Auch BMW ist auf der Flucht

Nach der Weigerung den Sitzungspräsidenten des Sächsisch-Anhaltinischen Landtags mit einem BMW durch die Lande fahren zu lassen, gibt es Boykottdrohungen gegen BMW. Die werden nicht viel bewirken, denn Deutschland ist vom Absatz her für BMW ein Nebenkriegsschauplatz. 2025 wurden lediglich 13,8 % der produzierten BMW-Fahrzeuge in Deutschland abgesetzt.

Was die Produktion betrifft: fast 44 % der Pkws wurden noch in Bayern und Sachsen hergestellt. In den Staaten wurden 17 % produziert, in China 22 %, im UK 5 %, in Mexiko 4 %, in Südafrika 3 %. Insgesamt gibt es Fabriken in 15 Staaten.

Ein Produktionsstandort, der sich dynamisch entwickelt, ist Debrecen, wo die Herstellung 2025 anlief. Da die Nachfrage nach dem Elektro-SUV die ursprünglichen Erwartungen übertroffen hat, wurde das Werk zügig ausgebaut: Nach der Einführung einer zweiten Schicht im Februar 2026 wechselte die Fabrik im September 2026 in den Drei-Schicht-Betrieb (24-Stunden-Produktion). Die Marke von 50.000 Fahrzeugen wurde somit in den darauffolgenden Wochen deutlich überschritten. Das Werk ist für eine anfängliche Jahreskapazität von rund 150.000 Fahrzeugen ausgelegt.

BMW hat im Sommer 2026 den massiven Ausbau seiner US-Standorte abgeschlossen. Dieses Geld floß in die Erweiterung des Hauptwerks Spartanburg sowie in den Neubau des Werks Woodruff zur Montage von Hochvoltbatterien. Parallel zum Ausbau der E-Mobilität hat BMW die Bänder modernisiert, um den neuen BMW X5 als erstes Fahrzeug überhaupt mit fünf verschiedenen Antriebsarten (Benziner, Diesel, Plug-in-Hybrid, Wasserstoff und reines Elektroauto) zeitgleich auf ein und derselben Montagelinie produzieren zu können.

Um das höhere Teileaufkommen durch die Modelloffensive zu bewältigen, investierte BMW zudem über 100 Millionen Dollar in ein neues, fast 100.000 Quadratmeter großes Logistikzentrum direkt am Standort. Durch diese Modernisierungen kann BMW die Produktion je nach Marktnachfrage extrem schnell anpassen, um die Marktführerschaft als größter Automobilexporteur der USA (gemessen am Exportwert) weiter zu sichern.

Über die ersten sechs Monate des Jahres 2026 hinweg verbuchte BMW in China ein Minus von 20,4 % (261.773 ausgelieferte Einheiten). Zum Vergleich: In den ersten Monaten des Boom-Jahres 2021 lag der Absatz zeitweise noch bei über 460.000 Fahrzeugen. Besonders die Verkäufe der reinen Elektroautos von BMW liefen in China zuletzt deutlich schlechter als erwartet. BMW gibt den Markt nicht kampflos auf. Ein Hoffnungsträger ist die „Neue Klasse“. Speziell für den chinesischen Markt entwickelt das konzerneigene Designstudio in Shanghai exklusive Langversionen des neuen BMW iX3 und des BMW i3, die mit lokalisierter Software und Technologie die Kunden in die Showrooms zurückholen sollen.

Auch in Deutschland läufts nur mittelgut. BMW verschickte in den letzten Tagen tausende E-Mails mit einem Link zum persönlichen Abfindungsangebot auf der Konzern-Plattform. Der neue Vorstandschef Milan Nedeljkovic nannte als Standortnachteile die 35-Stunden-Woche und die Bürokratie in Deutschland. Bis zu 8.000 Jobs, vor allem im firmeneigenen Wasserkopf sollen entfallen.

Die Achillesferse von BMW ist China. Durch politische Kaspereien verärgerte Kundschaft in Deutschland fällt nicht so ins Gewicht, wie der Konkurrenzdruck durch BYD, Geely und Co.

Foto: Prabel