Die Arbeitslosigkeit im Oktober 2020

Die Wirtschaftstätigkeit hat sich seit April deutlich belebt, was bei den Arbeitslosenzahlen selbst kaum Auswirkungen hat. Lediglich die Zahl der Kurzarbeiter geht deutlich zurück. Der Arbeitsmarkt wurde mit dem Kurzarbeitergeld in Aspik gelegt. Das dämpfte den Absturz, aber natürlich auch die Erholung.

Im April war die Zahl der Arbeitslosen um 415.000 im Vergleich zum Vorjahresapril auf 2,64 Mio gestiegen. Im Juli erreichte sie 2,91 Mio., 635.000 mehr als im Vorjahresjuli. Jetzt liegen die Zahlen für Oktober vor: 2,76 Mio, 556.000 mehr als im Vorjahresoktober.

Die Unterbeschäftigung war im April um 184.000 auf 3,47 Mio. gestiegen, im Juli wurde die Unterbeschäftigung für 3,66 Mio. Leute gezählt, 465.000 mehr als im Vorjahr. Im Oktober betrug sie 3,55 Mio., 420.000 mehr als im Vorjahr.

In der Unterbeschäftigung werden zusätzlich zu den registrierten Arbeitslosen auch die Personen erfasst, die nicht als arbeitslos im Sinne des Sozialgesetzbuches (SGB) gelten, weil sie Teilnehmer an einer Maßnahme der Arbeitsförderung oder kurzfristig erkrankt sind. Die von der Agentur Betreuten haben sich in Jahresfrist also um 976.000 Betroffene auf 6,31 Mio vermehrt.

Es wurden im April für 6,01 Mio Beschäftigte Kurzarbeitergeld bezahlt, im Mai für 5,92 Mio, im Juni für 4,63 Mio und im Juli für 3,32 Mio. Für Oktober liegen noch keine offiziellen Zahlen vor, es werden 2,58 Mio. Kurzarbeiter geschätzt. Wenn man mit der Lehman-Krise 2008/2009 vergleicht, so ist die Auswirkung auf die Arbeitsgelegenheiten in 2020 wesentlich erheblicher. Damals waren in der Spitze nur 1,44 Mio. in Kurzarbeit.

Inzwischen gibt es auch Zahlen für den durchschnittlichen Arbeitsausfall der Kurzarbeiter: Er belief sich im April auf 48 %, im Juli und August auf 36 %. Für September und Oktober liegen noch keine Zahlen vor.

Nicht saisonbereinigt belief sich der Bestand an offenen Arbeitsstellen im Oktober auf 602.000. Das waren 162.000 oder 21 Prozent weniger als vor einem Jahr. Man muß allerdings wissen, daß wegen der Diskriminierungsgesetze nur ein Teil der offenen Stellen gemeldet werden.

Wenn man die Zahlenwerke detailliert studiert, ist in den vergangenen Monaten die Zahl der Beschäftigten in produzierenden Bereichen deutlich gesunken, demgegenüber steht ein Aufbau im Dienstleistungsbereich. Im August waren gegenüüber dem Vorjahr in der Metall-, Elektro- und Stahlindustrie 149.000 Arbeitsplätze verlorengegangen, noch einmal 106.000 bei der Arbeitnehmerüberlassung, dem gegenüber standen 187.000 geschaffene Arbeitsplätze im Gesundheitswesen, im Sozial- und Bildungsbereich sowie im Öffentlichen Dienst. Das ist insofern fragwürdig, weil die Steuereinnahmen gerade kollabieren.

Solange die Schonfrist für die Insolvenzanmeldungen aufrecht erhalten wird, gibt es zahlreiche verdeckte Risiken für die Arbeitsverwaltung. Insofern sind alle Statistiken mit Vorbehalt zu genießen. Genaues wird der verwunderte Leser wahrscheinlich erst nach der nächsten Bundestagswahl sehen.

Ein weiteres Risiko ist gestern von der Pechmarie aus dem Kanzleramt in die Welt gebracht worden. Im November geht schon wieder eine sechs- oder siebenstellige Zahl von Köchen, Kellnern, Zimmermädchen, Prostituierten und Nailpimpern in Kurzarbeit, ein erheblicher Anteil wohl in Kurzarbeit Null.

Was in diesem Kontinuum von Heimarbeitsplatz und Homelangeweile auffällt: Im September ist die Biersteuer gegenüber dem Vorjahr um 38 % gestiegen, die Alkoholsteuer um 8,2 % und die Tabaksteuer um 12,2 %. Wilhelm Busch dazu: Es ist ein Brauch von alters her: Wer Sorgen hat, hat auch Likör!

 

Grüße an den V-Schutz. Die fetten Jahre sind zu Ende, nach Kanzler Merkel kommt die Wende.