Gastbeitrag: Wirklich Neues von der Corona-Front

Kanadisch-chinesische Wissenschaftler haben das alte Bayer-Präparat Suramin, den Wirkstoff aus der kleinen Braunelle, gegen das Virus SARS-CoV-2 mit Erfolg im Labor angewendet

Das wäre, wenn es so wäre, wirklich mal eine Sensation an der Corona-Front, nämlich die Entdeckung eines Vorbeuge- und Heilmittels gegen das SARS-CoV2. Ich notiere am 2. September 2020 in mein Tagebuch:

Die beste Meldung stammt aus der Sciencefile-Plattform von vor 4 Tagen. [N.N.: Prunella vulgaris und Suramin blocken SARS-CoV-2, Sciensfiles vom 29.8.2020, https://sciencefiles.org/2020/08/29/prunella-vulgaris-und-suramin-blocken-sars-cov-2/]. Da wird über die Forschungsergebnisse an der kanadischen Universität von Manitoba berichtet. Drei oder vier Chinesen haben dort etwas geschafft, was möglicherweise der Durchbruch in diesem ganzen Corona-Durcheinander sein könnte. Sie haben ein altes Mittel gegen die Schlafkrankheit, das 1916 von der Firma Bayer entwickelt und ausprobiert worden war, nunmehr mit dem SARS-CoV-2-Virus kombiniert (wenn man das mal laienhaft so sagen darf).

Dieses Mittel zerstört nicht nur die Ankoppelung des Virus an die menschliche Zelle, sondern lässt auch deren Ankoppelung prophylaktisch gar nicht zu. Falls das stimmt, wäre das perfekte Medikament für die Vorbeugung und zum Heilen gefunden. Das wäre ein schier unglaublicher Durchbruch. Der einzige Nachteil wäre, das die Pharmas hier nichts mehr zu erfinden, sondern nur noch abzukupfern hätten, was ihnen kaum in den Kram passen dürfte. Vielleicht auch deswegen das Schweigen im Blätterwald, der sich ja sonst in Sachen Covid-19 zu überschlagen pflegt, falls Bill Gates und Konsorten auch nur einen Furz rauslassen, wenn dieser nach Impfstoff riecht.

Es wird mir wohl nichts übrig bleiben, als rund um die Wunderpflanze und die daraus entwickelten Mittel, vor allem aber auch über die Schlafkrankheit ein wenig Forschung zu betreiben. Wozu hat man Pharmazeuten im Freundeskreis.

Die Wunderpflanze heißt Prunella vulgaris (kleine Braunelle). Die Chemikalie, die bei Bayer entwickelt wurde, heißt Suramin, eines der daraus entwickelten Medikamente heißt Germanin bzw. Germanine. Auch die Forscher, von denen das stammt, verdienen sicher einen Seitenblick.

Am 3. September 2020 ergänze ich die Eintragung vom Vortage:
Auf dem Schreibtisch stapeln sich die Nachschlagwerke von Brockhaus und Pschyrembel. weil ich [gestern Nacht] in einem plötzlichen Anfall von Wissbegierde der Heilpflanze Braunelle und dem daraus entwickelten synthetischen Heilmittel Suramin nachgegangen bin. Es waren in der Tat Forscher der Firma Bayer, die das 1916 entwickelten. Bleibt zu erwähnen, dass die Forscher um den wirtschaftlichen Erfolg dieser Erfindung betrogen wurden, denn die Siegermächte des Ersten Weltkriegs ermächtigten sich selbst, sich die deutschen Patente anzueignen und entschädigungslos zu verwenden.

Nun ja, den Krieg von 1914/18 haben wir gründlich verloren. Wie man hernach noch mal auf die Beine kommen konnte, bleibt rätselhaft. Die diversen Wirtschaftshistoriker haben, so wie es ihnen gemäß ist, die allertollsten Rechenkunststücke präsentiert. Zum Teil sind sie zu dem Ergebnis gekommen, dass die 1930er nur eine Scheinblüte waren. Und Blabla. Das Offensichtliche zu sehen, macht mitunter Mühe.

Für mich verdankt sich dieser verblüffende Wiederaufstieg einer deutschen Substanz. Man kann das auch als Volksseele bezeichnen. Sie war durch die Niederlage schwer beschädigt worden. Aber die Leute, die den Aufstieg des kaiserlichen Deutschlands bewirkt hatten, waren einfach noch da, trotz des enormen Aderlasses an jungen Männern, die im Krieg getötet oder unrettbar verwundet worden waren. Auch die Zahl der psychisch Gestörten muss immens gewesen sein. Ich weiß nicht, ob die Gesellschaft damals eine gewisse Rücksichtslosigkeit gegen diese Kriegskrüppel an den Tag gelegt hat, aber ich nehme es an.

Es wäre unerbaulich, wenn diese Rücksichtslosigkeit der eigentliche Antrieb des Wiederaufbaus aus der Hoffnungslosigkeit gewesen wäre. Eine solche Grundströmung, sollte sie damals tatsächlich vorgeherrscht haben, würde dem heute zur Staatsdoktrin erhobenen Helfersyndrom diametral widersprechen.

Beginnen wir von vorne, soweit man das Vorne hier überhaupt festlegen kann. Die Braunelle (Prunella vulgaris) ist seit Langem in Europa als Heilpflanze bekannt. Das unscheinbare Kraut enthält in seinen Blättern ätherische Öle, die für mancherlei Krankheiten als Gegenmittel angewendet wurden. Das Heilpflanzen-Lexikon beschreibt sie so:

Sie wächst auf feuchten Wiesen bis in die Höhe von 2000 Meter, ist also auch im Mittelgebirge häufig anzutreffen. Da die Braunelle aber so klein ist, sie wird gerade einmal zwanzig Zentimeter hoch, muss man genau hinschauen, um sie zu entdecken. Dank ihrer ätherischen Öle und Gerbstoffe kann sie sowohl gegen Atemwegserkrankungen und Probleme der Verdauungsorgane helfen. Früher wurde sie vor allem gegen Diphterie eingesetzt. [https://heilkraeuter.de/lexikon/braunelle.htm (Abruf: 5.9.2020)].

Klein aber oho: Die Braunelle ist eine kleine, in Europa weit verbreitete Wiesen-Pflanze, die seit langem als Heilpflanze in Gebrauch ist. Die in den meisten Büchern vorkommenden Abbildungen sind insofern missverständlich, weil es nicht die Blüte, sondern die die Blätter dieser Pflanze sind, welche die ätherischen Öle enthalten.

Diphterie, das ist eine Infektionskrankheit, die durch ein spezielles Bakterium, das Corynebacterium diphteriae verursacht und durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion übertragen wird [Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch, S. 403 f.]. Heute ist die Krankheit in Mitteleuropa weitgehend ausgerottet. Penicillin und Impfungen haben dafür gesorgt.

Beim Thema Diphterie werde ich stets hellhörig, weil ich genötigt war, eine einschlägige Infektion als Säugling zu überstehen. Am Penicillin kann’s nicht gelegen haben, denn das war zwar längst erfunden und wurde seit einem Jahrzehnt klinisch angewendet [vgl. Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch, Stichwort Penicilline, S. 1385], aber im kriegsvernichteten Deutschland war es nicht zu haben, jedenfalls für meine bettelarmen Eltern nicht. Was man mir stattdessen verabreichte? Ich weiß es nicht. Falls dies Prunella vulgaris gewesen sein sollte, empfände ich das noch heute als sensationell.

Ebenso unbekannt ist mir, was eigentlich die Forscher von Bayer mitten im Ersten Weltkrieg suchten, als sie die Wirkstoffe der Prunella im Zentrallabor der Firma in Elberfeld (heute ein Stadtteil von Wuppertal) analysierten und künstlich nachahmten. Nur das Ergebnis ist bekannt. Der Stoff hieß Bayer Nr. 205 oder Suramin. Das Medikament, das daraus kreiert wurde, nannte man dann später bei Bayer Germanin. Es wurde sehr schnell das Mittel der Wahl bei der Schlafkrankheit. Diese im tropischen Afrika verbreitete Infektionskrankheit, endete in aller Regel tödlich und war für die Kranken mit schrecklichen Leiden verbunden. Übertragen wurde die Krankheit durch den Stich der Tsetse-Fliege.

Sobald man das erkannt hatte, versuchte die einheimische Bevölkerung der Stechfliegen-Plage durch Abbrennen ihrer Brutplätze Herr zu werden. Ohne Erfolg. Heute setzt man Insektizide ein. Damals zu Beginn des 20. Jahrhunderts war von alledem keine Rede. Der Erfolg der Bayer-Chemiker kann deswegen kaum überschätzt werden. Was sie schufen, war der Durchbruch im Kampf mit einer Geisel der afrikanischen Bevölkerung. Ich erwähne dies hier, weil es unter Zeitgenossen üblich geworden ist, von deutscher Kolonialschuld zu schwatzen. Es waren drei weiße deutsche Männer, die Afrika von der Schlafkrankheit befreiten. Ihre Namen verdienen festgehalten zu werden: Oskar Dressel, Richard Kothe und Bernhard Heymann. Was sie, ohne es zu ahnen, zudem schufen, muss nunmehr besprochen werden.

Die Befreiung Afrikas von der Schlafkrankheit: Das Bayer-Medikament 205 in einer der damals üblichen Fotomontagen aus den 1930er Jahren (Bild: Arch. d. Verf.).

An der Universität des kanadischen Bundesstaats Manitoba haben offensichtlich mehrere chinesische oder chinesisch-stämmige Wissenschaftler mit der Wirkung von gängigen Medikamenten, die bei Infektionskrankheiten mit Erfolg verwendet werden, experimentiert. Natürlich war mir diese Universität noch nie über den Weg gelaufen. Sie befindet sich, auf mehrere Liegenschaften verteilt, in der Hauptstadt Winnipeg. Diese liegt rund 100 km nördlich zur Staatsgrenze der USA ziemlich genau in der Mitte der Ost-West-Ausdehnung von Kanada an der Nationalstraße 1.

Bereits die Startseite der Universität enthält einen speziellen Button für Covid-19 [http://umanitoba.ca/coronavirus (Abruf: 4.9.2020)]. Doch die Enttäuschung könnte kaum größer sein, denn hier ist nichts von den sensationellen Forschungen in Sachen der Infektionskrankheit zu lesen, sondern der übliche administrative Unfug über das Abstandhalten, das obligatorische Maskentragen und Vorlesungsausfälle. Auch in den übrigen Selbstdarstellungen der Universität habe ich nichts gefunden (Stand: 5. September 2020), was zu einem Aha Anlass geben könnte. Stattdessen der übliche politisch korrekte Schwachsinn über Gleichheit und Anti-Rassismus. Zu dessen Illustration ist ein Bild beigegeben, das – ungewollt witzig – drei verschiedenfarbige Hände zeigt, die aufeinanderliegen. Weiß, braun und bronzefarben, also Indianer, die jetzt anders heißen, und denen ein besonderer Forschungszweig der Universität gewidmet ist. Leute, möchte man rufen, wo sind denn die Chinesen abgeblieben? Hiernach zu fragen, ist, so finde ich, aller Anlass.

Es ist auffällig, wie viel naturwissenschaftliche Veröffentlichungen in den letzten Jahren chinesische Namen tragen. Dabei ist es keineswegs so, dass die einschlägigen Aufsätze alle aus China und den dortigen Forschungseinrichtungen stammen, sondern, wenn mich der Eindruck nicht täuscht, gilt dieser chinesische Vormarsch in den Naturwissenschaften auch in den Forschungseinrichtungen der westlichen Welt. Hierfür eine Erklärung zu benennen, durchstößt das politisch korrekte Korsett gleich mehrfach. Da ich mich hierdurch nicht eingeschnürt fühle, sei mein Lösungsansatz dieses Phänomens genannt: Die Chinesen bzw. Chinesisch-Stämmigen an den westlichen Bildungseinrichtungen sind intelligenter als ihre Konkurrenten, und sie sind fleißiger. Und schließlich – besonders unkorrekt – sie haben die Angewohnheit, sich den übrigen Ethnien bei deren Aktivitäten nicht anzuschließen, sondern sie bleiben lieber unter sich. Das Forscherteam an der Universität von Manitoba, um dessen Leistungen es hier geht, scheint für diese Annahmen das perfekte Beispiel zu sein. Zufall oder nicht, noch etwas anderes sagt man der chinesischen Mentalität nach. Die Chinesen sähen keine Unredlichkeit darin, etwas perfekt zu kopieren und sodann zum eigenen Nutzen zu verwenden. Auch hierfür ließ sich der zu besprechende Forschungserfolg als Beispielsfall heranziehen. Es ist das Durchdeklinieren von sattsam bekannten Medikamenten in einer neuen Umgebung.

PC ist wichtiger als Forschungsdurchbruch bei der Seuchenbekämpfung: Offizielle Web-Seite der Universität von Manitoba, wo vermutlich soeben das Mittel gegen SARS-CoV-2 entdeckt wurde.

Was taten nun Zhujun Ao & Co im Einzelnen? Sie stellten künstliche Zellen her, infizierten die mit SARS-CoV-2-Viren und beobachteten, was sich tat, wenn man den Vorgang mit dem pflanzlichen Wirkstoff aus der Braunelle bzw. mit Suramin, also dem synthetischen Wirkstoff kombinierte. Das Ergebnis war offenbar in vierfacher Weise bemerkenswert: Beide Wirkstoffe konnten die Infektion beenden, und beide Wirkstoffe konnten, wenn man sie den Zellen vorab zufügte, diese gegen die Infektion schützen.

Was jetzt aussteht, ist offenbar die Anwendung dieser Versuche auf den menschlichen Körper. Wenn dieser genau so reagiert, wie die Zelle im Reagenzglas, dann wäre das Mittel gegen Covid-19 gefunden. Und nicht nur das, es wäre schon da, weil es nicht erst noch erfunden werden muss. Alles unter der Voraussetzung, dass das Forscherteam uns keinen Bären aufgebunden hat. Stimmt es hingegen, was sie beschrieben haben, frage ich mich, warum offenbar nur ich dies als eine Sensation empfindet.

Ganz nebenbei stelle ich mir folgende Frage: Wo ist die Trennlinie zwischen Naturheilmitteln und ihren synthetischen Surrogaten? Oder anders gefragt: Wie schlau waren unsere mittelalterlichen Kräuterweiblein, bevor die Kleriker diese Frauen zu Beginn der Neuzeit als Hexen auf den Scheiterhaufen stellten?

 

©Helmut Roewer, September 2020