Überspannung nicht nur bei Blitzschlag

Seit September 2013 sind die Straßenlampen in Linda reihenweise mehrmals durchgebrannt. Zuerst dachte der Elektriker, es hätte sich um eine Montagsproduktion von Leuchtmitteln gehandelt. Da die Garantie der Leuchtmittel noch nicht abgelaufen war, gab es Regress vom Leuchtenhersteller. Aber nur beim ersten Mal. Beim zweiten Mal rief der Elektriker beim Energieversorger an und bekam die Antwort, daß in Linda größere Photovoltaikanlagen einspeisen und daß das zu Überspannung führt.

Herkömmlich sind unsere Energienetze für einen Lastfluss von den Kraftwerken der Stromversorger durch die Hochspannungsfreileitungen in die Verteil- und Ortsnetze ausgelegt. Bei einer großen Anzahl von Photovoltaikanlagen in Ortsnetzen entstehen Spannungserhöhungen durch den umgekehrten Leistungsfluss in Richtung der übergeordneten Stromnetze. Dadurch steigt nach Versuchsmessungen die Spannung in Ortsnetzen bis auf über 244 Volt. Und das manchmal mehrmals am Tag.

Die Toleranzgrenze liegt bei 243,8 Volt.  Derzeit sind die Energie-Priester, die gewöhnlich am Altar des Sonnengotts opfern, fieberhaft an der Lösungssuche. Zu den PV-Anlagen gehörende Wechselrichter können das Problem reduzieren. Die Energieversorger können regelbare Ortsnetztransformatoren bauen.  Und der Stromverbrauch könnte örtlich an den Bedarf angepaßt werden, damit die Stromnetze nichts abbekommen..

Bei den Wechselrichtern geht der Streit schon los. Die Fachleute gehen davon aus, daß die Spannung bei 244 V begrenzt werden muß. Auf der Internetseite des Solarenergie-Fördervereins Deutschland heißt es: „Die Abschalteinrichtung im Wechselrichter muss auf die nach Norm gültige obere Spannungsgrenze eingestellt werden. Diese beträgt in Deutschland derzeit 230 Volt plus 10%.“

„Spinnen die Römer?“ hätten Asterix und Obelix gefragt. 230 V plus 10 % sind 253 Volt. Bei 253 Volt steigen die meisten Geräte und Leuchtmittel augenblicklich aus. Da liegt der Verdacht nahe, daß die PV-Betreiber mit Billigtechnik Geld sparen wollen, um ihre Profite zu erhöhen.

In Wirklichkeit ist die 10-%-Regelung völlig anders gemeint. Die europäischen Energieversorger sollen sich mit ihrer Regel-Netzspannung in diesem Bereich bewegen. Zum Beispiel beträgt die Netzspannung auf den Balearen und in Litauen 220 V und auf der Isle of Man und auf Malta 240 V. Auf dem Kontinient liegen in der Regel 230 V an. 10 % Toleranzgrenze auf 230 Volt ist definitiv nicht richtig.

Es ergibt sich auch die Frage, wer neue Ortsnetztransformatoren bezahlt. Die PV-Betreiber oder wieder einmal die Stromverbraucher? Und wie kann man den Bedarf in Linda an den Verbrauch anpassen? Im Winter sicher kein Problem. Man könnte im Sommer das Regenüberlaufbecken heizen. Aber was sagen die Angler dazu? Die Fische sind dann schon fertig gekocht…