Albanien – Ein sonniges und interessantes Reiseland

Zwischen 1965 und 1992 hat kaum ein Fremder dieses geheimnisumwobene Land betreten. Nur einige chinesische „Freunde“ waren zu Gast. Albanien war ein einziges großes kommunistisches Gefängnis mit eingestreuten Arbeitslagern, meist handelte es sich um Bergwerke. Für die Einwohner war das sehr unangenehm. Man erinnert sich nicht gerne daran. Auf dem Lande sind fast alle Gebäude aus dieser Zeit inzwischen abgerissen und durch Neubauten ersetzt worden. Wegen Architekturzeugnissen sollte man nicht nach Albanien fahren, es sei denn man will das Städchen Gjirokaster besuchen, das teilweise unter Denkmalschutz steht. Oder man interessiert sich für Betonbunker, die die Parteiführung im ganzen Land zu tausenden errichten ließ, in einer Art sozialistischer Paranoia. Sie stehen nicht nur an der griechischen Grenze, sondern genauso an der Ex-jugoslawischen.  

Landschaftlich hat Albanien einiges zu bieten. Da ist die Westküste des Ohridsees mit zahlreichen Hotels, Restaurants und einem internationalen Zeltplatz in Hudenisht.  Die Mittelmeerküste bietet sowohl schöne Strände und kleine Hotels bei Durres.

Hotel in Durres an der Adria

Aber auch die albanische Riviera zwischen Flore und Sarande hat viel unberührte Natur und herrliche Küstenlandschaften zu bieten.

Das Preisniveau ist durchaus moderat. Für die Zeltplatzübernachtung mit Strom, Warmwasserdusche, WC, Sonnenschirm und Liege an der Waterfront bezahlt man 10 Euro, fast peinlich, wenn man bedenkt, daß der Platz sogar einen Nachtwächter beschäftigt. Abends lud uns die Zeltplatzleitung auf die Dachterasse ein, wo wir den Sonnenuntergang erlebten und ein zweigängiges Menü mit Fischgericht und Vorspeise verzehrten. Kostenpunkt 15 Euro für 2 Personen, Getränke inclusive. Man sollte unbedingt den Fisch Koran probieren, der im Ohridsee gefangen wird. Der einzige Wermutstropfen: Das Wasser des Sees ist noch nicht sehr sauber, weil die Abwasseranlagen noch in der Entstehungsphase sind.

Einige Dinge hat der Tourist zu beachten. Mit der Sprache gibt es keine Schwierigkeiten, da fast jeder Albaner irgendeine Fremdsprache kennt. Es reicht wenn man Jo napot sagt – Guten Tag. Erstaunlich viele Leute sprechen deutsch, italienisch oder ein einfaches Englisch, welches man überall auf der Welt versteht – außer in England. Der Albaner achtet sehr auf seine Kleidung. Der Mann geht morgens um 5 Uhr aufs Feld zum Hacken – in gebügelter schwarzer Hose und im weißen Hemd. Die Frau holt nachmittags die Kuh vom Feld – im netten Sommerkleid. Wenn es regnet mit einem Regenschirm, wenn die Sonne scheint mit einem chinesischen Sonnenschirm. In einer Hahnenhose und im T-Shirt ins Restaurant gehen – das geht garnicht. Ich bin in diesem Aufzug einfach nicht bedient worden. Ich habe geahnt woran es lag, habe mich umgezogen und bin ins nächste Restaurant gegangen, mit Erfolg. Kleider machen Leute in Albanien. Wenn man in eine Küche kommt, darf man nicht auf die Türschwelle treten. Das ist wichtig, weil man in viele Restaurantküchen auch mal reinsehen darf. Übrigens kochen dort Leute, die wirklich etwas vom Kochen verstehen. Es ist ein Land für Gourmets.

Sehr solide – aber keine Kleckschenküche

Albanien ist zwar ein überwiegend muslimisches Land, aber von anderen Ländern doch stark abweichend. Es wird trotz einer alkoholkritischen Haltung der Glaubensschriften sehr guter selbst hergestellter Wein ausgeschenkt, der wirklich zu empfehlen ist. Die Albaner steiten darüber, ob das Bier aus Tirana oder Korce das bessere ist, und auf fast jedem Neubau sieht man statt eines Richtkranzes einen Talisman ähnlich wie ein Teddy und eine amerikanische Fahne, die neben der albanischen in friedlicher Eintracht hängt.  Amerika wird als befreundetes Land betrachtet.

Das Hauptstraßennetz ist recht gut ausgebaut. Es gibt genug Tankstellen und Restaurants. Auf Nebenstraßen können auch mal ein paar Meter Straße gerade weggerutscht sein.  Die Grenzbeamten sind sehr exakt mit den Einreisegebühren, das heiß sie verlangen nichts extra, ansonsten sind sie nicht so streng. Von Polizisten bin ich einige Male angehalten worden, weil ich das Licht nicht anhatte, es hat aber nie etwas gekostet. In der nördlichen Nachbarrepublik ist das mit den Beamten alles anders, aber das ist eine andere Geschichte. Also bis bald – in Montenegro.