Die Steuereinnahmen im Juni 2020

Es lohnt sich monatlich einen Blick auf die Steuereinnahmen zu werfen, denn über längere Zeit ausbleibende Staatseinnahmen bedeuten höhere Steuern in der Zukunft. Ein wirklich gutes Beispiel ist die Zeit um 1920. Die Steuern wurden nach dem verlorenen Weltkrieg drastisch angehoben.

Unterm Strich sind die Steuereinnahmen (außer Gemeindesteuern) um 19,0 % gegenüber dem Vorjahrsjuni zurückgegangen, zur Erinnerung: 19,9 % waren sie im Mai gegenüber dem Vorjahrsmai eingebrochen. Der erste Teil der Finanzkrise 2009/2010 verlief weitgehend glimpflicher.

Im Mai war der offizielle Shutdown schon zu Ende, aber bei den Steuereinnahmen setzte er sich im Juni ungebremst fort. An Stromsteuer wurden 3,8 % mehr eingenommen, was mich etwas erstaunt, denn das steht im Widerspruch zu den Stromverbräuchen, wie sie Agora ermittelt hatte. Die Besteuerung von Kraftstoffen sank um 25,8 % gegenüber dem Vorjahrsjuni ( im Mai minus 19,4 %). Wir müssen allerdings davon ausgehen, daß im Juni die Energiesteuern von Mai vereinnahmt wurden.

Die Lohnsteuer sank nur um 7,3 % (im Mai waren es noch 10,3 % gewesen). Nach vorläufigen Hochrechnungen der Bundesagentur für Arbeit (BA) erhielten im April 6,8 Millionen Beschäftigte Kurzarbeitergeld. Laut einer Umfrage des ifo Instituts dürfte die Anzahl der Personen in Kurzarbeit im Mai rund 7,3 Millionen Personen und im Juni rund 6,7 Millionen Personen betragen haben. Diese Werte sagen aber noch nicht alles aus, weil vielfach mehr oder weniger in Teilzeit gearbeitet wird.

Die Umsatzsteuer brach im Juni um 17,9 % ein, im Mai waren es noch 21 %. Die Umsatzsteuer fließt nicht streng periodengerecht zu, sie wird mit ein bis vier Monaten Verspätung abgeführt, je nach Betriebsgöße und ob Dauerfristverlängerung beantragt wurde.

Die Körperschaftssteuer ging um 38,1 % zurück, im Mai bewegte sie sich noch wie schon im April im absolut negativen Bereich. Nicht veranlagte Steuern vom Ertrag sanken um 63,5 % (Mai: 36,5 %). Als Grund benennt das Ministerium verschobene Hauptversammungen und geringere Dividenden. Die veranlagte Einkommenssteuer sank um 13,4 %, sie betrug im Mai noch minus 999 Mio. €, das Rückzahlen von Vorauszahlungen ist offensichtlich beendet.

Die Tabaksteuer stieg um 22,3 % nachdem sie im Mai um 38,9 % kollabiert war. Das Ministerium berichtet von verspäteten Buchungen als Ursache. Die Biersteuer kollabierte um 45,9 %, nachdem es schon im Mai ein minus von 60,6 % gegeben hatte. Die ganzen Sommerfeste mit Bierfässern sind ausgefallen. Ich versuch dagegen anzutrinken, aber ich schaff es nicht.

Keine zeitnahe zentrale Statistik gibt es für Kommunalsteuern wie die Gewerbesteuern.

Meine Prognose: Wir können uns auf etwas bessere Zahlen für Juli und August einstellen. Ab September kommt allerdings die Stunde der Wahrheit, wenn die Insolvenzen angemeldet werden müssen. Das ist wahrscheinlich die zweite Welle, von der immer berichtet wird. Schon jetzt zeichnet sich ab, daß mehr Kredite als üblich nicht pünktlich bedient werden, das betrifft sowohl Unternehmens- wie auch Konsumentenkredite.

Finanzen.ch berichtet: Der Konjunktureinbruch infolge der Corona-Pandemie dürfte die Kreditqualität verschlechtern. Der Anteil fauler Kredite in den Bankbilanzen dürfte bis 2022 bei den meisten europäischen Banken um ein bis drei Prozentpunkte steigen, erwartet Moody’s. Ende Juni galten 8,5 Prozent der Kredite europäischer Banken an kleine und mittlere Unternehmen als ausfallgefährdet, bei Verbraucherdarlehen waren es 5,6 Prozent. Die deutschen Banken seien besonders ertragsschwach, bei der Commerzbank werden dem Vernehmen nach schon wieder 10.000 Bankiers ausgelistet. Auf Daniel Stelters Blog kann man interessantes über die Zombifizierung von immer mehr Unternehmen nachlesen.

 

Grüße an den V-Schutz. Es brennt an allen Ecken und Kanten…