Die Steuern im August 2020

Der Spätsommer 2020 war durch die Umsatzsteuersenkung auf 16 bzw. 5 % wirtschaftlich belebt worden. Käufe von etwas teureren Konsumgütern wurden in den Zeitraum der Steuersenkung verlagert. Außerdem hatten wir Im Juli und August einen Sondereinfluß. Geld, das normalerweise bei Fernreisen im Ausland verpulvert wird, um südliche Ökonomien zu beleben, wurde im Inland verausgabt.

Nehmen wir mal an, daß 20 Mio Leute nicht in den Süden geflogen sind. Und daß jeder Fluggast im Ausland vormals 1.500 € augegeben hat. Dann würde das bedeuten, daß 30 Mrd. € im Inland geblieben sind, bei einer Staatsquote von 50 % wären das 15 Mrd. € Steuern und Abgaben oder auf zwei Monate bezogen 7,5 Mrd. € pro Monat. Kein Pappenstiel, ein Beitrag von etwa 7 bis 8 % auf der Einnahmeseite.

Die Umsatzsteuereinnahmen stiegen im August um 2,5 % auf 21,6 Mrd. €. Das Aufkommen der Binnenumsatzsteuer war in den Vormonaten u. a. durch umfangreiche Stundungen in Verbindung mit der Corona-Pandemie gemindert worden. Da die Stundungen in der Regel für einen Zeitraum von drei Monaten gewährt worden waren, wurden im Berichtsmonat in beträchtlichem Ausmaß gestundete Steuerschulden fällig. Das Volumen der im August gewährten Stundungen lag wesentlich niedriger, sodass sich ein positiver Aufkommenseffekt in Höhe von circa 1,2 Mrd. € ergab. Rechnet man den heraus, sanken die Umsatzsteuern im August um 3,2 %. Das entspricht fast der gewährten Umsatzsteuersenkung.

Stromsteuer und Energiesteuer lagen beide mikroskopisch über dem Vorjahresaufkommen. Die Lohnsteuer sank um 6,6 %, noch im Juli waren es nur 5,5 % gewesen. Ganz langsam lassen die positiven Wirkungen des Kurzarbeitergeldes nach, die Lohnsume ist offensichtlich gesunken.

Die Körperschaftssteuer brachte wie in den Vormonaten nichts. Nicht veranlagte Steuern vom Ertrag (vor allem Dividenden) sanken um fast 18 %.  Die wirtschaftliche Lage infolge der Corona-Pandemie veranlasste verschiedene Unternehmen zur Reduktion der diesjährigen Dividendenzahlungen, so daß insgesamt in diesem Jahr mit einem geringeren Aufkommen als im Vorjahr gerechnet werden muß.

An veranlagter Einkommenssteuer wurde im Saldo nichts eingenommen, es wurden 265 Mio € erstattet.

Die Biersteuer stieg erstmalig seit Monaten gegenüber dem Vorjahr. Es wurde etwas nachgetrunken. Dafür sank das Aufkommen der Tabaksteuer etwas.

Keine zeitnahe zentrale Statistik gibt es für Kommunalsteuern wie die Gewerbesteuern. Die Erbschaftssteuer ist gegenüber dem Vorjahr um über 4 % gesunken, die Grunderwerbsteuer sogar um 12 %.

Meine Prognose vom Juni, daß wir uns auf etwas bessere Zahlen für Juli und August einstellen können, ist eingetroffen. Irgendwann kommt allerdings die Stunde der Wahrheit, wenn die Insolvenzen angemeldet werden müssen. Das wird immer weiter auf St. Nimmerlein herausgeschoben.

Die Steuereinnahmen sind leider kein Weg, um wirklich in Echtzeit die Tiefe der Krise zu sondieren. Aber einige Einblicke ins Getriebe der Wirtschaft kann man bei richtiger Interpretation schon gewinnen. Die Lohnsteuer, die Einkommenssteuer, die Gewerbesteuern und die Körperschaftssteuer zeigen: Es läuft nicht rund, es wird kein V. Daß die Steuern im Moment moderat einbrachen hat damit zu tun, daß Milliarden gedrucktes Geld in Umlauf gebracht wurden. Gemessen an den Aufwändungen ist der Effekt enttäuschend. Der Wirkungsgrad von Konjunkturprogrammen wird immer geringer.

 

Grüße an den V-Schutz. Es nimmt der Augenblick, was Jahre geben. (Geheimer Rath Joh. Wolfgang v. Goethe)