Die verstockte Kulturmafia und das Kätzchenfoto

Das Töchterchen hatte zu Weihnachten einen Computer bekommen und lud prompt ein Liedchen aus dem Internet runter, wie das ihre Freundinnen auch machen. Nach acht Wochen kam unverhofft ein Rechtsanwaltsschreiben mit einer Abmahnung und einer Forderung von 2.000 Euro. Mutti war erst mal platt. Soviel war das Musikstück doch garnicht wert.

Der Urheberrechtsschutz in Deutschland ist ein bizarres Gebilde. Alles, wo der Urheber nicht schon 70 Jahre tot ist, ist geschützt. Selbst so simple Sachen, wie ein Foto ohne künstlerischen Anspruch. Auf einer eigens dafür geschaffenen website wurde von einem Rechtsanwaltsbüro ein niedliches Kätzchenfoto platziert. Es dauerte nur ein paar Tage, daß ein minderjähriges Mädchen das Kätzchen heruntergeladen hat. Die finsteren Rechtsanwälte rieben sich die Hände, die Abmahnung folgte auch hier auf dem Fuße.

Eigentlich müßte man den Urheberrechtsschutz grundsätzlich lockern. Simple Fotos und Karaoke im Youtube sind prinzipiell nicht schutzwürdig. Stattdessen hat das Bundesjustizministerium das Strafmaß verringern wollen und die Beweislast auf den Abmahner verlagern.

Die Bundesjustizministerin hatte eine Deckelung der Abmahngebühren auf 80 Euro vorgeschlagen, um den durch Urheberrechtsverletzungen entstehenden Schaden und die damit verbundenen Kosten in ein verhältnismäßiges Maß zu bringen. Nach 6 Monaten Verhandlungszeit mit der CDU und einigen Verwässerungen und Verschlechterungen des Gesetzesentwurfs (der Gebührendeckel wurde unter anderem von 80 auf 155 Euro angehoben) hat nun der Kulturstaatssekretär Neumann sein Veto eingelegt, so daß alles beim Alten bleibt: Bis 2000 Euro für ein Kätzchenfoto.