Die leeren Kaufhallen in Nordirland

Die Systempresse zeigte ein halbleeres Kaufhallenregal in Nordirland. Schuld sei der Brexit. Ich gehe mal darüber hinweg, was die deutschen Tintenkleckser von 1900 bis 1945 alles Freundliches über Engelland berichtet haben, welche Mängel des perfiden Albion alle aufgedeckt worden sind, auch die Bülow-Affäre von 1907 klammern wir mal aus, es gibt in der deutschen Berichterstattung eben bestimmte selbstverliebte Traditionen.

Zum einen ist die Lage in Nordirland natürlich eine Folge des Handelsabkommens zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich. Nordirland gehört zollrechtlich zu Irland, und nicht zum UK. Das ist auf Drängen der EU so geregelt worden, und nicht auf Wunsch des Königreichs.

Das im Austrittsabkommens festgeschriebene Nordirland-Protokoll legt fest, dass Nordirland Teil des britischen Zollgebiets bleibt, aber alle relevanten Binnenmarktregeln der EU in Nordirland Anwendung finden sowie der EU-Zollkodex angewandt wird. Dies bedeutet, dass Nordirland zwar zum Zollgebiet GBRs gehört, aber zollrechtlich so behandelt wird, als ob es zum Zollgebiet der Union gehören würde. Sollte also in nordirischen Kaufhallen etwas fehlen, so muß sich vdL kümmern, nicht Boris.

Zum zweiten sieht das Regal in Belfast deutlich besser aus, als ein solches in Rumänien in den 80ern. Da standen an guten Tagen ein paar Essigflaschen rum. Außer schönen Verkäuferinnen gab es in der Regel nix. Das wurde aber nicht abfotografiert und kam nicht in die Westpresse, weil es die sozialistischen Obsessionen der Redakteure ruiniert hätte. Auch Regale in der DDR waren nicht immer prall gefüllt. Heute morgen um sieben war ich in der Kaufhalle. Dort gab es einige Versorgungslücken, einfach weil montags um diese nachtschlafende Zeit noch nicht alles hergestellt, eingeräumt  und geliefert ist. Unmögliches wird im Handel sofort erledigt, Wunder dauern etwas länger.

Drittens kann man selbst was gegen Engpässe tun. Zu DDRs Zeiten hat man sich manchmal ein bißchen selbst um die Versorgung gekümmert, wenn die Partei und der Staat nicht nachkamen. Ich hatte mir damals Beete angelegt und die wichtigsten Grundnahrungsmittel selbst erzeugt: Kartoffeln, Tomaten, Bohnen, Erdbeeren, Stachelbeeren, Rettiche, Spinat, also alles was auf 320 m über NN und einer Ackerwertzahl von 28 noch gedeiht. Außerdem gab es immer genug Äpfel, Birnen, Pflaumen und Kirschen. Hunger muß auch in Nordirland niemand leiden, wenn er keine linken Hände hat und mäßig fleißig ist.

Viele Zeitungsschreiber haben von praktischen Sachen keine Ahnung. Ich kann mir beispielsweise Ronja von Rönne nicht als Landwirt oder Gärtnerin vorstellen. Sie kriegt ja schon Pickel, wenn sie den Berliner S-Bahn-Ring überschreitet. Dabei wäre sie so süß, wenn sie auf einem Schlepper mit der Anhängevorrichtung Kat. 3 hocken würde…

 

Grüße an den V-Schutz: „Weit und schön ist die Welt, doch o wie dank ich dem Himmel, dass ein Gärtchen, beschränkt, zierlich, mein eigen gehört.“ (Geh. Rath v. Goethe)