Staatsbankrott im Storchennest

In meiner Kinderzeit gab es ein frustrierendes Gesellschaftsspiel. Es hieß Storchennest. Ich habe hier den Link zum Spiel. Die Grundlage war ein kleines Bauernhausmodell aus Holz mit einem Wagenrad drauf. Es wurden längliche Hölzchen an die Kinder verteilt und alle Mitspieler mußten reihum immer wieder ein Hölzchen auf das Wagenrad schichten. Irgendwann kippte das Storchennest um und der Mitspieler, der zuletzt gebaut hatte, bekam die runtergefallenen Hölzer. In so einem Fall hatte man das Spiel schon verloren.
Es gab immer Mitspieler, die die Hölzchen so legten, daß der Turm eine Weile stabil stand, und es gab Spieler, die ihre Hölzchen so einbauten, daß der Turm möglichst schnell zusammenbrach. Es gab gute Konstrukteure und versierte Dekonstrukteure.

So wie dieses Spiel funktioniert auch der deutsche Staat. Jede Regierung hat auf den Ergebnissen der vorhergehenden aufgebaut. Es gab gute Regierungen und solche, die einen Trümmerhaufen hinterlassen haben. Es gab solche, die Schulden aufgebaut haben und solche, die Verschuldung abgebaut haben. Letztere haben meines Wissens das letzte mal im Biedermeier (1820 bis 1845) regiert.

Seit der Großen Koalition von 1966 wurden Schulden wie ein Storchennest aufgebaut. Brandt erbte 100 Mrd. DM Schulden von Kiesinger und verdoppelte diese in nur 5 Jahren auf 200 Mrd. DM. Schmidt spielte weiter. Von ihm ist der Satz „Lieber 10 % Inflation als 10 % Arbeitslose“. Als er an Kohl übergab, hatte Deutschland beides, die Inflation und die Arbeitslosen. Und außerdem 650 Mrd. DM Schulden. Kohl übergab nach der Deutschen Einheit an Schröder einen noch größeren Schuldenstand von 1,2 Billionen €. Schröder vergrößerte den Schuldenberg auf 1,5 Mrd. und übergab an Merkel. Diese hat zwar keine Kinder bekommen, welche die Schuldzinsen bezahlen, aber immerhin die Schulden durch Rettung der deutschen Landesbanken auf 2,1 Mrd. € erhöht.

Inzwischen besteht die ganze Kunst der Bundeskanzlerin darin, den Turm nicht umzustoßen, sondern dafür zu sorgen, daß das einem der Nachfolger passiert. Diejenigen, die bisher den deutschen Schuldenturm umgeworfen haben, haben einen schlechten Platz in den Geschichtsbüchern: Friedrich Ebert mit seinem Reichskanzler Wilhelm Cuno,  A.H. und E.H. Merkel wird das Schlimmste vielleicht noch vermeiden können. Wenn nicht, sind wenigstens die Sozialdemokraten mit Schuld. Irgendwann erwischt es irgendeinen Kanzler.

Das Eis wird immer dünner, auf dem die Regierenden sich bewegen. Und da ein Staatsbankrott immer ein Bankrott der Bürger ist, wird das Eis für den Bürger auch bedrohlich dünn. Das Storchennest ist bedrohlich hoch. Ein Rückbau ist nicht realistisch. JennyGER hatte bereits am 1. Oktober gepostet: „Eine Schuldenbremse bremst ungefähr so effektiv Schulden, wie eine Handbremse Hände bremst“…