativ charakterlichen Gründen sowie eines ungebremsten Personalexportüberschusses der Altparteien in die NBL maßgebend für das gesamtdeutsche Erscheinungsbild, vor allem nach Außen – weitergereichten, zunehmend aber verunstalteten und mißbrauchten politischen Erbes der Altvorderen.
    Fehlende Sachkunde, arroganter Diskurs, Selbstgefälligkeit, Verantwortungslosigkeit, Gier, Selbstüberschätzung – also die Hauptkompetenzen, die das (weest-)deutsche Bildungssystem der letzten Jahrzehnte vermittelt hat, prägen das derzeitige Erscheinungsbild.
    Ob nun die SPD rechts blinkt und links abbiegt, ob nun die CDU links blinkt und rechts abbiegt, ob nun die Grünen überhaupt nicht blinken und die Vorfahrt für sich gepachtet haben, ob nun die FDP zum wiederholten Male durch die Wähler-Fahrprüfung gefallen ist oder aber über Oberammergau oder über Unterammergau oder überhaupt nicht – das ist doch inzwischen sowas von egal.
    Deutschland ist nach der ‚erfolgreichen‘ Selbstruinierung in seiner außenpolitischen Wahrnehmung und des Komplettversagens im Bildungssystem drauf und dran, seine ohnehin anfällige Wirtschaftsstruktur zu ruinieren.
    Deutschland ist wieder der „kranke Mann“ Europas und das größte Problem der EU.

    Strauß, Wehner, Schmidt oder Genscher hätten in solch einer Situation längst Klartext gesprochen – die wußten aber auch noch, worauf es ankommt in der Politik und was von dem ganzen Gerede behandlungsbedürftige ‚Visionen‘ oder ‚absoluter Schwachsinn‘ sind.

    70 Jahre Wohlstand, Frieden und Freiheit ohne Verantwortung können auch für eine zerstörerische Einebnung, in dem Falle der geistigen Landschaft zur Folge haben. Wie man sieht.

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