Nun erwischt es den unlustigen Hetzival

Noch zu Zeiten von Rolf Braun (1929 -2006), der 25 Jahre lang Sitzungspräsident von „Mainz bleibt Mainz“ war, diente der Karneval dazu ein klein wenig Dampf gegenüber der jeweiligen Regierung abzulassen, auch Seitenhiebe auf die Opposition kamen vor. Der Goldstandard war der Bote vom Bundestag Jürgen Dietz, der die Politik mit dem Florett auseinander nahm.

Jürgen Dietz ist gestorben und die neue Generation versteht Kritik ganz anders. Die Babyboomer vom Rhein sind übelriechende Hinternkriecher, die nur die archaische Keule als Totschläger beherrschen. Hier ein wirklich widerliches Exempel:

Ich habe noch Sitzungen aus der Russenzeit in Erinnerung, und ich hatte damals auch selbst Reden verfaßt. Man ist in den 80er Jahren an die Grenzen des Möglichen gegangen und hat immer wieder ausgetestet, wieviel Widersetzlichkeit die Partei gerade noch ertrug. Wenn man Beiträge mit Kritik an den amerikanischen Präsidenten Carter oder Reagan bzw. am polnischen Streikführer Walesa aufgeführt hätte, wäre man von den Narren ausgebuht worden. Die wollten damals unbedingt mittelscharfe Sachen gegen das eigene Establishment hören. Selbst feine Anspielungen wurden verstanden.

Wenn man den Mainzer oder Kölner Karneval mit dem in der zu Ende gehenden Russenzeit vergleicht, so kommt man um das Fazit nicht herum, daß die SED zumindest in der fünften Jahreszeit liberaler war, als die Nationale Front von Dr. Merkel. Köln und Mainz sind deutlich unter DDR-Niveau gesunken.

Ich mußte damals bei Dr. Gerlach von der Sektionsparteileitung der SED der HAB Weimar mit den fertigen Texten antreten, der Funktionär amüsierte sich und winkte fast alles durch. Er hatte den Spitznamen „der Vollmond“ und so ohne Ecken und Kanten war er auch. Von den Zensoren des ZDF und der ARD, die die Beiträge von „Mainz bleibt Mainz“ abnehmen, kann man das nicht behaupten.

Es gab natürlich auch in der Russenzeit einige harte Hunde. Der Zensor Hartmut Scheider von der Abteilung „Erziehung und Ausbildung“ hatte beim Architektenfasching einige Auflagen gemacht, Sprüche zu entfernen. Sie wurden weggemacht, aber in einer Fensterleibung stand dann an der Wand: „Kotab-Scheider ist dagewesen“. Jeder wußte, daß das Rache war.

Es drängt sich – was merkeltreue Mainstreamkasperei in Mainz, Düsseldorf und Köln betrifft – der Vergleich mt dem Dritten Reich auf. Es sind ja einige Filmdokumente erhalten geblieben. Wie schnell machen die Mächtigen aus dem Karneval einen Hetzival!

Und nun eine adäquate Probe von 2017 aus Düsseldorf:

Wie sich die Bilder gleichen. Aber der liebe Gott straft solche Sünden gegen den Frohsinn natürlich. Wegen Kórona sollen alle Veranstaltungen und Umzüge ausfallen. Damit auch die übliche Hetze gegen Trump, die AfD und Polen. Endlich Schluß mit Unlustig!

 

Grüße an den V-Schutz. „Löblich wird ein tolles Streben, wenn es kurz ist und mit Sinn.“ (Geheimrath v. Goethe)