Frauke Petry wird gewinnen

Nun gibt es einen Konsenz der gemäßigten Kräfte in der AfD, eine gemeinsame Liste für den Bundesparteitag in Essen. Eine Weile hat es ausgesehen, als solle die AfD-Führung von einer Horde politischer Neulinge übernommen werden, die in die Auseinandersetzungen der derzeitigen Parteiführung noch nicht involviert waren. Sie wollten Lucke und Petry verhindern. Theoretisch hätte das seinen Reiz gehabt. Praktisch jedoch viele Risiken. Die Vernunft hat gesiegt.

Eine weitere Selbsterfahrungsgruppe in der Führung kann die Partei nämlich nicht brauchen und noch wichtiger: Nur an den Taten kann man Führungsfiguren erkennen und nicht an schönen Worten. Frauke Petry und Alexander Gauland ist es immerhin gelungen, ihre Landtagsfraktionen auf Kurs zu halten und in der Öffentlichkeit eine hinreichende Bekanntheit zu erlangen, ohne allzu extreme Positionen zu vertreten. Naja, über Gaulands Rußlandpolitik kann man sich angesichts des Zustands der Bundeswehr streiten, sie wird von den Medien aber auch überzeichnet.

Eine weitere berechenbare und stabilisierende Konstante ist Beatrix von Storch, die mit ihrer Zivilen Koalition und ihrem Blog Freie Welt eine Eintrittskarte in den Führungskreis abgegeben hat. Sie kann die wichtige Verbindung zu den Europaabgeordneten halten.

Mit Prof. Lothar Meier. Prof. Michael Wüst und Prof. Jörg Meuthen kommt Fachkompetenz auf den Gebieten des Verbraucherschutzes, der Volkswirtschaftslehre und der Finanzwissenschaft ins Team, mit Hans-Thomas Tillschneider fundiertes Wissen zum Islam. Paul Hampel und Julian Flak kommen als Journalisten ins Boot, denn die Selbstdarstellung der Partei verlangt die Begleitung durch Fachleute.

So kandidiert insgesamt eine ausgewogene Mannschaft zum Bundesparteitag in Essen, die erprobt ist und insgesamt die Mitte der Partei repräsentiert.

Selbstverständlich ist die Partei Bernd Lucke für die geleistete Aufbauarbeit Dank schuldig. Seit der Hamburg-Wahl hat er jedoch den innerparteilichen Faden verloren. Deutlich erkennbar ist, daß er mit der Analyse der Bürgerbewegungen überfordert ist, daß insbesondere in Hamburg und Bremen ein Wählerklientel angesprochen wurde, das dann doch FDP gewählt hat. Braucht die AfD wirklich rauschgiftrauchende Hipster als Wähler? Diese Wetterfahnen kann man getrost Christian Lindner überlassen.

Die übereilte Abkanzelung von Tatjana Festerling war so ein Punkt, wo fast niemand die Welt mehr verstanden hat. Die liberal-konservativen und katholisch orientierten Wähler müssen seit Jahren im politisch korrekten Gurkensalat herumwaten, ohne eine Heimat zu haben. 2009 wählten sie in Scharen FDP, um bereits von der Koalitionsverhandlung mit der CDU enttäuscht zu werden. 2013 zur Bundestagswahl und 2014 bei der Europawahl wählten sie erstmals AfD. Man darf sie nicht vor den Kopf stoßen, wenn man nicht als FDP 2.0 scheitern will.

Prof. Lucke rudert auf das bildungsbürgerliche Milieu zu, das er selbst kennt. Es ist jedoch extrem von allen Parteien umkämpft und zu klein, um zwischen vier Bundestagsparteien und ihren Konkurrenten aufgeteilt zu werden. Um das Milieu des arbeitenden Mittelstands, der Facharbeiter, Handwerker, Ingenieure, Verkäuferinnen und der Leute in Polizei und Bundeswehr hat sich dagegen seit Jahrzehnten keine Partei mehr gekümmert. Hier liegt die Zukunft der AfD, wenn sie eine Größe erreichen will, die politisch relevant ist.

Wünschen wir dem Team um Frauke Petry Erfolg!