Sind unsere Sparkassen die letzten Paradiese?

Das deutsche Sparkassensystem wird von vielen Sparern als grundsolide wahrgenommen. Auch die Kanzlerin bestätigte den Sparkassen kürzlich, daß sie nun wirklich nicht die Verursacher der Finanzkrise gewesen seien. Und die Medien zeichnen ein ideales Bild – wenn sie nicht gerade auf der Sparkasse Hamburg rumhacken, die den Rentnern grauslige Anlagen verkauft hat.

Anhand einer Stichprobe will ich mal nachsehen, was daran stimmt. Um dem Vorwurf der Manipulation zu entgehen, wurde die Stichprobe nach einem strengen Zufallsprinzip entnommen. Und zwar sind alle Sparkassen gecheckt worden, die mit A anfangen. Es sind 16 Institute, verteilt über ganz Deutschland. Zunächst habe ich die Geschäftsberichte analysiert und mal die Bilanzsumme den vergebenen Krediten, den Kundeneinlagen und dem Eigenkapital gegenübergestellt.

Sparkasse

Bilanz
Mio €

Forderungen
an Kunden

Verbindlichkeiten
gegen Kunden

Eigenkapital
Mio €

Aachen

9453

6774

7400

746

Ahrweiler

1655

1008

619

111

Aichach Schrobenhausen

?

?

?

?

Alb Donau = Ulm

5315

3533

3969

?

Altenburger Land

?

?

?

?

Altenkirchen

?

?

?

?

Altmark West = Salzwedel

890

448

677

36

Altötting-Mühldorf

?

?

?

?

Alzey-Worms-Ried

2828

1665

2156

153

Amberg-Sulzbach

?

?

?

157

Ammerland = LSpk Oldenburg

8126

6592

5804

418

Anhalt-Bitterfeld

?

?

?

158

Ansbach

?

?

?

?

Aschaffenburg-Alzenau

3788

2670

2963

201

Augsburg

5029

3844

3726

337

Aurich-Norden

1877

1378

1395

143

Was zunächst auffällt: Sieben Sparkassen veröffentlichen ihren Geschäftsbericht nicht auf der Internetpräsenz. Das ist fast die Hälfte der Institute. Diese Sparkassen müßten eigentlich geschlossen werden, wenn es eine funktionierende Bankenaufsicht gäbe. Das ist Intransparenz, Unprofessionalität und vielleicht auch der Versuch, schlechte Wahrheiten zu verschleiern. Diese Intransparenz ist ein Zeichen für eine sehr unterentwickelte Bankenkultur. Die Kehrseite sind die Kunden, die das akzeptieren.

Aus dem Osten waren drei Banken in der Stichprobe. Davon legt nur eine, die Sparkasse Altmark-West, ihre Zahlen auf den Tisch. Die Zahlen selbst zeigen die Probleme der Ostsparkassen auf. Die Eigenkapitalquote ist die niedrigste aus der Stichprobe. Und die vergebenen Kredite sind gemessen an der Bilanzsumme sehr gering. Das hängt zum einen mit der schwächeren Wirtschaft im Osten zusammen. In strukturschwachen Gebieten ist der Kreditbedarf einfach geringer. Die Spareinlagen sind wegen den innerdeutschen Transfers höher, als es die Wirtschaftsleistung eigentlich hergibt.  Die Banken müssen mit den Spareinlagen irgendwas machen: das nennt sich Kreditersatzgeschäft und ist im Kern das vielgeschmähte Investmentbanking. Die Ostbanken spekulieren mehr mit Finanzprodukten und verlagern die Risiken daraus soweit es geht über strukturierte Produkte auf ihre Kunden. Im Portfolio eines 92jährigen Rentners  entdeckte ich kürzlich eine Finanzwette über inverse Zinsstrukturen, die ihm die örtliche Sparkasse verkauft hatte, um sich selbst gegen eine inverse Zinskurve abzusichern. Nicht nur invers, sondern auch pervers!

In der folgenden Tabelle ist mal die Übersicht über das Eigenkapital und den Prozentsatz der Kreditvergabe an der Bilanzsumme. Man könnte die Kredite auch den Kundengeldern gegenüberstellen.

Sparkasse

Eigenkapital
% der Bilanzsumme

Forderungen an Kunden
in % der Bilanzsumme

Aachen

7,9

71,6

Ahrweiler

6,7

60,9

Aichach Schrobenhausen

?

?

Alb Donau = Ulm

?

66,5

Altenburger Land

?

?

Altenkirchen

?

?

Altmark West = Salzwedel

4

50,3

Altötting-Mühldorf

?

?

Alzey-Worms-Ried

5,4

58,9

Amberg-Sulzbach

?

?

Ammerland = LBS Oldenburg

5,1

81,1

Anhalt-Bitterfeld

?

?

Ansbach

?

?

Aschaffenburg-Alzenau

5,3

70,4

Augsburg

6,7

76,4

Aurich-Norden

7,6

73,4

Die Tabelle zeigt, daß in wirtschaftlich aktiven Regionen relativ gesunde Sparkassen vorhanden sind, wie in Aachen und Augsburg.  Aber schon in Rheinland-Pfalz beginnt der Anlagenotstand. Als solcher wird im Kreditwesen die Schwierigkeit bezeichnet, Kundengeld gewinnbringend zu verwenden.

Der letzte Ausweg ist oft der Erwerb hochriskanter Staatsanleihen. Die zyprischen Banken haben ihr Eigenkapital durch den griechischen Schuldenschnitt verloren. Das kann deutschen Sparkassen, die mit hochriskanten Staatspapieren spekulieren genauso passieren, wenn irgendwelche Länder nicht mehr belastbar sind und unter der Zinslast zusammenbrechen. Gerade wird darüber spekuliert, ob die dümmsten Banken der Welt, nämlich die deutschen Landesbanken, der bankrotten Stadt Detroit Geld geliehen haben. Das wäre dann wieder mal weg und würde die Sparkassen belasten.

Wer bei einer soliden Sparkasse Kunde ist, sollte sich nicht zu früh freuen. Der Wermutstropfen im  Glas der gefühlten Sicherheit ist die Haftung der Sparkassen untereinander und dann noch die Haftung für die desolaten Landesbanken. Und drittens  wollen die französischen Sozialisten den deutschen Sparkassen nun auch noch die Haftung für alle europäischen Banken aufnötigen.

In einer Welt, die überschuldet ist, sollte man auf der Jagd nach den letzten Paradiesen nicht bei den Sparkassen suchen.