CDU und SPD haben den Faden zur Jugend verloren

Nicht nur beim Uploadfilter und den Zensurgesetzen haben die Altparteien den Zugang zur Jugend weitgehend verloren, auch was den eSport betrifft stehen CDU und SPD wie die begossenen Pudel vor den unter 80Jährigen.

Mit der Gamerszene bin ich als Bürgermeister schon in den Nullerjahren in Berührung gekommen. Im Kulturraum der Gemeinde veranstaltete die Jugend mehrmals im Jahr LAN-Parties. Zur Eröffnung der zwei- bis dreitägigen Veranstaltungen habe ich immer reingesehen und alle Teilnehmer haben auf meinen Vorschlag vor Beginn immer gerufen: „Keine Gewalt!“.

Naja. Keine wirkliche Gewalt. Die Monster in den Spielen hatten Füße so groß wie der Garten von meinem Nachbarn, die Verteidigung von blonden Prinzessinnen vor Bösewichten und Außerirdischen erforderte eben schwere Waffen. 2011 begann die große Zeit der Piraten, weil die Jugend glaubte, daß es im Netz mit dieser politischen Unterstützung fürderhin alles umsonst geben würde. Die Partei schloß jedoch sehr fix ihren faulen Frieden mit den geldgierigen Autoren und den Künstlern, die nicht mit Geld umgehen können und verschwand wieder von der Bildfläche. Damit war die Gamerszene aber nicht tot. Im Gegenteil.

Derzeit rollt eine größere Spiele-Welle durch die Lande, die Spiele werden immer perfekter und die Datenleitungen sind schon wieder viel zu langsam für die neuesten Versionen. Grand Theft Auto, Call of Duty, Far Cry, Pure Farming, FIFA, Worls of Warcraft, Anno 1800, Mittelerde, Wolfenstein. In den PC-Spielen bewegt man sich durch phantastische oder realistische Welten, bekämpft Gegner aller Art und erfüllt Missionen oder managt seine Farm.

Nun ist der Streit entbrannt, ob das Sport ist, wenn man am Computer sitzt. Die Antwort ist klar: Bei Schach sitzt man auch rum, wobei sich die Spieler unter dem Tisch allerdings schmerzhafte Tritte versetzen.  In echt, und nicht mit der Spielkonsole. Beim Gaming kommt es auf Geschicklichkeit und Reaktionsvermögen an, also auf Eigenschaften, die sowohl physisch als auch mental bei fast jedem Sport vorkommen. Freilich ist die Belastung etwas einseitig, was aber gerade in Vereinen durch Kombi mit anderen Sportarten augeglichen werden kann oder derzeit noch: könnte.

Es geistern die Bilder von der fetten Sofakartoffel und dem schwächlichen Nerd durch die Medien, das entspricht aber nicht der Realität. Von den Gamern, die ich kenne sind fast alle unter- oder normalgewichtig. Das liegt schon daran, weil die oft aus der Lehrlingsszene sind, wo man sich tagsüber mehr bewegt, als einem lieb ist.

Der Motorsport gleicht dem Gaming bis auf ein Detail. Man sitzt auf einem Bock und bedient verschiedene Bedienelemente des Motorrads des Rennwagens oder auch nur des Computers. Und wenn man was falsch macht, fliegt man aus der Kurve. Nur daß man beim e-Sport unverletzt aufsteht, weil man nicht an die Bande gerasselt ist. Alles Ungemach ist virtuell.

Noch wehrt sich der Sportbund gegen eSport und von den Bundestagsparteien steht nur die Opposition hinter den Gamern, obwohl die Regierungsparteien in ihrem Koalitionsvertrag den eSport voranbringen wollten. Aber daß Dr. Merkel sich nicht nach Beschlüssen und Verträgen richtet, kennen wir ja schon. Mittwoch, den 20. Februar 2019, fand eine Anhörung des Sportausschusses des Deutschen Bundestages statt.

Detlev Pilger, sportpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion hat offensichtlich Alzheimer und erinnert sich auch nicht an den Koalitionsvertrag: „In der heutigen Anhörung des Sportausschusses sind die Dynamiken und Entwicklungen des eSports in Deutschland deutlich geworden. Dazu gehört auch die Erkenntnis, dass eSport bis auf wenige Ausnahmen nicht den Ansprüchen einer Sportart genügt.“

Zu den wenigen Ausnahmen gehörte bestimmt das SPD-Video-Spiel mit dem Schulzzug, wo die politischen Gegner ins Gleis „geschubst“ wurden.

Johannes Steiniger von der CDU sagte bei der Anhörung: „Entscheidend ist für mich eine konsequente Unterscheidung zwischen virtuellen Sportsimulationen, Echtzeit-Strategiespielen und Shooter-Spielen. […] Shooter-Spiele wie Counter-Strike bewegen sich außerhalb der vom Sport akzeptierten und geförderten ethischen Grenzen.“

Anders die AfD. Eine Rede der Abgeordneten Joana Cotar läßt erkennen, daß sich die Opposition den Tendenzen der neuen Zeit nicht verschließt, sondern den eSport aus der von den Tugendwächtern geschaffenen Schmudelecke herausholen will.

Aus ihrem Vortrag: „Herr Grindel hat leider nicht erkannt, dass wir in einem digitalen Umbruchprozess stecken. Die Digitalisierung verändert unsere Gesellschaft nachhaltig, auch im Bereich des Sports. eSport-Events füllen schon jetzt ganze Hallen, in Deutschland ist die Branche zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden. Weltweit werden mit eSport rund 1,5 Milliarden Dollar umgesetzt.

Viele andere Länder haben auf diese rasante Entwicklung bereits reagiert. eSport wird in über 60 Nationen von etablierten Verbänden des organisierten Sports anerkannt und teilweise auch vom Staat gefördert. Deutschland hinkt hier wieder einmal hinterher.

Es ist wichtig, Kinder und Jugendliche im verantwortlichen Umgang mit digitalen Medien zu schulen und diese nicht zu verteufeln. Beim eSport kommt es nicht nur auf den Spaß an, auch soziale Dimensionen spielen eine zentrale Rolle: Kontakte zu anderen Spielern, Teamgeist, Zusammenhalt, Kommunikation, taktisches und strategisches Handeln, all das wird beim eSport trainiert.

Die motorischen Ansprüche, die an eSportler gestellt werden, sind beeindruckend. Sie schaffen bis zu 400 asymmetrische Bewegungen pro Minute an Tastatur und Maus, vier Mal mehr als der Normalbürger und ihre Herzfrequenz liegt oft bei 160 bis 180 Schlägen. Um dem gewachsen zu sein, ist ein ganzheitliches Training wie beim klassischen Sport wichtig, nicht umsonst ergänzen professionelle Teams den eSport bereits mit realem Sport, um ihre Spieler körperlich fit zu halten.“

Tamara Wernli von der Basler Zeitung steht nicht im Verdacht eine Terrortussi oder gewaltbesoffene Aktivistin zu sein. Sie hat sich mal mit der nicht bestehenden Gefahr befaßt. die von Videospielen ausgeht. Hier ihr Eintrag: