Merkeljugend und Arbeiterklasse


In meiner Jugendzeit gab es Bonzenkinder, die als Trotzkisten in die Betriebe gingen, um die Arbeiterklasse für ihre historische Mission auf Betriebstemperatur zu bringen. So um 1970 rum. In Weimar zum Beispiel Ruprecht Schröder, der ins Mahdrescherwerk ging und dort agitierte. Es gab Gerüchte, daß er sogar einen Bombenanschlag zustande gebracht hätte, aber da war von meinen Freunden niemand dabei, der das bezeugen konnte.

Nach einer Weile landete er im Westen, die Abschiebung war der übliche Weg, wenn die Eltern im Sicherheitsapparat ihre Brötchen verdienten. Nur seine Bücher vom Leuchtturmverlag, wo drin stand, wie man den Sozialismus fachgerecht aufbaut, kursierten noch eine Weile im Untergrund. Es war interessant drin zu schmökern, und davon zu träumen, daß ja alles ganz anders gekommen wäre, wenn Blutkommissar Trotzki es zum Chef geschafft hätte. Die Arbeiterklasse mußte ab nune alleine sehen wie sie zurechtkam.

Im Januar 1990 bekam sie im mittlerweile in Weimar-Werk umbenannten Mähdrescherwerk einen lupenreinen Generalstreik gegen die Stalinisten hin, die den Sozialismus diletantisch aufgebaut hatten. Der Anlaß war eigentlich banal: Die „Kampfgruppen der Arbeiterklasse“ wurden aufgelöst und in der Kriegskasse waren noch Ostmark. Jedes Mitglied bekam 25 Mark ausgezahlt, was die übrigen Arbeiter in der Stadt und im Landkreis zur Weißglut reizte. Es wurde gestreikt, und nun gleich auch noch gegen die Umbenennung der Stasi in „Amt für Nationale Sicherheit“.

Der Altrevoluzzer Schröder traf sich jährlich mit seiner Mutti in Prag um die Alimente in Deutschmark auszuzahlen. Das wars im Westen mit der Revolution. Seine Osttochter ist mittlerweile groß und macht Musik mit der Steinzeitflöte.

Ja 40 Jahre sind also mal rum. Die Merkeljugend fühlt sich ja auch noch irgendwie links, aber mit der Arbeiterklasse hat sie nichts mehr im Sinn. Connewitz ist so ein Hotspot der AnhängerInnen der KanzlerIn. Aus dieser finsteren Gegend wurde von Tag24 von einem Überfall auf zwei Kanalarbeiter berichtet.

Im Leipziger Süden haben vier vermummte Personen den Mitarbeiter einer Kanalreinigungsfirma angegriffen und verletzt. Der 31-Jährige war mit seinem Kollegen am Mittwoch in der Bornaischen Straße im Ortsteil Connewitz beschäftigt. Gegen 11.10 Uhr kamen plötzlich vier vermummte Personen auf das Duo zu. Sie griffen den Mann körperlich an. „Eine ebenfalls vermummte Frau hielt seinen Kollegen durch Drohungen davon ab, dem 31-Jährigen zu helfen“, so Polizeisprecher Uwe Voigt. Die Täter verschwanden unerkannt in Richtung Meusdorfer Straße. Das Opfer wurde an Kopf und Körper verletzt und umgehend in eine Klinik eingeliefert.

Ja, das wars dann wohl mit der Weltrevolution. Früher Kopfkino, heute eine auf die Nuß. Und die Kanalfirma wird ab jetzt wohl Personenschutz fordern. Ich denke die sächsischen Arbeiter wissen was sie im Herbst wählen müssen.

19 Kommentare zu “Merkeljugend und Arbeiterklasse

  1. Das glaub ich eher nicht. Die Thüringer haben zum Beispiel den Ramelow gewählt trotz 40 Jahre DDR ohne Zwang, ganz freiwillig. Es will doch niemand ein Nazi sein. Sollten doch mehr als erwartet AFD wählen gibt’s halt eine Nationale Front. Für Westeuropa und besonders Deutschland gibt es keinen Ausweg mehr, wir sind am Arsch. Selbst wenn die Bürgerlichen gewinnen passiert nichts,siehe Österreich. Weder werden die öffentlichen Medien (ORF) reformiert noch wird der Mord Jörg Haider neu aufgerollt. Ich bin einfach nur ratlos.

  2. Die AfD ist das durch das System organisierte Feigenblatt für die Blockparteien-Front. Als Partei nur in Mitteldeutschland hätte man in ihr eine Macht, die Verhältnisse zu ändern. Für die aufmüpfigen Mitteldeutschen hat man eine Aufpassertruppe aus einer vermuteten Parteispendenbetrügerin, einem schmalzsülzenden Europa-Professor und zwei pensionierten NATO-Staaten Offizieren installiert. Gauland ist zum Pressesprecher degradiert.
    Einem engagierten Herren aus Sachsen-Anhalt, der das Naziwort „Volksgemeinschaft“ benutzte, hat die Aufpassertruppe verfügt, dass er zwei Jahre keine Ämter in der AfD ausüben darf.
    Und somit gibt’s jetzt die Alternative deutscher Patrioten,die hoffentlich verhindern wird, dass sich wieder eine Aufpassertruppe aus re-reduzierten Wessis vor die Nase setzt.
    Viel Glück, Herr Poggenburg!

    • Der „engagierte Herr“ aus Sachsen-Anhalt ist an seinen eigenen Unzulänglichkeiten gescheitert. Er hat als Mitglied des Bundesvorstandes dem Thüringer den Rücken gestärkt und ansonsten nicht versucht, durch besonders aufregende Rhetorik bekannt zu werden. Das wär wohl eine Strategie gewesen, sich dort oben zu behaupten. Zudem war er Landesvorsitzender mit der anteilig größten Fraktion. Alles verspielt. Jetzt die Mimose zu geben und die Schuld auf andere zu schieben, die ihn nicht ausreichend lieb hätten, wird grandios in die Hose gehen. Reüssieren werden die Herrschaften wohl eher nicht, die Zeiten sind nicht so. Schade drum. Aber wer weiß, wozu es gut ist.

      • @ Robert Meyer
        Sie scheinen von den Säuberungsaktionen dieser Westbonzenelite in der AfD noch nie etwas gehört zu haben.
        Früher haben wir in Nordthüringen zu Leuten, die so faktenarm neben der Spur lagen, gesagt, sie hätten wohl zuviel Westfernsehen geguckt.
        Heute kann man diesen Spruch getrost wieder hervorholen.

      • Mit Towarischtsch Blaschke diskutieren zu wollen ist wie einem Tisch Kernphysik beizubringen. Er ist und bleibt halt ein Troll wie er im Buche steht. Da helfen auch keine Pillen mehr :))

  3. Also ich weiß nicht, der Herr Poggenburg ist sicher keine glanzvolle intellektuelle und rethorische Kerze am Christbaum, aber als einer der ersten in der AfD-Sachsen-Anhalt dann auch auf den vorderen Listenplätzen gelandet. Wie das ja immer so ist, in den Parteien, es geht nicht nach Fähigkeiten, sondern nach Parteibuchnummer, wenn es um die begehrten Listenplätze und Posten und Pöstchen geht. Wie auch immer, geschäftlichen Konkurs dank lukrativem Mandat abgewendet und ansonsten nicht weiter rühmlich aufgefallen. Und dann jetzt diese letztendlich weitere Spaltung der AfD nach Petry insg. und vor allem der bislang noch starken Ost-AfD? Ohne jede wirkliche pers. Not und so kurz vor entscheidenden Wahlen in den Ostländern? Was soll das? Und die wichtigste Frage der Politik, wem nützt es?

    • Poggenburg stand nach der gewonnenen Landtagswahl vor der anspruchsvollen Aufgabe eine 25köpfige Fraktion mit sehr unterschiedlichen Personen zu führen. Wäre auch geübten Leuten nicht wirklich leicht gefallen. Dazu die vielen Themenbereiche, in denen er Neuling ist. Poggenburg war in beiden Metiers, der Menschenführung und der Landespolitik ungeübt. Ins kalte Wasser geworfen. Letztlich dran gescheitert.
      Es müssen alle mal begreifen, daß eine Partei ein parlamentarischer Verein ist. Wenn man mehr will, muß man auf PEGIDA gehen oder nach Chemnitz oder Kandel. Oder im Facebook was aufdecken oder nach Halle. Poggenburg kann mit seiner neuen Partei ein bißchen Wind machen, mehr auch nicht. Die blaue Partei hat sich aufs Kinderkriegen verlegt, was auch eine honorige Sache ist, LKR dümpelt inzwischen bei 0,0 % rum. Eine Partei ist eine Marke. Die kann man nicht von heute auf morgen neu etablieren.

      • Herr Prabel, bei allem Respekt, der Partei-und Politikbetrieb ist ein schmutziges und elendes Geschäft, keine Frage, aber wenn ich als Führungsfigur nicht geeignet bin, dann trete ich im Interesse der Partei eben auch mal in die zweite Reihe. Man muß ja nun nicht immer gleich eine Konkurrenzpartei aufbauen, egal wie stark oder schwach die auch erstmal sein wird. Man erinnere sich nur an den empörten Aufschrei und das große Erstaunen bei Petry und das zu recht. Das nur dazu. Fest steht, der konservative Flügel der AfD wird in der gesamten Partei und auch im Osten durch Poggenburgs Austritt geschwächt. Auch als Pedant zur West-AfD, wenn man das so sagen will. Deren Beschreibung ich Ihnen voll zustimme, @Hajo Blaschke! Sie kennen Hr. Poggenburg vielleicht besser als ich, ich hatte mir in der Vergangenheit so einige Reden im Landtag usw. von ihm angeschaut und kann da Ihre Begeisterung nicht nachvollziehen. Das kam eher im Stile des Volkstribun rüber, aber das mag auch Geschmackssache sein und natürlich muß es nicht der geschliffene und manchmal duchaus arrogant wirkende Weidelstil sein und ein Curio ist leider selten.
        Wie auch immer, die Gründe, die Poggenburg anführt, sind aus meiner Sicht jedenfalls gravierend. Und wenn diese Sicht nicht nur die vielen ostdeutschen AfD-Konservative teilen, sondern auch die vielleicht noch vorhandenen konservative Reste im Westen, dann kann das schon dramatische Folgen haben. Die dann aber auch nicht unverdient wären. Ich habe schon vor längerem geschrieben, daß die AfD auf dem Wege ist, vom Politikbetrieb vereinnahmt zu werden und eine ganze Reihe von Funktionäre die internen Vorantreiber sind, weil man auch ganz oben mitspielen und vor allem an den begehrten vollen Töpfen und den Privilegien, Posten und Pöstchen langfristig verbleiben möchte. Wir werden uns noch wundern, wie schnell die AfD Systempartei wird, da mag sie dann für den Wähler noch so „renitent“ nach Außen auftreten. Innen denken nicht nur Pazderski und Storch ganz anders. Da gibt es so viele abgewanderte Ex-CDUler und ExFDPler, für die die AfD die letzte und lukrativste Möglichkeit der genannten handfesten materiellen Vorteile ist und die natürlich unter allen Umständen bestrebt sind, diesen Status zu erhalten.

    • @ treu
      Ostländer, @treu, das wäre der erste Fauxpas, mit dem ihr eventuell davor noch vorhandenes Ansehen bei jedem Bürger in Mitteldeutschland abrupt verspielt wäre. Genauso wie die hetzerische Sage, dass Ossis erstmal Demokratie lernen sollen.
      Solche Experten, zu denen Sie wohl gehören, haben ein Regime und damit ein ganzes System gestürzt? Da lacht jeder Deutsche östlich von Werra und Elbe.
      Auch die Einteilung in West-AfD und Ost-AfD zeigt in die gleiche Arroganzrichtung. West-AfD, die Guten, die so um die 5% bei Wahlen erreichen. Und die Ost- AfD, die mit dem Pegida-Pack fraternisieren und weit über 20% erzielen.
      Poggenburg hat den Schritt jetzt getan. Mal sehen, welche Argumente die AfD-Bonzen haben werden, um
      gegen die AdP anzukämpfen.

      • @Werter Hajo, ich bin doch voll bei Ihnen und im übrigen kein Wessi. Und ich habe die Begriffe nur zur schnellen Plakatierung verwandt, Neue Bundesländer oder Mitteldeutschland war mir auf die Schnelle einfach zu lang. Sorry! 😉 Schreibe ich dann hier gern nochmal aus. Und ja, Sie schreiben es ja selbst, es gibt eine West-und eine Ost-AfD. Leider ist das so. Aber das ist wohl auch bei den sog. „Etablierten“ ähnlich. Man tickt in den NBL eben anders. Ansonsten bin ich, wenn Sie meinen Text gelesen haben, durchaus Ihrer Meinung, was die AfD betrifft. habe ich ja ausführlich dargelegt.

        • @ treu
          Okay, Absolution!
          Aber solche Vokabeln, wie die vn mir angemeckerten bringen die Sachsenseele zum Kochen. Wobei Sachsen das oft nicht zeigen, sondern einfach weitergehen.
          Übrigens waren das jetzige Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen vor 1933, also vor Abschaffung der Bundesstaaten Preußen, Provinz Sachsen.

  4. Die Einschätzungen zu Poggenburgs sind eher nicht zutreffend. Wenn man ihm bescheinigt, dass er keine glanzvolle rhetorische Kerze am Christbaum sei, frage ich mich, ob diese Unterstellung auf persönlicher Kenntnis oder Wessibesserwisserei beruht. Was hat denn der Westteil der AfD hervorgebracht? Ergebnisse um die 5%, eine sich feudal gebärende Abgeordnetenclique, mit Personen wie Storch und vor allem Pazderski eine diktatorische Aufpasserclique mit Verboten, die über eine als bei der grünen Verbotspartei.
    Wann haben diese koalitions- und postengeilen West-Figuren denn schon mal nicht nur eine Regierung sondern ein ganzes System gestürzt?
    Ich bin kein Prophet, aber die AdP wird der fettgewordenen AfD etliche Prozente wegnehmen. Und Poggenburg ist im Gegensatz zu Leuten, die ihn nicht kennen und Bildzeitungs-Verleumdungen verbreiten, ein sehr guter Redner und hat zum einfachen Bürger einen sehr guten Zugang. Im Gegensatz zur abgehobenen Pazderski-Storch-Clique.

    • Aber Poggenburg hat „ein ganzes System gestürzt“? Mit 14 Jahren? Respekt!

      Ich kenne übrigens Poggenburg leider recht gut und kann aus eigener Erfahrung sagen, dass ihm zum Messias der Patrioten alles, aber auch alles fehlt.

      Es wird ihm wie Lucke und Petry gehen, die beide ihre Beliebtheit und die Zahl ihrer Anhänger vollkommen überschätzt haben und in der Bedeutungslosigkeit verschwunden sind.

      Nun, meinetwegen. Jedem nach seinem Geschmack.

  5. Die rhetorischen Fähigkeiten von Poggenburg hatten sich im Lauf der Zeit sehr verbessert. Er kann quatschen, daß es zum Herzen geht. Davon konnte ich mich in Kremmen mal live überzeugen. Petry redete vor ihm und hatte dagegen die Ausstrahlung eines Roboters. Aber schön reden, das ist für einen Landeschef nicht genug. Den organisatorischen Bereich muß man eben auch noch beherrschen.

  6. Poggenburgs Gründung ist die erste Ausgründung aus der weichgespülten AfD nach rechts. Das ist ein neues Konzept und kann ein Sammelbecken für eine wahre Alternative sein.

  7. Die Zersplitterung und Verkleinerung von Parteien birgt eine große Gefahr – generell und unabhängig von der politischen Ausrichtung:
    Nicht mehr lange, und eine 15% – Partei bdarf sich zum Wahlsieger und zur Regierungsbildung gratulieren. Damit besteht die Gefahr, dass ein(e) SpinnerIn an der Spitze einer solchen – früher hätte man Splitterpartei dazu gesagt – Partei über das Wohl und Wehe des ganzen Landes entscheidet.
    Das Jahr Babylon 2.0

    • @ Cindy
      Kann man so sehen. Oder auch anders. In Dänemark gibt es pro Kopf viel mehr Parteien als in Deutschland. Dort sind auch 15 bis 20% für eine regierungsbildende Partei normal. Was zu Koalitionen führt, deren Programm einen Kompromiss von bis zu vier Parteien darstellt. Funktioniert irgendwie nicht schlecht.

  8. Pingback: DIE UNBESTECHLICHEN : MERKELJUGEND UND ARBEITERKLASSE – Freier Unabhängiger Dienstleister

  9. Der AfD-Parteitag in Riesa hat leider wieder deutlich gemacht, es geht nicht mehr Konservatimus, von Jagen der Regierung und der sog. „etablierten Parteien“ keine Rede mehr, es geht immer mehr in Richtung Annäherung an das System. Und um die lukrativen Posten und Pöstchen, wie das unwürdige und teils absurde dutzendfache Kandidatengewusel zu jedem Listenplatz klar zeigte. Man muß nüchtern erkennen, eine Partei wird in Deutschland politisch gar nichts ändern und kann gegen das Kartell der „Etablierten“ praktisch nichts ausrichten. Entweder sie wird ausgegrenzt und vernichtet, wie Republikaner und NPD oder vereinnahmt wie die Grünen. Die AfD ist da auf einem „guten“ Weg. Nur wenn die Bürger selbst ihre demokratisch legitimen Rechte und Mittel nutzt, wie Pegida, Gelbwesten oder Generalstreik etc., mit denen man die politisch Herrschenden wirklich in Unruhe versetzt und vielleicht sogar die Wirtschaft trifft, würde sich etwas ändern können. Aber auch das ist leider in diesem kranken und kaputten Land nicht zu erwarten.

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