Spanische Schulden – bei Explosion einfach in Deckung gehen!

Die Probleme Südeuropas sind sehr unterschiedlich gelagert. Das zeigt ein Vergleich Spaniens mit Griechenland und Zypern. Letztere beide leben unrettbar über ihre Verhältnisse. Sie haben eine wirklich katastrophale Handels- und Leistungsbilanz. Spanien erwirtschaftet dagegen in der Leistungsbilanz leichte Überschüsse. In Spanien gibt es eine funktionierende Wirtschaft und wirklich einige vorbildliche Betriebe. Die Industrie erwirtschaftet immerhin 17 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und die Landwirtschaft 3 %. Fast 10 % bringt der Tourismus. Wo liegt dann das Problem?

Im Frühjahr habe ich den Sommerurlaub geplant. Ich war noch nie an der südspanischen Küste, der vielgerühmten Costa del Sol. Also habe ich mir die Gegend im Streetwiev angesehen. Das ist besser als jeder Hotelprospekt, weil man das ganze Umfeld an jedem Punkt im Rundblick sehen kann.  Wenn man in seinem All-inclusive-Hotel schöne Strandwochen verbringen möchte, und das Hotel nicht verlassen möchte, funktioniert der Urlaub. Wenn man ein Ferienhaus mieten will, selber kochen möchte  und sich einen Strandzugang reserviert hat geht es auch. Wenn man an die gebaute Umgebung Anforderungen hat, wird es eng. Strandzugänge sind meistens verbaut, Lidos wie in Italien gibt es kaum. Flaniermeilen sind nur in den Touristenzentren vorhanden und oft sind sie alles andere als schön. Gewiß, über Geschmack läßt sich streiten, aber wenn das alles super Locations wären, dann wären die leerstehenden Ferienhäuser alle verkauft. Kurz gesagt, den Sommerurlaub mache ich nun doch woanders.

Die leerstehenden spanischen Immobilien sind wirklich nicht schön und städtebaulich ist Spanien eine Katastrophe. Zu oft steht ein Edelprotzbau oder eine Ferienanlage neben einer Industrieruine, und diese wiederum neben einem aufgelassenen Schrottplatz. Eingeschossige Bauernhäuser findet man unvermittelt neben einem Zehngeschosser. Das kann nicht einmal die üppige Natur und die Sonne kaschieren. Die gestalterische Qualität des Wohnungsbaus ist eine krasse Zumutung. An der Nordküste habe ich ein 12geschossiges Wohnhaus gefunden, das aussieht wie ein Getreidesilo mit Fenstern: ein Wohnsilo. Das steht natürlich leer, genauso wie die kubischen „Entwürfe“ der Bauhäusler.

Spanien hat durch die Niedrigzinsen, die eurobedingt jahrelang gewährt wurden, eine veritable Immobilienblase aufgeblasen. Der „Wertumfang“ gebauter, aber nicht verkaufter Immobilien beträgt ungefähr 120 Mrd. €, wenn man 800.000 seit 4 Jahren unverkaufte Immobilien und Wohnungen mit einem durchschnittlichen Herstellungswert von 150.000 € rechnet . Nicht wenige Häuser werden unverkäuflich sein, so daß noch Abrißkosten entstehen werden. Außerdem darf man nicht vergessen, daß jedes Jahr Zinsen auflaufen, die nicht erwirtschaftet werden. Wenn man die Gebäude im Durchschnitt zu 30 % verramschen kann, bleiben rund 100 Mrd. € Verlust. Das ist keine exakte Zahl, sondern eine Größenordnung. Den Verlust muß man abschreiben. Die Banken, die das finanziert haben, kann keiner aus der Portokasse retten. Die spanische Wirtschaft und der spanische Steuerzahler sind damit überfordert. Warum soll auch der Steuerzahler für etwas haften, was er und seine politischen Beauftragten nicht bestellt haben?

Es kommt noch schlimmer: Es sind insgesamt 2,4 Billionen € Privatschulden in den spanischen Bankbilanzen. Wenn man mal 4 % Zinsen annimmt (den genauen Wert weiß niemand, als der liebe Gott), beträgt die Zinslast darauf etwa 100 Milliarden €. Das sind etwa 10 % des BIP.  Das geht von Investitionen, Staatsverbrauch und Privatverbrauch ab und ist jedes Jahr ein ungeheurer Aderlaß für die Wirtschaft. Nun kann ja jemand entgegenhalten, daß Bankerlöse sich in Wohlgefallen auflösen: Löhne der Bankangestellten, Dividenden der Aktionäre und Steuern des Staats. Schön wärs! Denn ein guter Teil der Zinsen verschwindet einfach im schwarzen Loch der Abschreibungen von faulen Krediten. In der Wirtschaft werden 100 % erzeugt, aber weit weniger als 100 % davon landen wieder im realen Wirtschaftskreislauf. Das ist das klassische Beispiel für eine Schrumpfökonomie. Bisher wurde das Problem simpel gelöst – durch neue Schulden. Dieser Zug ist nun abgefahren, weil alle ausländischen Gläubiger jetzt hinsehen, wem sie Geld leihen.

Die spanischen Staatsschulden betragen derzeit etwa 91 % des BIP oder 950 Milliarden €. Wenn man die Immobilienverluste von 100 Mrd. draufpackt, erhöhen sich die Staatsschulden um etwa 10 %. An weitere uneinbringliche Forderungen, die zum Schluß beim Staat landen, darf man gar nicht denken. Viele Spanier haben Probleme ihre Immobilien- und sonstige Kredite zu bezahlen, dazu kommen Firmenpleiten.  Den Schuldendienst für diese Zusatzbelastungen kann Spanien nicht leisten.   

Natürlich würde die Pleite spanischer Banken Kettenreaktionen auslösen. Alle, die diesen Banken Geld geliehen haben, werden auch Pleite gehen oder als Bankkunden einen Teil ihrer Einlagen verlieren. Aber neben diesen Nachteilen, hat die Pleite von leichtsinnigen Banken auch viele Vorteile: Vorsicht im Wirtschaftsleben wird danach wieder größer geschrieben, Sparer werden sich Banken genauer anschauen, bevor sie ihnen ihr Erspartes anvertrauen, Aktionäre auch. Vor allem würde das Prinzip der Verantwortlichkeit für wirtschaftliche Entscheidungen endlich wieder eingeführt. Der größte Vorteil ist, daß Spanien nach der Bankenpleite und einem angemessenen haircut bei den Schulden wirtschaftlich funktionieren und prosperieren kann.  Denn eine funktionsfähige Wirtschaft ist im Unterschied zu Griechenland oder Zypern vorhanden.  Spanien muß wirklich nicht ganz von vorne anfangen.  Ein halbwegs leistungsfähiges und stolzes Land – nur mit Bauruinen und exzessiver Verschuldung hat es Riesenprobleme.

Ein praktischer Hinweis für den deutschen, österreichischen und schweizer Sparer: Wenn das spanische Schuldengebäude zusammenkracht oder dieser Prachtbau über eine gesamteuropäische Bankenhaftung saniert wird, sollte man nicht in der Nähe rumstehen.  Das heißt man sollte kein überflüssiges Geld bei einer Bank oder Versicherung haben, die in spanischen Schultiteln „investiert“ ist. Und man sollte nichts haben, wovon das Finanzamt weiß, denn die Steuern werden bei einer  Rettung Spaniens garantiert erhöht. Am besten sind Sachwerte wie Edelmetalle, die selbstgenutzte Immobilie, langlebige Konsumgüter und Kunstgegenstände, zum Beispiel aus Silber. Auch in die eigene Bildung und die der Kinder kann man immer erfolgreich investieren.  Was man über das Finanzwesen weiß, kann der Staat nicht wegnehmen. Also bei Explosion der Schulden – einfach in Deckung gehen!