Die Steuereinnahmen im September 2020

Nur zur Erinnerung: Seit dem ersten Juli 2020 war die Umsatzsteuer auf 16 bzw. 5 % gesenkt worden, um den Konsum anzuregen. Im September 2020 wurden 200 € Kinderbonus ausgezahlt. Es wurde im Gegensatz zu 2019 im Juli und August nur wenig Geld im Ausland ausgegeben, was teilweise dem Binnenkonsum zugute kam. Das sind im wesentlichen die Sondereinflüsse die die Septemberzahlen beeinflussen.

Nehmen wir mal an, daß 20 Mio Leute nicht in den Süden geflogen sind. Und daß jeder Fluggast im Ausland vormals 1.500 € augegeben hat. Dann würde das bedeuten, daß im Jui und August 30 Mrd. € im Inland geblieben sind, daraus wären 16 % = 4,8 Mrd. Umsatzsteuer generiert worden. Schauen wir mal, wie sich das abbildet.

Die Steuereinnahmen insgesamt (ohne Gemeindesteuern) sanken im September 2020 um 12,8 Prozent gegenüber dem September 2019.

Das Lohnsteueraufkommen war im Berichtsmonat deutlich rückläufig. Dabei verringerte sich das Bruttoaufkommen der Lohnsteuer im September 2020 um 2,8 Prozent gegenüber dem September 2019, was im Wesentlichen aus der von den Unternehmen auch weiterhin in Anspruch genommenen Kurzarbeit resultierte.

Das Aufkommen der Umsatzsteuern verzeichnete im September 2020 einen Rückgang von 12,8 Prozent gegenüber dem September 2019. Das Aufkommen aus der Binnenumsatzsteuer verringerte sich um 8,8 Prozent, die Einnahmen aus der Einfuhrumsatzsteuer sanken um 26,3 Prozent gegenüber dem September 2019. Im September 2020 wurden erstmals die Auswirkungen der Umsatzsteuersatzsenkung ab dem 1. Juli im Aufkommen sichtbar. Die Senkung der Ust. von 19 auf 16 % verursacht einen Rückgang von (1-16/19) x 100 = 15,8 %, die von 7 auf 5 % einen von (1-5/7) x 100 = 28,6 %. Wir können also davon ausgehen, daß durch die Umsatzsteuersenkung und den weitgehenden Wegfall der Auslandsausgaben ein Anstieg des Binnenkonsums erfolgt ist. Wieviel davon der Umsatzsteuersenkung geschuldet ist, wieviel von der Umlenkung von Auslands- auf Inlandskonsum läßt sich nicht abgrenzen.

Nur zur Erinnerung: Das deutsche Gastgewerbe hatte im Juli/August einen Rückgang von über 20 % gegenüber dem Vorjahr erwirtschaftet, die gewerbliche Wirtschaft von etwa 10 %. Gute Frage, wo die Güter für den Mehrkonsum produziert wurden. In der Landwirtschaft? Waren das Lagerbestände, die verkauft wurden? Ausländische Ware war es vermutlich auch nicht, weil die Einfuhren stark gesunken waren. Es gibt viele mögliche Gründe, auf den ersten Blick passen die Zahlen allerdings nicht zusammen.

Im September (ein Monat in dem vierteljährliche Vorauszahlungen abkassiert werden) verringerte sich das Körperschaftsteueraufkommen brutto um 25,6 Prozent gegenüber dem September 2019. Hier wirken sich die Herabsetzungen der Vorauszahlungen im Rahmen der steuerlichen Maßnahmen zur Abmilderung der Corona-Effekte aufkommensmindernd aus.

Im Vorauszahlungsmonat September lag das Aufkommen aus veranlagter Einkommensteuer brutto um 6,4 Prozent unter dem Betrag des Vorjahresmonats. Auch hier wirken sich die beantragten und genehmigten Herabsetzungen der Vorauszahlungen negativ auf das Steueraufkommen aus.

Im September 2020 lag das Bruttoaufkommen der nicht veranlagten Steuern vom Ertrag (vor allem Dividenden) um 6,3 Prozent unter der Vorjahresbasis.

Ein höheres Steueraufkommen gegenüber dem September 2019 war bei der Tabaksteuer (+12,2 Prozent), der Versicherungsteuer (+4,4 Prozent) sowie der Kraftfahrzeugsteuer (+12,1 Prozent) zu beobachten. Rückgänge zeigten die Energiesteuer (4,7 Prozent) sowie die Stromsteuer (16,2 Prozent). Infolge des Lockdowns kam der weltweite Luftverkehr nahezu zum Erliegen. Dies sowie Steuerstundungen waren Gründe für den Einbruch der Luftverkehrsteuer um 79,7 Prozent gegenüber September 2019.

Keine zeitnahe zentrale Statistik gibt es für Kommunalsteuern wie die Gewerbesteuern. Die Erbschaftssteuer ist gegenüber dem Vorjahr um 53,3 % gestiegen, die Grunderwerbsteuer um 2,3 % gesunken.

Irgendwann kommt in der Krise die Stunde der Wahrheit, wenn die Insolvenzen angemeldet werden müssen, wenn die Umsatzsteuer wieder erhöht wird, die neue Luftsteuer ab Januar greift. Das was jetzt bei niedrigen Umsatzsteuern konsumtechnisch hochgezaubert wird, wird im neuen Jahr 2021 dann nachgehungert. Einen entsprechenden Effekt haben wir 2010 nach Auslaufen der Abwrackprämie gesehen: Im ersten Halbjahr 2010 gingen die Neuzulassungen deutscher Marken gegenüber dem Vorjahr um 28 % zurück.

Die Steuereinnahmen sind leider kein gerader Weg, um wirklich in Echtzeit die Tiefe der Krise zu sondieren. Aber einige Einblicke ins Getriebe der Wirtschaft kann man bei richtiger Interpretation schon gewinnen. Die Lohnsteuer, die Einkommenssteuer, die Energiesteuern und die Körperschaftssteuer zeigen: Es läuft nicht rund, es wird kein V. Daß die Steuern im Moment moderat einbrachen hat damit zu tun, daß Milliarden gedrucktes Geld in Umlauf gebracht werden. Kurzarbeitergeld, Kinderbonus, Überbrückungskredite, Beihilfen. Gemessen an den Aufwändungen ist der Effekt enttäuschend. Man hat, wenn man Geld unüberlegt in die Zirkulation wirft, immer Streuverluste. Zum Beispiel wird ein Teil des Kinderbonusses ins Ausland überwiesen, es werden ausländische Waren gekauft usw. Konjunkturprogramme wirken immer so, als wenn man die Suppe nicht mit einer Kelle, sondern mit einem Sieb auftut.

 

Grüße an den V-Schutz. „Das Beste in der Welt ist ohne Dank; Gesunder Mensch ohne Geld ist halb krank.“ (Geheimrath v. Goethe)