Lernen von Maria Theresia

Nicht alles kann man von der Sowjetunion lernen. In Bezug auf die Vereinbarkeit von Ehe und Beruf waren die Habsburger interessante Leute.

Die Systemmedien berichten verschiedentlich über die Überalterung unserer Gesellschaft und die Folgen für die sozialen Systeme. 1957 mußten sich 3,6 Erwerbstätige einen Rentner teilen. Heute sind es  2,2 Erwerbstätige, die einen Rentner durchfinanzieren müssen. Die Medien ziehen den Schluß, daß auch Frauen voll arbeiten müssten, damit mehr Beitragszahler im Verhältnis zu den Rentnern zur Verfügung stehen. Und dann sollen sie nach dem Willen der meist männlichen Zeitungszaren noch Karriere machen, die Eizellen einfrieren und mit 40 Jahren last minute ein Kind bekommen.

Das funktioniert demografisch aber nicht. Jeder Ingenieur kann das mit dem Taschenrechner ausrechnen, Leitende Journalisten werden mathematisch leider nicht gebildet. Die Formel für die natürliche Wachstumsrate der Bevölkerung ist denkbar einfach:

NWRj = ((Gj – Sj) x 100) / PS

wobei NWRj die natürliche Wachstumsrate auf ein Jahr bezogen (%) ist, Gj die Geburtenfälle eines Jahres, Sj die Sterbefälle eines Jahres und PS die mittlere Größe der Population innerhalb eines Jahres.

Nun wenden wir die Formel mal an. Wenn wir annehmen, daß die Bürger eines Landes 80 Jahre alt werden, daß Männer und Frauen gleich verteilt sind  und daß alle Frauen mit 40 Jahren ein Kind bekommen, so bleibt die Bevölkerungszahl des Landes ewig konstant, allerdings verschiebt sich die Relation von Rentnern zu Leuten im arbeitsfähigen Alter in einen ungünstigen Bereich. Praktisch würde sich die Bevölkerung natürlich verringern, weil es in Wirklichkeit immer Kinderlose gibt.

Wenn wir annehmen, daß alle Frauen um die 40 noch zwei Kinder bekämen, so würde sich unter obigen Voraussetzungen die Bevölkerung in 10 Jahren um 12,3 % vermehren. Die Alterspyramide wäre aber trotzdem ungünstig für das Sozialsystem.

Was uns die Medien immer verschweigen: für die Alterspyramide ist das Alter der Frauen bei der Geburt entscheidend  und nicht nur die Zahl der Geburten pro Frau. Wenn nämlich dieselben Frauen ihre Kinder um die 30 bekommen und nicht mit 40, so wächst die Bevölkerung mit der Einkindfamilie in 10 Jahren um 4,1 %, mit zwei Kindern sogar um 20,5 %. Mit drei Kindern würden sogar 37 % Bevölkerungszuwachs in 10 Jahren erreicht werden.

In der DDR mußte man mit 17 schwanger sein, um mit 18 einen Wohnungsantrag stellen zu dürfen und vielleicht mit 22 eine Wohnung zugewiesen zu bekommen. Wer nicht schwanger wurde, konnte gleich einen Ausreiseantrag oder einen Aufnahmeantrag in die Partei stellen. Das Kombinat VEB Carl Zeiss Jena hatte beispielsweise ein Wohnheim für Lehrlinge, die gerade Mutter geworden waren, welches 123 m lang ist und 6 Geschosse als Mittelganghaus hat. Es ist heute das Best Western Hotel. Da war Platz für 360 Lehrlinge mit Kind. Und das Haus war voll. Das Geburtsalter vieler Mütter lag damals unter 20 Jahren. Wenn man ein durchschnittliches Geburtsalter von 20 Jahren annimmt, so würde die Bevölkerung binnen 10 Jahren selbst mit der Einkindfamilie  um 12,3 % wachsen, mit der Zweikindfamilie um 37 % und mit der Dreikindfamilie gar um 61,6 %.
In der Praxis würden die berechneten Zahlen wegen einigen Kinderlosen natürlich geringer ausfallen.

Auf der persönlichen Ebene kann man das auch plastisch abbilden: Ein 75jähriges Ehepaar, welches mit 39 Jahren ein Kind gezeugt hat, hat genau ein 35 jähriges Kind, wenn dieses Kind auch erst mit 39 Jahren an die Vermehrung denkt. Das wars. Das 75jährige Ehepaar allerdings würde bei der Geburtstagsfeier ein 55jähriges Kind bewirten, ein 35 jähriges Enkelkind und einen 15jährigen Urenkel, der langsam ans Schnackseln denkt, wenn es alle 20 Jahre funkt.

Demografisch würde die Einkindehe mit einem Geburtsalter von 20 Jahren dasselbe bringen wie die Zweikindehe mit 40. Warum verschleiern die Lügenpresse und das Zwangsfernsehen diesen Zusammenhang?  Weil es politisch nicht korrekt ist, die Wahrheit zu berichten. Mit der Quoten-Karrierefrau, die mit 35 den Aufsichtsratsposten ergattert, ist eine frühe Geburt angeblich nicht kompatibel. Die Ausbildung darf keinesfalls unterbrochen werden, sonst könnte es ja einen Knick in der Ausbildungs- oder Erwerbsbiografie geben!

Viele Wege führen zum Aufsichtsratsposten. Es ist keineswegs undenkbar, die Ausbildungsphase oder die Berufstätigkeit für drei bis vier Jahre zu unterbrechen, um Mutterfreuden zu genießen. Eine Professorin der Bauhausuniversität hatte während ihres Studiums in den fünfziger Jahren immerhin vier Kinder bekommen. Sie hatte einen Popo, wo Kim Kardashian grün vor Neid geworden wäre. Noch im 18. Jahrhundert war die Verbindung von Beruf und Kinderkriegen geradezu eine Selbstverständlichkeit. Sowohl bei den einfachen Leuten in der Landwirtschaft, wie auch in höchsten Kreisen.

Maria Theresia gebar16 Kinder, wovon bei den damaligen Verhältnissen viele an den Pocken starben und ein Kind von Franzosen ermordet wurde. Eine ihrer Töchter Maria Karolina bekam als Königin beider Sizilien gar 18 Kinder. Die russische Zarin Katharina II hatte drei Kinder. Und nebenbei waren Großreiche zu regieren. Maria Theresia bekam ihr erstes Kind übrigens mit 20 Jahren, Katharina II mit 25. Die Schriftstellerin Madame de Staël wurde mit 23 erstmals Mutter und bekam 5 Kinder. Alles Frauen, die Beruf und Karriere miteinander verbanden.  Und mit der Erstgeburt nicht warteten, bis sie alt wie Methusalem waren.

Nun kann man sich natürlich fragen, warum Katharina II nur drei Kinder bekam. Das lag nicht an ihr. Sie heiratete bereits mit 16 und wurde in der Hochzeitsnacht bitter enttäuscht. Ihr Mann war impotent. Ihr erstes Kind bekam sie erst neun Jahre später von einem Liebhaber. Mit 33 Jahren räumte sie ihren Mann aus dem Weg und es begann eine endlose Geschichte von Liebschaften. Mitte der siebziger Jahre weilte ein Erfurter Vermesser in der Sowjetunion. In einem Museumsfundus wurde ihm ein Gestell gezeigt, auf welchem sich ein Pferd abgestützt haben soll, welches mit der Kaiserin Geschlechtsverkehr hatte. Egal ob das nun der Wahrheit entspricht, oder eine Legende ist. Auch im 18. Jahrhundert gab es richtungs- und folgenlosen Sex.