Preisbereinigt ist der Außenhandel auf Talfahrt

„Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) anhand vorläufiger Ergebnisse weiter mitteilt, lagen die Exporte kalender- und saisonbereinigt 1,6 % und die Importe 5,9 % höher als im Februar 2020, dem Monat vor Beginn der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie in Deutschland“, so das optimistische Framing der Behörde.

Die deutschen Handelszahlen sind nominal, das heißt Preisänderungen werden nicht berücksichtigt. Nun haben sich zwischen Juli 2020 und Juli 2021 die Preise jedoch massiv erhöht, insbesondere für die Einfuhrgüter, aber auch für die Ausfuhrprodukte, so daß die Außenhandelszahlen materiell gesunken sind. Die Importpreise stiegen im Jahresvergleich nämlich um 15 %, die Exportpreise um 6,3 %.

Gegenüber Juli 2019 stiegen die Exportpreise um 3,9%, die Importpreise um 7,3 %.

Methodisch sauber agiert man, wenn man Juli 2019 mit Juli 2021 vergleicht, was im folgenden so gehandhabt wurde. Die realen preisbereinigten Exporte sanken verglichen mit der Vor-Kóronazeit also um fast 1 %, die Importe um etwa 1,5 %.

Da die Importpreise schneller steigen als die Exportpreise wird das Plus in der Außenhandelbilanz kleiner, diese Entwicklung verfestigt sich.

Eine interessante Schlußfolgerung ergibt sich auch: Inflation wird besonders im Sektor von Rohstoffen und Vorprodukten importiert. Und das nicht zu knapp.

Exporte Juli 2021
115,0 Milliarden Euro
+12,4 % zum Vorjahresmonat, +3,0 % gegenüber Juli 2019

Importe, Juli 2021
96,9 Milliarden Euro
+16,6 % zum Vorjahresmonat, +5,6 % gegenüber Juni 2019

Außenhandelsbilanz, Juli 2021
17,9 Milliarden Euro (kalender- und saisonbereinigt)

Exporte Juni 2021
118,7 Milliarden Euro
+23,6 % zum Vorjahresmonat, +11,9 % gegenüber Juni 2019

Importe, Juni 2021
102,4 Milliarden Euro
+27 % zum Vorjahresmonat, +14,7 % gegenüber Juni 2019

Außenhandelsbilanz, Juni 2021
13,6 Milliarden Euro (kalender- und saisonbereinigt)

Exporte Mai 2021
109,4 Milliarden Euro
+36,4 % zum Vorjahresmonat, -4,2 % gegenüber Mai 2019

Importe, Mai 2021
97,1 Milliarden Euro
+32,6 % zum Vorjahresmonat, +3,9 % gegenüber Mai 2019

Außenhandelsbilanz, Mai 2021
12,3 Milliarden Euro (kalender- und saisonbereinigt)

Exporte April 2021
111,8 Milliarden Euro
+47,7 % zum Vorjahresmonat, +1,9 % gegenüber April 2019

Importe, April 2021
96,3 Milliarden Euro
+33,2 % zum Vorjahresmonat, +5,0 % gegenüber April 2019

Außenhandelsbilanz, April 2021
15,9 Milliarden Euro (kalender- und saisonbereinigt)

Exporte März 2021
126,5 Milliarden Euro
+16,1 % zum Vorjahresmonat, +6,9 % gegenüber März 2019

Importe, März 2021
105,9 Milliarden Euro
+15,5 % zum Vorjahresmonat, +10,8 % über März 2019

Außenhandelsbilanz, März 2021
14,3 Milliarden Euro (kalender- und saisonbereinigt)

Exporte, Februar 2021
107,8 Milliarden Euro
– 1,2 % zum Vorjahresmonat

Importe, Februar 2021
89,7 Milliarden Euro
+ 0,9 % zum Vorjahresmonat

Außenhandelsbilanz, Februar 2021
19,1 Milliarden Euro (kalender- und saisonbereinigt)

Exporte, Januar 2021
98,1 Milliarden Euro
– 8,0 % zum Vorjahresmonat

Importe, Januar 2021
83,8 Milliarden Euro
– 9,8 % zum Vorjahresmonat

Außenhandelsbilanz, Januar 2021
22,2 Milliarden Euro (kalender- und saisonbereinigt)

Exporte, Dezember 2020
100,7 Milliarden Euro
+ 2,7 % zum Vorjahresmonat

Importe, Dezember 2020
85,9 Milliarden Euro
+3,5 % zum Vorjahresmonat

Außenhandelsbilanz, Dezember 2020
16,1 Milliarden Euro (kalender- und saisonbereinigt)

Exporte, November 2020
111,7 Milliarden Euro
– 1,3 % zum Vorjahresmonat

Importe, November 2020
94,6 Milliarden Euro
-0,1 % zum Vorjahresmonat

Außenhandelsbilanz, November 2020
16,4 Milliarden Euro (kalender- und saisonbereinigt)

Exporte, Oktober 2020
112,0 Milliarden Euro
– 6,5 % zum Vorjahresmonat

Importe, Oktober 2020
92,7 Milliarden Euro
– 5,9 % zum Vorjahresmonat

Außenhandelsbilanz, Oktober 2020
18,2 Milliarden Euro (kalender- und saisonbereinigt)

Exporte, September 2020
109,8 Milliarden Euro
– 3,8 % zum Vorjahresmonat

Importe, September 2020
89,0 Milliarden Euro
– 4,3 % zum Vorjahresmonat

Außenhandelsbilanz, September 2020
17,8 Milliarden Euro (kalender- und saisonbereinigt)

Exporte, August 2020
91,2 Milliarden Euro
-10,2 % zum Vorjahresmonat

Importe, August 2020
78,5 Milliarden Euro
-7,9 % zum Vorjahresmonat

Außenhandelsbilanz, August 2020
15,7 Milliarden Euro (kalender- und saisonbereinigt)

Exporte, Juli 2020
102,3 Milliarden Euro
-11,0 % zum Vorjahresmonat

Importe, Juli 2020
83,1 Milliarden Euro
-11,3 % zum Vorjahresmonat

Außenhandelsbilanz, Juli 2020
18,0 Milliarden Euro (kalender- und saisonbereinigt)

Exporte, Juni 2020
96,1 Milliarden Euro
-9,4 % zum Vorjahresmonat

Importe, Juni 2020
80,5 Milliarden Euro
-10,0 % zum Vorjahresmonat

Außenhandelsbilanz, Juni 2020
14,5 Milliarden Euro (kalender- und saisonbereinigt)

Exporte, Mai 2020
80,3 Milliarden Euro
-29,7 % zum Vorjahresmonat

Importe, Mai 2020
73,2 Milliarden Euro
-21,7 % zum Vorjahresmonat

Außenhandelsbilanz, Mai 2020
7,6 Milliarden Euro (kalender- und saisonbereinigt)

Exporte, April 2020
75,7 Milliarden Euro
-31,1 % zum Vorjahresmonat

Importe, April 2020
72,2 Milliarden Euro
-21,6 % zum Vorjahresmonat

Außenhandelsbilanz, April 2020
3,2 Milliarden Euro (kalender- und saisonbereinigt)

Vor einigen Tagen las ich in der Mainstreampresse, daß der Außenhandel des Vereinigten Königreichs darniederliege, die Kaufhallen fast leer seien und quasi Hunger drohe. Das deckt sich mit den Außenhandelszahlen nicht ganz: Die deutschen Exporte nach Britannien nahmen im Juli um 7,2 % gegenüber dem Vorjahr zu, die Importe aus dem Königreich wuchsen um 15,6 %.

 

Grüße an den Inlandsgeheimdienst: Krieg, Handel und Piraterie, dreieinig sind sie, nicht zu trennen. (Geheimrath v. Goethe 1832)