NGOs machen Forschung platt

Holger Douglas vom DAV – Markt und Freiheit hat einen lesenswerten Eintrag über die Zerstörung eines Spitzenforschungsprojekts im grün-rot-regierten Württemberg gepostet:

Wie wärs mal wieder mit einer ordentlichen Bücherverbrennung? Zum Beispiel in  Tübingen auf dem schönen alten Marktplatz? In der Stadt am Neckar gab es 1933 zwar keine direkte Bücherverbrennung, nicht aber, weil deren Bürger so antinazistisch eingestellt waren, sondern weil sich NS-Größen seinerzeit gegenseitig Machtkämpfe lieferten. Dafür kann jetzt der Kampfbund für Tierschutz in Tübingen Versäumtes nachholen, was damals die deutsche Studentenschaft in ganz Deutschland betrieb. Die schrieb sogar die Zeremonie genau vor. Vielleicht läßt sich noch das eine oder andere verwenden.

Es ging um die »Vernichtung von Geist«, wie das Karola Bloch, die Ehefrau von Ernst Bloch, beschrieb. Genauso geht es heute um die Vernichtung von Geist und Wissen, wenn man sich ansieht, was in Tübingen tobt.

Unter dem Deckmantel des Tierschutzes dringen sogenannte »Aktivisten« in das Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen ein, geben sich als Tierpfleger aus. Dort forscht Professor Nikos Logothetis. Das ist nicht irgendwer, sondern der weltweit führende Forscher auf seinem Gebiet. Sagen jedenfalls andere Fachleute, die es wissen müssen. Er kam 1997 nach Tübingen, nachdem er lange Jahre in Amerika auch am legendären MIT in Boston geforscht hatte, und baute das Max-Planck-Institut mit aus. Heute mit immerhin 1000 Mitarbeitern eines der Leuchtturmprojekte Tübinger Forschung.

Und er hat geschafft, was noch niemandem gelungen ist: Mit unterschiedlichen bildgebenden Verfahren wie Kernspintomographie oder PET Gehirnströme sichtbar zu machen. Das ist schwierig, weil diese Geräte selbst so starke Felder aussenden, daß die sehr schwachen Hirnströme darin untergehen. Logothetis ist das scheinbar Unmögliche dennoch gelungen. Voraussetzung dafür war jahrzehntelange Forschungsarbeit. Er hat Elektroden in die Gehirne von Makaken eingepflanzt und konnte die Ströme im Tomographen bei Reaktionen und Bewegungen der Tiere sichtbar machen. Das sind Momentaufnahmen aus dem wachen Gehirn, aus denen vielleicht weitere Erkenntnisse beispielsweise für Epilepsie folgen könnten, bei der eine Art Gewitter im Gehirn für einen Kollaps des Nervensystems sorgt. Wüßte man nun, wie das geschieht, könnte man beispielsweise Epileptikern besser helfen. Müßig zu betonen, daß es den Affen dabei gut gehen muß, denn nur dann arbeiten sie freiwillig mit.

Derzeit tappen die Neurowissenschaftler im Dunkeln. Das komplizierte Organ Gehirn macht es seiner Erforschung besonders schwer, weil es kaum Methoden zur detaillierten Untersuchung am lebenden Organismus gibt. Erst die technischen Möglichkeiten der modernen Bildgebungsverfahren bringen Bewegung in die Labore. »Neuroimaging« heißt die relativ neue Disziplin mit ihren verschiedenen Varianten, die aber erst beherrscht werden müssen. Die fundamentalen Arbeiten von Prof. Logothetis haben einen wesentlichen Schritt getan; seine Forschung gilt als wegweisend.
Doch bisher messen sie nur Erregungsmuster im Gehirn, Ursache – Wirkungsbeziehungen kann noch niemand herstellen. Das ist sehr schwierige, offene Forschung, bei der das Ergebnis nicht von vornherein feststeht. Nur ohne solche Forschung wird man nie zu einem Ergebnis kommen.

Doch »Tierschutzaktivisten« brauchten Geld und Stern TV einen Aufreger. Ein eingeschleuster »Tierpfleger« machte inkognito Bilder – angeblich von den Affen im Tübinger Labor. Nun sehen Affen mit Elektroden im Kopf naturgemäß nicht appetitlich aus. Doch das Gehirn hat keine Schmerznerven, deshalb tut es den Tieren genausowenig weh wie Parkinson-Patienten, denen eine Elektrode ins Gehirn gepflanzt wird, um mit elektrischen Impulsen einen drohenden Anfall zu dämpfen.

Die Max-Planck-Gesellschaft hat Indizien gefunden, daß die Tiere manipuliert worden sind, um die Bilder schauriger aussehen zu lassen. Dramatisch zeigen die TV-Bilder einen blutverschmierten Affenkopf. Doch das war zum Beispiel nur ein mit Jod-Tinktur befleckter Affenkopf, so die Sprecherin der Max-Planck-Gesellschaft. Sie betont: »Es wäre für die Wissenschaft gar nicht zuträglich, wenn die Situation der Tiere so wäre, wie Soko Tierschutz behauptet, dass sie ist. Denn die Wissenschaft ist darauf angewiesen, dass sich die Tiere in einem gesunden und möglichst einwandfreiem Zustand befinden und dass sie keine Schmerzen haben, also definitiv schmerzfrei sind.«

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