Tim Schieferstein: Preiserhöhung bei Silbermünzen kann mit Differenzbesteuerung trotz Ust.-Erhöhung abgewendet werden

Viele Edelmetall-Händler, aber auch zahlreiche Privatanleger befürchten mit Beginn des neuen Jahres einen erheblichen Preisanstieg bei Silbermünzen. Grund ist die Mehrwertsteuererhöhung von 12 Prozent, denn wurde bisher der vergünstigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent erhoben, fallen künftig volle 19 Prozent Steuern an.  Dennoch ist es möglich, der Preiserhöhung bei Silbermünzen zu entgehen, und zwar durch die Anwendung der Differenzbesteuerung.

Die Steueränderung bei Silbermünzen

Silbermünzen haben bisher von steuerlichen Vorteilen profitiert, denn sowohl beim Kauf wie auch beim Verkauf der Münzen wurden lediglich sieben Prozent Mehrwertsteuer berechnet. Damit hatten die Münzen im Vergleich zu Silberbarren deutliche Vorteile, denn hierfür müssen Käufer bereits seit vielen Jahren 19 Prozent Mehrwertsteuer entrichten. Nun ist es auch bei Silbermünzen soweit, denn die EU hat zu einer Harmonisierung der Steuersätze innerhalb Europas aufgerufen. Da das Steuerprivileg für Silbermünzen in Deutschland einmalig ist, war die Bunderegierung aufgefordert, die Steuern zu erhöhen und den Mehrwertsteuersatz anzupassen. Mit Wirkung vom 01. Januar müssen Anleger nun 19 Prozent Mehrwertsteuer beim Silbermünzenkauf entrichten, was einer Preiserhöhung von 11,2 Prozent entspricht. Bei einer Anlage von 10.000 Euro erhalten Anleger im kommenden Jahr somit etwa 56 Münzen weniger.

Die folgende Darstellung zeigt die Auswirkungen der Steuererhöhung beim Silbermünzenkauf:

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Die Änderungen für Privatanleger und Edelmetallhändler

Wie die Darstellung zeigt, müssen Privatanleger ab dem kommenden Jahr somit mit deutlich steigenden Preisen beim Kauf von Silbermünzen rechnen – sofern nicht die Differenzbesteuerung angewendet wird. Eine weitere Auswirkung der höheren Preise und der Vereinheitlichung des Mehrwertsteuersatzes wird die Reduzierung des aktuell sehr umfassenden Angebots sein. Dies wird unter anderem die aktuell noch sehr begehrten Silbermünzbarren treffen, die als Alternative zu Silberbarren gefertigt wurden, um den vergünstigten Mehrwertsteuersatz nutzen zu können. Bei einer Angleichung der Steuersätze jedoch werden diese ihre Daseinsberechtigung verlieren. Aufgrund des reduzierten Angebots und der sinkenden Nachfrage, die bis zu 70 Prozent betragen kann, werden viele Händler ihr Sortiment ändern und ggf. auf den Verkauf von Goldprodukten ausweichen müssen. Gold bleibt auch im kommenden Jahr steuerfrei, sodass hier kein Nachfragerückgang zu erwarten ist.

Schlusskauf zum Jahresende ist unbegründet

Aufgrund der Preiserhöhung und der reduzierten Produktpalette rufen viele Händler jetzt zum Jahresendspurt auf und raten dazu, Silberkäufe vorzuziehen. Der zurückgekommene Silberpreis ist zwar jetzt durchaus ein Einstiegspreis, ein Schlussverkauf zum Jahresende ist aber dennoch unbegründet. Schließlich haben Händler auch im kommenden Jahr die Möglichkeit, Silbermünzen recht günstig anzubieten und die Mehrwertsteuererhöhung nahezu auszugleichen. Voraussetzung hierzu ist die Anwendung der so genannten Differenzbesteuerung. Sie sorgt dafür, dass Händler, die Münzen aus dem Nicht-EU-Ausland einkaufen oder Münzen von Privatpersonen ankaufen, diese zu nahezu unveränderten Preisen anbieten und den Kunden auch im kommenden Jahr Vorteile beim Kauf von Silbermünzen bieten können.

Die Details der Differenzbesteuerung

Bei der Differenzbesteuerung handelt es sich um eine Variante der Besteuerung von Silbermünzen, die bisher kaum Beachtung fand. Bei dieser Methode werden die im Nicht-EU-Ausland angekauften Münzen nach wie vor mit sieben Prozent Einfuhrsteuer und damit in Höhe des bisherigen Mehrwertsteuersatzes versteuert. Anders als bisher, als diese Einfuhrsteuer als Vorsteuer verrechnet wurde, wird sie jetzt zum Einkaufspreis addiert. Beim späteren Verkauf der Silbermünzen bietet der Gesetzgeber jetzt die Möglichkeit, dass lediglich die Differenz aus dem ermittelten Einkaufspreis und dem Verkaufspreis mit 19 Prozent Mehrwertsteuer versteuert wird. Die geringe Händlerspanne sorgt dafür, dass diese Steuerbelastung nur marginal ausfällt und es damit im Vergleich zur heutigen Steuerberechnung kaum Änderungen ergibt.

Hier wird der Unterschied zwischen der Differenzbesteuerung und der Regelbesteuerung deutlich:

Um die Differenzbesteuerung anwenden zu können, müssen einige Voraussetzungen erfüllt werden. So ist es beispielsweise wichtig, dass die Münzen ausschließlich aus dem Nicht-EU-Ausland importiert werden. Damit können Händler die Differenzbesteuerung sowohl bei der Maple Leaf aus Kanada wie auch dem Koala aus Australien nutzen. Beim Wiener Philharmoniker aus Österreich hingegen ist die Differenzbesteuerung nicht anwendbar, wenn diese aus Österreich importiert werden. Lediglich dann, wenn sie vorher in ein Nicht-EU-Ausland exportiert und später wieder importiert werden, wäre die Differenzbesteuerung möglich.

Privatankäufe werden wieder lohnend

Der Kauf von Silbermünzen von privat war bisher für viele Händler weniger interessant, denn der Aufwand für die Prüfung der Münzen war vergleichsweise hoch. Durch die Anwendung der Differenzbesteuerung wird allerdings auch der Privatkauf, ebenso wie der Kauf der Münzen aus dem Nicht-EU-Ausland, interessant. Auch hier ist es nämlich möglich, die Differenzbesteuerung anzuwenden und die Münzen zu fast unveränderten Preisen anzubieten.

Dieses Zahlenbeispiel zeigt die Vorteile der Differenzbesteuerung beim Händler- und Privatankauf:

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Details im „Ratgeber: Mehrwertsteuererhöhung bei Silbermünzen dank Differenzbesteuerung vermeidbar“

Details zur Differenzbesteuerung finden Edelmetall-Investoren und Händler im aktuellen Ratgeber zur Differenzbesteuerung bei Silbermünzen. Hier werden nicht nur Details zur Differenzbesteuerung aufgezeigt, sondern der Ratgeber hilft auch bei der Umsetzung und gibt wichtige Tipps für die Praxis.

Über den Autor

Tim Schieferstein ist Geschäftsführer der Solit Edelmetall Handelsgesellschaft mbH, Betreiberin von www.goldsilbershop.de. Als Mitglied des Berufsverbands des Deutschen Münzfachhandels ist es der Gesellschaft wichtig, die Gemeinschaft der Münz- und Edelmetallhändler auch durch gegenseitigen Wissensaustausch zu stärken. Nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann zum Jahrtausendwechsel absolvierte er berufsbegleitend eine Weiterbildung zum Fachwirt für Finanzberatung (IHK) und ist einer der Gründungsgesellschafter der VSP Financial Services AG. Seit 2005 ist er überzeugter Edelmetallinvestor.