SPIEGEL-Fechter haben mit Schäuble kein Problem

Für die Griechen ist es egal, wer die griechische Parlamentswahl  in einer Woche gewinnen wird. Für die europäischen Partner Griechenlands auch.  Der Konservative Andonis Samaras torpediert den Euro still und heimlich, schleichend und stillvergnügt. Alexis Tsipras von der Koalition der radikalen Linken (Syriza) will den Euro unverfroren, geschwind und mit großem Theater zur Hölle schicken.

Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitut ALCO für die griechische Zeitung „To Pontiki“ wird die Koalition der radikalen Linken mit einem prognostizierten Stimmenanteil von 32,4 % 152 von 300 Sitzen im neuen Parlament erhalten. Diese Mehrheit trotz relativ wenigen Stimmen kommt durch eine Regelung im griechischen Wahlgesetz zustande, nach der die stärkste Partei 50 Sitze zusätzlich bekommt. Ja, in Griechenland hat man halt die Demokratie erfunden…

Wer glaubt, daß der siegreiche Linkspolitiker aus dem Euro austreten würde, täuscht sich. Seine Wählerklientel sind, wie in Griechenland allgemein üblich, die Staatsdiener. Beim Euroaustritt würden deren Bezüge weiter kollabieren und die Zahl der Beschäftigten im aufgeblasenen öffentlichen Dienst müßte reduziert werden. Viel  mehr Geld läßt sich aus Europa herausholen, wenn vorerst die Zinszahlungen für die Staatsanleihen eingestellt werden und ein Schuldenschnitt verlangt wird. Merkel und Co. lassen sich bestimmt wie gewohnt erpressen, so das gerissene levantinische Kalkül.

Die griechischen Zinszahlungen betragen ohnehin nur noch knapp 6 Mrd. € jährlich, eine läppische Summe gemessen an der griechischen Staatsschuld von 424 Mrd. €. Das ist eine Verzinsung von 1,4 %. Ob das gezahlt wird oder nicht ist mathematisch und fiskalisch einerlei. Und eine Entschuldung muß es sowohl unter einem Ministerpräsidenten Samaras geben, wie auch bei einer möglichen Syriza-Herrschaft.

Das Buttoinlandsprodukt Griechenlands betrug 2013 ungefähr 185 Mrd. €. Nach dem Maastricht-Vertrag dürfte die Verschuldung 60 % davon betragen, also 111 Mrd. €. Die überschießenden 313 Milliarden kann man gedanklich schon mal abschreiben, egal wer in Athen rumregiert. Wenn jetzt noch irgendjemand behauptet, es würde keinen nächsten und keinen übernächsten Schuldenerlaß mehr geben, dem ist nicht zu helfen. Derjenige hat in der Schule das Rechnen abgewählt und Soziologie, Journalismus, Veranstaltungsmanager oder Theaterwissenschaften studiert.

Auf Deutschland kommen von 313 Mrd. € Schuldenerlaß etwa 28 % zu, also 88 Mrd. €. Dazu kommt ein Target-Saldo von 30 Mrd. €, das wegen den Exportüberschüssen fast zur Gänze an Deutschland kleben bleiben wird.  Der deutsche Bundeshaushalt 2014 betrug zum Vergleich 296 Mrd. €. Knapp ein halber deutscher Bundeshaushalt geht flöten, oder besser: er ist bereits seit langem verjubelt worden. Das steht blos noch nicht in den Büchern, denn der griechische Konkurs wird immer wieder verschleppt.

Die griechischen Steuereinnahmen betrugen 2014 ganze 47 Mrd. €. Wenn man davon ausginge, daß keine Zinsen mehr gezahlt würden und jedes Jahr 10 % des griechischen Haushalts für die Schuldentilgung verwendet würden, so würde es 90 Jahre dauern, die Schulden von 424 Mrd. € zurückzuzahlen. Aber selbst diese Streckung funktioniert nicht, weil Griechenland jedes Jahr mehr Geld verbraucht, als es einnimmt. Die Handels- und Leistungsbilanz ist in der Summe nach wie vor negativ.

Oder nehmen wir mal an, daß Griechenland 4 % Zinsen auf seine Schulden zahlen würde und 2 % Tilgung zu leisten hat. Das wären 25,4 Mrd. € jährlich. Da es Auslandsschulden sind, ist es ein dauernder Aderlaß, den keine Volkswirtschaft auch nur zwei Jahre überleben kann. Der Keynesianismus ist zwar eine Irrlehre. Das Gegenteil, nämlich jährlich 14 % des Bruttoinlandsprodukts für Zins und Tilgung abfließen zu lassen, ist aber genauso falsch.

Einfach Irrsinn, wie uns die europäische Qualitätspresse und die deutsche Regierung an der Nase herumführen. „Griechenland hat mit seinen Schulden derzeit kein Problem“, sagte der schillernde Bundesfinanzminister Schäuble dem für seine unseriöse Berichterstattung berühmt-berüchtigten norddeutschen Nachrichtenmagazin „DER SPIEGEL“.

Schäuble hat mit Griechenland derzeit kein Problem und DER SPIEGEL hat mit Schäuble derzeit kein Problem. Die SPIEGEL-Fechter sind nicht dazu da, Probleme zu machen.