Polizistenaufzucht in Bodos Zwinger

Uns als Narren wird Angst und Bange um das Wohlergehen unserer Polizisten, wenn wir uns vorstellen, daß sie nach dem Auszug aus der Wache durch ein zwar gut gemeintes, doch völlig überzogenes Vollprogramm an täglichen Aktionen gezogen werden. Wesensfeste Vorgesetzte vorausgesetzt, ist es vor allem das Urvertrauen, Ruhe und die gute Bindung an die Narren, die sie bezahlen. Polizist und Narr müssen sich in Ruhe und ungestört kennen und lesen lernen dürfen! Das erreicht man jedoch nicht von heute auf morgen, sondern hängt von einer guten, entspannten Bindungsarbeit ab.

Prägung soll dem Polizisten das Handwerkszeug für sein späteres Leben geben. Die Erfahrungen in der frühesten Ausbildungsphase sollen den Neulingen helfen später möglichst stress- und angstfrei durch Einsätze zu gehen.
 Doch bei immer mehr Ministerpräsidenten scheint das Thema Prägung Amok zu laufen und sie haben immer abstrusere Ideen, was zu einer „guten Prägung“ gehört.
 Prägung auf fremde Tiere aller Größen und Körperformen, vom Pandabären bis zum Pferd, verschiedene Menschen vom Säugling über den Rollstuhlfahrer bis zum Mann in Verkleidung, verschiedenste Fahrzeuge, das Erleben von „Alltagssituationen“ von Einsätzen im Regen, über die Fahrt zum Feierabendfrisör bis zum Besuch eines Volksfestes ….

Immer mehr Innenminister springen leider auf den „mehr ist immer besser“ Zug auf und überfluten ihre Jungpolizisten von dem Tag, an dem sie die Ausbildung beginnen, mit Reizen, Eindrücken und Aufgaben, um sie möglichst „wesensfest“ zu machen und gut vorzubereiten.
 Die Azubis werden nach Stundenplan durch die Erfahrungen gehetzt und weil man ja etwas Besonderes und Tolles haben/machen will, setzt man noch einen drauf, um aus der Masse hervorzustechen und fährt dann schon mal mit der versammelten Mannschaft zu einem Lichtmeßumzug, um unter Beweis zu stellen, daß man ganz besondere Leute hat und alles für diese tut.
 Dort sehen sie Pferde, einen Panda, einen Bären und ein Huhn. Viele Journalisten klatschen Applaus, überschlagen sich vor Begeisterung und loben das Engagement von Bodo, während die anderen entsetzt daneben stehen und sich nur die Hand vor die Stirn schlagen können.

Bei normalen Polizisten reicht es vollkommen aus, daß sie in Familie, Wache und Schießbahn aufwachsen, damit sie zu psychisch gesunden und stabilen Beamten heranwachsen.

Man kann nur beten und hoffen, dass der Aktionismus rund um das Thema Prägung schnell wieder abebbt und sich Ministerpräsidenten, wie Innenminister wieder mehr auf die Basiswerte in der Aufzucht besinnen und die Polizeianwärter nicht durch eine Prägehölle mit hundert Tieren und Narren schleifen, im guten Glauben, dass der Dauerstress irgendeinen Nutzen bringen wird.

 

Grüße an den V-Schutz: Der Text basiert auf einem Eintrag von Garcia Cardassia Blog „Barks ’n Books“, April 2019