In der einen Partei darf man vom Saulus zum Paulus werden, in der anderen nicht

Ich bin dafür, daß jeder Mensch nach Höherem streben darf, auch in der Politik. Das Messen mit zweierlei Maß ist unredlich.

Noch an Willy Brands Kabinettstisch saßen 12 ehemalige Nationalsozialisten. Bei den Grünen ist der halbe Kommunistische Bund Westdeutschlands mit den Schönrednern und -schreibern von Kinderschändung vereint.

Bei den Sozis ist von einer immerhin zweistelligen Zahl von PGs die Rede, die ein warmes Plätzchen unter der roten Fahne allein im Bonner Hohen Haus fanden. Prominentestes NSDAP-Mitglied war der SPD-Wirtschafts-und Finanzminister Karl-Schiller. Wikipedia gibt wie folgt über ihn Auskunft: „Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten war Schiller von Juni 1933 bis 1938 Mitglied der SA. Am 1. Mai 1937 trat Schiller in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 4.663.250)[6], in der er 1938 Politischer Leiter der Kieler Ortsgruppe Klaus Groth wurde. Im Rahmen seines Studiums und seiner Lehrtätigkeit war Schiller zusätzlich Mitglied folgender NS-Organisationen: von Juni 1933 bis 1935 Nationalsozialistischer Deutscher Studentenbund, ab 1934 NS-Rechtswahrerbund (Mitglieds-Nr. 82.421), ab 4. Mai 1939 NS-Dozentenbund (Mitglieds-Nr. 4981). Von 1946 bis 1972 sowie erneut ab 1980 war er Mitglied der SPD.“ Auch die CDU nahm ihn anstandslos auf.

Schiller hatte leitende Funktionen im Institut für Weltwirtschaft, welches sich in der damaligen Zeit wirklich mit der Neuordnung der Welt befaßte. Er war nicht wie einige andere Genossen in den Kriegswirren beiläufig in die Partei aufgenommen worden. Er mußte jahrelang dienern, bis die Aufnahmesperre 1937 endlich aufgehoben wurde, die der Führer verhängt hatte, um das massenhafte Eindringen von bürgerlichen Karrieristen in den sozialistischen Parteikörper zu verhindern.

Ein weiterer SPD-Minister mit brauner Weste war Erhard Eppler, der 1968 bis 1974 Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit war. Danach turnte er bis 1991 ausgerechnet in der Grundwertekommission der Partei herum. Der hessische Verkehrsminister Rudi Arndt war auch in der NSDAP gewesen. 1972 bis 1977 war er OB in Frankfurt, 1984 bis 1989 Fraktionsvorsitzender der Sozialdemokratischen Partei Europas im EU-Parlament. Horst Ehmke war 1973–1991 im Parteivorstand, nacheinander Bundesminister der Justiz, Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes, Bundesminister für Forschung und Technologie, Bundesminister für das Post- und Fernmeldewesen.  1944 war er in die Partei eingetreten. Walter Franke brachte es trotz NSDAP-Vergangenheit bis zum Bremer Senator und Bürgermeister.

Die zahlreichen Landtags- und Bundestagsabgeordneten der SPD, die dem Führer die Treue geschworen hatten, möchte ich namentlich nicht alle nennen, es waren jedoch nicht gerade wenige. Insbesondere im hessischen Landtag der 60er und 70er Jahre tummelten sich besonders viele PGs, fast die Hälfte der Abgeordneten war in der Partei gewesen. Es war nicht nur ein SPD-Problem. Auch in der CDU und in der FDP wimmelte es von Konvertiten. Noch einmal: An Willy Brands Kabinettstisch saßen – nach Berechnungen von Wikipedia – insgesamt 12 Nationalsozialisten. Das war die deutliche Mehrheit.

Nun muß man natürlich vernünftigerweise auch analysieren, warum die SPD PGs aufnahm und weshalb die PGs in die SPD und in andere Parteien strömten. Es war die schiere Menge von Nationalsozialisten, die allein wegen ihrer Masse integriert werden sollten. Wären sie auf Dauer von Funktionen und Posten ferngehalten worden, hätten sie ein gefährliches Oppositionspotential gebildet. Man gestattete ihnen ein neues Leben zu beginnen, fragte nicht groß nach der Vergangenheit und verdünnte ihre Aura mit normalen Leuten, die bei Adolf keine Karriere gemacht hatten, wie Kurt Schumacher oder Willy Brandt.

Sogar Exkommunisten wurden in die SPD aufgenommen. Ich nenne nur mal das prominenteste Beispiel Herbert Wehner. Er steht im Ruf in der Sowjetunion kommunistische Kollegen durch Denunziation um die Ecke gebracht zu haben. Das wurde wohl als mildernder Umstand gewertet und er wurde schon 1946 in die SPD aufgenommen. Dort setzte er sich für den gemäßigten Weg des Godesberger Programms ein, wurde also vom Kommunisten zum Reformisten. Seis drum.

Der Baden-Württembergische Ministerpräsident war früher in einer Partei, die Beifall klatschte, als in Kambodscha Kinder an einen Baumstamm geknallt wurden, bis sie tot waren. Es gab Grüne, die die Kulturrevolution gut fanden und die Maofibel studiert hatten. Eine andere Gliederung erwärmte sich für Albanien, eine andere für die Kinderschändung. Alle diese vom rechten Wege abgekommenen Schafe haben jetzt warme Plätze in Parlamenten und Redaktionen und gebärden sich wie die Wölfe. Da wurde beim Parteieintritt nicht gefragt, wo sie mal drin waren.

Aus dieser Überlegung erwächst die Frage, wie die AfD mit ehemaligen CDU- und SPD-Mitgliedern sowie mit Republikanern und DVU umgehen soll. Derzeit sehe ich eine große Ängstlichkeit. Wer von Altparteien kommt, muß in vielen Kreisverbänden ein Jahr auf die Warteliste und erst mal Flugzettel verteilen oder plakatieren. „Bewährung in der Produktion“ oder „Kandidat“ nannte sich das Anstehen in der Russenzeit. Im Prinzip ist die AfD jedoch schon jetzt so weit, daß sie den kleinen Lichtern der Altparteien die Chance auf einen Neubeginn zugesteht. Insbesondere viele Ex-Christdemokraten haben seit 2013 eine neue politische Heimat gefunden und bringen Leistung. Die AfD sollte dem Beispiel der Altparteien folgen und reuige Exmitglieder von anderen Parteien aufnehmen. Die Betonung liegt auf reuig.

Jeder Saulus sollte zum Paulus werden dürfen. Paulus war bei der Steinigung des christlichen Märtyrers Stephanus anwesend und hatte entsprechend den Angaben in der Apostelgeschichte „Wohlgefallen“ daran. Danach habe er die Gemeinde „verwüstet“, „indem er in die Häuser eindrang, Männer und Frauen verschleppte und für ihre Verhaftung sorgte“. Er erhielt von der Jerusalemer Maasi den Auftrag, in Damaskus nach Anhängern Jesu zu suchen, um sie zu verhaften. Auf dem Weg nach Damaskus begegnete ihm der auferstandene Jesus selbst. Dieser habe ihn mit seinem hebräischen Namen angerufen: Saul! Warum verfolgst du mich? Er habe zurückgefragt: Wer bist du, Herr? Darauf habe die Stimme geantwortet: Ich bin Jesus, den du verfolgst! Dadurch sei Paulus tagelang erblindet und habe nichts essen können, bis ihn ein anderer Urchrist im Namen Jesu geheilt habe. Daraufhin habe er sich taufen lassen und begonnen, Jesus als Sohn Gottes zu verkünden. Auch die Geschichte von Zacharias ist aus dem gleichen Holz geschnitzt. In Jericho steht ein uralter Baum (siehe Beitragsbild). Auf ihm soll der kleinwüchsige Steuereinnehmer Zacharias gesessen haben, um Jesus zu sehen, als dieser in der Stadt einzog. Jesus ging zu ihm hin, holte ihn vom Baum und ließ sich von ihm nach Hause einladen. Dann las er ihm die Leviten und Zacharias änderte sein bisheriges Leben.

Auch in Deutschland gibt es zuweilen Einsicht in diese Zusammenhänge. Aber überall ist diese Denkweise des Neuanfangs noch nicht angekommen.

 

Grüße an den V-Schutz. Der war  bei CDU, FDP und SPD sehr tolerant, bei der AfD nicht.

 

Beitragsbild: Der Baum in Jericho, auf dem Zacharias gehockt hatte.