Ist eine private Pflegezusatzversicherung notwendig und bezahlbar?

Gestern war auf diesem Blog ein Ausblick auf die Rentensituation um 2030 gegeben worden. Heute hat mir Thomas Freud einen Artikel zur Pflegeversicherung gesendet, den ich hier mal einstelle, auch wenn es neben Information natürlich Werbung ist:

In unserem Sozialstaat ist es theoretisch gesetzlich geregelt, dass die Bürger des Landes in Notfällen nicht im Regen stehen, sondern eine staatliche Unterstützung erhalten. Das ist die Grundlage für die Pflicht zur Krankenversicherung, und auch die Pflegeversicherung beruht darauf. Doch reicht die staatliche Versorgung im Pflegefall wirklich aus?

Die Pflegepflichtversicherung des Staates

Wenn ein Mensch durch Alter, Krankheit oder durch einen Unfall in seinem körperlichen oder psychischen Zustand so stark eingeschränkt ist, dass er zu einem Pflegefall wird, so ist dies mit hohen Kosten verbunden. Für einen vollstationären Aufenthalt in einem Pflegeheim werden derzeit durchschnittlich rund 3.300 Euro fällig. Von der gesetzlichen Pflegeversicherung gibt es in der Pflegestufe 3 ab Januar 2015 gut 1.600 Euro für eine vollstationäre Pflege. Den Rest muss die pflegebedürftige Person selbst aufbringen. Wird der Betroffene nur ambulant oder zu Hause von Angehörigen und einem Pflegedienst betreut, gleicht das Geld von der Pflegekasse meist ebenfalls nicht alle Unkosten aus. In vielen Fällen reicht die Rente nicht dazu aus, diese Differenz abzudecken. Dann werden zunächst Ersparnisse und Vermögenswerte des Betroffenen und anschließend seine Kinder herangezogen. Alternativ kann dann – sofern in früheren Jahren abgeschlossen – eine private Pflegezusatzversicherung einspringen. Letzte Instanz ist das Sozialamt.

Mehr dazu auch unter Meine Pflegeversicherung.

Verschiedene Modelle für verschiedene Lösungen: Die private Pflegevorsorge

Eine verbreitete private Absicherung ist das Modell der Pflegerentenversicherung. Dabei handelt es sich um eine „getarnte“ Lebensversicherung. Der Versicherte legt bei Vertragsschluss fest, welche Beträge er für einen von ihm bestimmten Zeitraum einzahlen möchte. Daraus ergibt sich eine Laufzeit, in der der Versicherungsfall (die Pflegebedürftigkeit) eintreten kann oder eben nicht. Wird der Versicherte während der Laufzeit pflegebedürftig, so zahlt die Versicherung unter Berücksichtigung der bereits geleisteten Beiträge (Prämien) und der Stufe der Pflegebedürftigkeit monatlich einen festen Betrag aus. Läuft die Police ohne Versicherungsfall aus, erhält der Leistungsnehmer ab diesem Zeitpunkt die vertraglich festgelegten Zahlungen als Rentenzahlungen. Damit bietet die Pflegerentenversicherung einen doppelten Schutz. Zur Beitragskalkulation werden das Alter bei Versicherungseintritt und die gewünschte Höhe des monatlichen Pflegegeldes herangezogen. Je älter der Versicherungsnehmer und je mehr Pflegegeld gewünscht ist, desto höher ist der Beitrag. Der Einstieg ist – auch abhängig vom Anbieter – für 40-Jährige schon ab knapp 60 Euro monatlich möglich.

Die Pflegetagegeldversicherung ist ein weiteres Modell der privaten Pflegevorsorge. Zwei Varianten stehen zur Wahl: Gestaffelte Tarife, bei denen man nur die Höhe des Tagesgeldes der Stufe III bestimmen kann und die anderen Stufen vorgegeben sind oder alternativ flexible Tarife, bei denen man frei wählen kann, wie viel Pflegetagesgeld in den einzelnen Stufen gezahlt werden soll. Die Pflegetagesgeldversicherung dient der Aufstockung gesetzlicher Leistungen im Pflegefall und kann (sofern die staatlichen Vorgaben des sogenannten ‚Pflege-Bahr‘ erfüllt werden) mit 5 EUR bezuschusst werden. Die Berechnung der Beitragshöhe folgt dem Beispiel der Kalkulation bei der Pflegerentenversicherung, die Monatsbeiträge sind ähnlich hoch.

Eine weitere private Vorsorgemöglichkeit bietet die Pflegekostenversicherung. Sie übernimmt die Differenz zwischen gesetzlich abgedeckten und den realen Kosten der Pflegeleistungen. Dies erfolgt entweder über eine prozentuale Aufstockung oder einer Restkostenübernahme. Sollte vorhersehbar sein, dass im Notfall nicht viel Geld zur Kostendeckung vorhanden sein wird, ist eine Pflegekostenversicherung sinnvoll. Man muss allerdings bedenken, dass anders als bei den anderen beiden Zusatzversicherungen kein Geld an den Versicherten ausgezahlt wird, über das dieser dann frei verfügen kann, sondern lediglich eine Abrechnung mit den ausführenden Pflegedienstleistern erfolgt. Dafür sind Beiträge die für diese Police günstiger.

Fazit für den Ernstfall

In den Fällen von Pflegebedürftigkeit stößt der Sozialstaat an seine Grenzen und auch die Betroffenen und ihre Angehörigen werden schwer gefordert. Wem die finanziellen Mittel fehlen, dem bleiben auch optionale, verbessernde Zusatzleistungen verwehrt. Eine private Vorsorge ist daher ratsam, um auch im Ernstfall noch ein würdiges Leben führen zu können. Vorausgesetzt natürlich, die finanziellen Mittel für die monatlichen Beiträge sind verfügbar.