Helau von einer braunen Kanalratte


Eigentlich war die Narretei erfunden worden, um legal oder zumindest halblegal mal gegen die Obrigkeit austeilen zu dürfen. Oder zumindest gewogene Kritik zu üben. Selbst in der Honecker-Zeit wurde man wegen gemäßigter Pointen nicht gleich aus der Bütt verhaftet.

Der Autor hatte damals selbst Texte geschrieben. Die wurden vor der Veranstaltung vom Parteisekretär „abgenommen“. Dafür hatte man eine etwas entschärfte Fassung hergestellt und am Abend gab es dann die rabiatere Variante. Sowas ging noch durch:

Wo lange Unterhosen flattern,
wie Siegeswimpel im Winde flattern,
dort wo man die Orden küßt
wie das bei uns Mode ist,
wo der Wettbewerb an den Nerven zehrt,
was unsre Dorfgemeinschaft ehrt,
dort wo die Sau den Eber nie sieht
und die künstliche Besamung ihre Kreise zieht
da bin ich zu Haus
doch das macht mir garnichts aus
denn das Bier macht uns nicht dick,
weil mir ham den Plan im Blick
Besonders in der Faschingszeit
Es lebe die Enthaltsamkeit !

Die Mainzer Narren tun sich mit der Kritik an Berlin dagegen schwer. Das liegt nicht zuletzt an der Zensur, die alternierend von ZDF und ARD vorgenommen wird. Es werden Beiträge favorisiert, die nicht anecken, also zeitgeistkonform sind. Kritik wird nur an auswärtigen Potentaten – und besonders arschkriecherisch – an der deutschen Opposition geübt.
Schon im vergangenen Jahr gab es einen Probelauf: Da hatte sich Lars Reichow den bei einem Flugzeugunfall getöteten polnischen Präsidenten vorgeknöpft.

„Selbst gewähltes Pech hatten auch unsere Nachbarn in Polen – ich weiß nicht, was die vorher genommen hatten, Wodka umsonst in der Wahlkabine oder was – jetzt sind sie aufgewacht mit einer Regierung, angeführt von der nationalkonservativen PiS-Partei, die Abgeordneten nennen sich vermutlich PiSser. Der mächtigste Mann in Polen ist Jarosław Kaczyński, ein eineiiger Zwilling – das andere Ei ist vor ein paar Jahren abgestürzt.“

Die deutschen Demokraten vom Staatsfernsehen finden das geschmackvoll und die im kurfürstlichen Schloß versammelte Creme der deutschen Gesellschaft fand das auch lustig oder tat zumindest so.

Weil es letztes Jahr so gut lief, flogen solche karnevalistischen Geschosse gestern laufende Meter durch den Raum. Gerhard Grom über Trump: „notgeiler blonder alter Säckel“ glaubte ich zu hören. Hans-Peter Betz: „…dieser Rassist, dieser Lügner, wie kann diese *** nur gewinnen?“ Wenn man Lars Reichow glaubt, fährt der amerikanische Präsidentenberater mit Hakenkreuzfelgen durch die Gegend, in Moskau regieren „Faschisten“, die nur darauf warten, um sich mit Frau Petry zu treffen. Überhaupt ist der paranoide Reichow von Feinden förmlich umgeben: Von der „ranzigen Faschisten-Braut Marine Le Pen“, vom „verwesten Säugling Geert Wilders“ und von der „verwelkten Kräuterhexe Frauke Petry“. Trump im Weißen Haus sei so wie die Geissens im Bundeskanzleramt. „Es wird jahrelang dauern, bis Angela Merkel ihm das Nötigste beigebracht hat.“ Beim letzten Präsidentenbesuch seien die Kanaldeckel festgeschweißt worden. „Dieses Mal werden wir sie einfach offen lassen.“ „Viel Feind, viel Ehr“, sagte man in Berlin vor hundert Jahren.

Man mag vom türkischen Präsidenten Erdogan halten was man will. Wenn der Sitzungspräsident Andreas Schmidt ihn als „Arschkerbchen“ tituliert, ist das in einer Ausstrahlung des Staatsfernsehens tragbar?

Stehende Ovationen des Saalpublikums. Einige wären am liebsten sitzen geblieben, standen aber doch auf. Massenpsychose. Da wird einem klar, warum die Leute sich am Straßenrand gedrängt haben, wenn Adolf Hitler vorbeifuhr.

Wenn ich in meinem privaten Blog so gegen Erdogan oder Trump ablästern würde, ginge das auch nicht, weil bis zum Jahresende noch § 103 des StGB in Kraft ist. Beleidigung von ausländischen Staatsoberhäuptern. Außerdem habe ich eine zu gute Erziehung genossen. Ich habe Erdogan schon gegen die Ausfälle von Böhmermann in Schutz genommen. Weil sich außenpolitische Eskapaden in einem von Politikern kontrollierten Sender nicht gehören. Im Umgang zwischen den Völkern gibt es auch Mindestnormen. Die Latte, über die man stolpert, liegt da eher tief. Rücksicht auf den Gefühlshaushalt fremder Kulturen ist den Schnöseln von den Medien schon geraume Zeit fremd. Nur in ihren Mitbewohnern glauben sie Rassisten und Chauvinisten zu erkennen.

Ach ja, dem Osten wurde von Betz der Narrenspiegel vorgehalten. Ich bin „in der NPD für Besserverdienende“ und wohne im „Nahen Osten“, wo „Dunkeldeutschland immer dunkler wird“. Ich bin auch ein „Depp“, weil ich mal in Dresden war. Und eine „braune Kanalratte“. Manchmal weiß man nicht, wen er überhaupt beleidigen wollte: Zwischen der zivilisierten West- und der Ostküste der USA sei Mecklenburg-Vorpommern. Letzteres ist ein Land, wo die schlauen Wessis im Sommer freiwillig in Scharen einfallen, um sich zu bräunen.

Der Meßdiener Schmidt titulierte mich als „Kleingartenfaschisten“ und erklärten Feind. Nach der Sitzung hatte ich den Eindruck, daß Hitler ein Hühnerdieb war, Göring ein Falschparker und Himmler ein Straßenbettler. Trump, Erdogan, Orban, Putin, Höcke, Kaczyński, Petry und ich sind die größere Herausforderung für die Mainzer Narren und den SWR.

Da ist was dran. Aber woran das liegt? Das Herauszufinden überlasse ich meinen Lesern.

8 Kommentare zu “Helau von einer braunen Kanalratte

  1. Pingback: Schlagzeilen des Tages vom 25. Februar 2017 › Opposition 24

  2. Vielen Dank für ihren Blog immer wieder gern gelesen.Ich bewundere Ihre Ausdauer ich hätte die nicht !
    Man kann sich für die „Guten“ nur noch fremd Schämen.
    Aber wir wissen ja die Geschichte schlägt immer zurück . Auch diese Ära wird vorrübergehen.
    Es ist auch interessant wie die sogenannten Karbaretisten wie z. B Nur, Kalkhofe, Diddi H., Pispers sowieso das alles für selbstverständlch nehmen.
    Früher bekamen die Auftrittsverbot und heute machen die das freiwillig, peinlich, peinlich!
    Wir leiden in Deutschland an einem kompletten Systemversagen.
    Meine Weste ist rein! : )
    P.S. Warum ist eigentlich Stefan Raab so klang und sanglos verschwunden. Der war ja immer für derbe Sprüche bekannt?

  3. Diese Senndung-Mainz bleibt Mainz 17- ist an Dummheit und Geschmacklosigkeit nicht zu überbbieten..Schlimmer und persönlicher geht es nimmer.

  4. Hallo Herr Prabel,
    Sie sprechen mir aus dem Herzen!

    Volksferne wird irgendwann zur Volksfeindschaft und die stinkt um so schlimmer, je mehr die Verwesung, die bekanntlich im Kopf einsetzt, voran schreitet.
    Was wir also gesehen und vor allen gehört haben, waren schlecht kaschierte Kadaver der PC und das Blubbern ihrer Faulgase.
    Übrig bleiben die blamierten Knochen, weiß der Volksmund, und wenn dieses für alle offensichtlich ist, lässt der Verwesungsgeruch langsam nach.
    Man kann das natürlich mit einem Straßenbesen oder einem Hochdruckreiniger erheblich beschleunigen, was wir tun werden. Versprochen!

  5. Es ist die Sternstunde der Mauljauchen-Propagandaschlümpfe , finanziell und wirtschaftlich von politisch korrekten Luden-Medien abhängigen Mainstream-Promi-Huren und schmarotzenden Polit-Prömpeln. Wenn es in Deutschland so weitergeht wie bisher wird ihnen nicht allein das Volk, sondern vielmehr die sich recht unerfreulich entwickelnde Realität die linksgrün versifften Sozi-Mäuler stopfen, alles nur noch eine Frage der Zeit, z.B. versiegende Steuereinnahmen, leistungskastrierte Sozialsysteme und geplünderte Sparvermögen.

    MERKE:
    geht es dem „Gut“-Mensch an die Stütze, bleibt er „nur“ Mensch, aus „Gut“ wird Grütze. Will er sich gern als gut verkaufen, soll er selbst zahlen geht er laufen.
    So bleibt er nur solange gut, wie jemand für ihn zahlen tut.
    Doch ist’s vorbei mit Steuer-Pinke, ist Gutmensch weg, auch winke winke.

  6. Alles, was nicht im Konsensbereich des politisch-medialen Komplexes aufhält, war wohl von den Humorbürokraten der Fernsehfastnacht gnadenlos zum Abschuß frei gegeben: Trump ein Arsch mit Hut, Erdogan ein Arschkerbchen. Alles weit von Humor entfernt und unter der Gürtellinie. Fein ziselierter Humor leider Fehlanzeige, kein Florett, nur Dreschflegel. Joseph G. hätte seine Freude dran gehabt. Bei den derben Attacken gegen Großbritannien wegen Brexit (wohl eine Art sträflicher EU-Republikflucht) ist es nur eine Frage der Zeit, wann „Bomben auf Engelland!“ ein Schunkelklassiker der Hofsänger wird. Viel nur mühsam als Witz getarnte Polit-Polemik, kaum verhohlener Haß gegen Nicht-Gutdenker, die mit vor Wut zitternder Stimme permanent als Nazis beleidigt werden.
    Wer mit überschnappender Stimme gebrüllte Propaganda-Sprüche goutiert, wird mit Andreas Schmitt gut bedient: PEGIDA und AfD machen natürlich „Aufmärsche“ und bei Hofer wäre wohl die SS-Uniform festgewachsen. „Vom Gauland zum Gauleiter ist es gar nicht so weit“. Stehende Ovationen des Saalpublikums, anscheinend mit Stil nicht übermäßig gesegnet. Ein Funktionär der AfD hat dabei anscheinend die Nerven verloren (http://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/mainz/nachrichten-mainz/nach-buettenrede-afd-vorsitzender-junge-wollte-bei-mainz-bleibt-mainz-die-buehne-stuermen_17707422.htm) und unfreiwillig das Rollenklischee des tumben Hau-drauf’s erfüllt. Das freut natürlich das Medienkartell. Wie gesagt: alles Geschmackssache. Ich brauch’s nicht. Man muß allerdings kein Parteigänger der AfD sein, um von geschmacklosen Namenswitzchen und Brachialpropaganda angewidert zu sein.

    • Warum verbreiten Sie den hier solche Falschnachrichten wenn sogar die Welt.de dazu eine Richtigstellung hat.

      Haben Sie es noch nicht gelernt? Wenn die modernen Prawdas egal welcher Farbe, Hetze verbreitet sollte man erst mal ganz kühl an den Wahlspruch der AfD denken: Mut zur Wahrheit!

      Oder mit dem Alten aus Königsberg zu sprechen: Habe den Mut selber zu denken.

      Herr Jung ist lang gedienter Militär und jetzt im gesetzten Alter, glauben Sie der stürmt eine Bühne während seine Frau an der Garderobe auf ihn wartet?
      Es ist zwar Jeckenzeit – aber nicht jeder ist ein Jeck. 🙂

      Gruß Paule
      Ehrlich jetzt, und dann ein solches Blatt verlinken, schauen Sie sich mal den Kasten links an! Bleiben da noch Fragen, wie dieses Käseblatt drauf ist?
      P.

  7. Die wahre Blödheit des Publikums, welches solche „Events“ besucht ergibt sich auch aus Folgendem: WDR-Sendung Mitternachtspitzen, moderiert von jener rheinischen Frohnatur Becker, dir dem verbalen Fäkalvortrag oft verfallen ist mit seiner kürzlichen Pointe: Ruhrgebietstürkenfamilie der 70 er Jahre begab sich im szenetypischen Ford Transit zum Urlaub in die Türkei. Die 12-jährigeTochter fragt: „Warum fahren wir denn dahin“ Antwort: „Zu einer Hochzeit“ Nachfrage der Tochter:“Wessen Hochzeit?“ Antwort: „Deiner“. Schallendes nicht enden wollendenes Gelächter derjenigen, die das „Bunte D“ mit bekannten Folgen /(Kinderehe etc.) begeister haben wollen. Ja, blöder kann sich das Volk gar nicht selbst entlarven.

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