Meine Grußworte auf Parteitagen

Zur Aufbesserung meiner Rente könnte ich mir vorstellen als Schriftsteller über Parteitage zu tingeln und empörende Grußworte zu halten.  Einen Hang zum Eskapismus habe ich allemal und in Fettnäpfchen trete ich, daß es patscht. Hier ein paar Skizzen:

Auf dem nächsten Grünenparteitag könnte ich die Gefährdung der Wölfe durch randalierende Ziegen beklagen. Darüber jammern wie rasende Schafsböck*innen kleine Wolfswepi*ninnen mit ihren Hörnern zerfetzen mit allen brutalen Details, die ich hier nicht ausbreite, um die gestressten Nerven meiner schönen tierliebenden Leserinnen nicht zu strapazieren. Daß die Partei Schutzzäune für die bedrohte Wolfskreatur fördern muß, daß zusätzliche Stellen in Ministerien für den Welpischutz geschaffen werden müssen, die Tierärzte ohne Grenzen Rettungsviehtransporter für die Wolfsflüchtlingsrettung gefördert bekommen müssen und ähnliche wertvolle Anregungen, einschließlich Zwangsverteilung der vor den Ziegen geretteten Tiere nach Polen und Ungarn.

Bei CDU-Parteitagen könnte ich einen Vortrag über die bedrohte katholische Kirche im Spanien des 17. Jahrhunderts halten, wie die letzten frommen Bischöfe von menschenverachtenden islamophoben und rassistischen Alternativen auf den Rosten der Ewiggestrigkeit gegart wurden und dann verzehrt. Bei der Linken wäre ein investigativer Bericht über die geheimen Klöster in der hintersten Taiga und Tundra fällig, in denen reaktionäre orthodoxe Mönche in den 30er Jahren Millionen gute Kommunisten zu Oblaten verarbeitet haben und ihr proletarisches Blut zu Meßwein. Bei der FDP wäre ein Vortrag über geheime LMA-Medikamente fällig, die in Laboren im Kellergeschoß des Kanzleramts erzeugt werden und mit denen die Freiberufler für das Abschwören von Daimler und BMW sturmreif gemacht werden sollen.

Auf dem nächsten NPD-Parteitag würde ich Ausführungen machen, wie sich der Führer durch das Verzehren von fleischlosen Gemüsesuppen für den Klimaschutz eingesetzt hat und wie die Alliierten – CO2-schädlich wie sie nun einmal waren – die fleischfressenden Christdemokraten und Stalinisten in die menschengemachten Positionen der Ohnmacht gehievt hatten. Auf dem SPD-Parteitag könnte ich darüber räsonieren, unter welch kriminellem Druck der Partei ihr völlig unbedeutender Medienbesitz abhanden gekommen ist und wie raffinert sich die Grünen das Reaktionsnetzwerk Deutschland und die Faktenerfinder unter den Nagel gerissen haben.

Zugegeben, man muß schon ganz tief in die literarische Schatzkiste greifen, um Frau Emcke zu toppen, aber  vielleicht haben die Leser noch ein paar gute Ideen?

 

Grüße an den Inlandsgeheimdienst: „…vermutlich werden es dann nicht die Juden und Kosmopoliten, nicht die Feministinnen oder die Virologinnen sein, vor denen gewarnt wird, sondern die Klimaforscherinnen.“ (C. Emcke)