Die Ertragslage der Banken hat sich verschlechtert

Meine Raiffeisen in Mellingen/Thür. hat jetzt nur noch einen halben Tag pro Woche offen, während die in der Schweiz rund um die Uhr arbeitet, mit einer ordentlichen Mittagspause allerdings. Die Commerzbank in Apolda hat ganz dichtgemacht. Auch die Sparkasse spart: die Filiale Magdala wurde aufgegeben. Zur Sparkasse muß man jetzt 15 Werst nach Apolda fahren, die Commerzbank liegt sehr kundenunfreundlich in der Fußgängerzone von Weimar.

Die Zahl der Sparkassenfilialen sank von 2020 bis 2022 von 8.318 auf 7.326, die der Genossenschaftsbanken von 7.765 auf 6.881.

Die Bundesbank berichtete über die Gründe:

Insgesamt gingen vom stark gestiegenen Zinsniveau im Jahr 2022 sowohl ertragssteigernde als auch ertragsbelastende Effekte aus. Einerseits trug es im Berichtsjahr maßgeblich zur Verbesserung des Zinsüberschusses der deutschen Banken insgesamt bei. Dessen außergewöhnlich kräftiger Anstieg um 11,4% war in erster Linie darauf zurückzuführen, dass Zinssätze im Kreditgeschäft schneller und stärker stiegen als im Einlagengeschäft. Damit erwies sich der Zinsüberschuss als Haupttreiber für den deutlichen Anstieg der operativen Erträge (+ 11,8%). Der Provisionsüberschuss verblieb dagegen auf dem Vorjahresniveau und war anders als im Jahr 2021 unbedeutend für die Verbesserung der operativen Erträge.
Andererseits führte das gestiegene Zinsniveau im Jahr 2022 zu einem deutlichen Anstieg des Netto Bewertungsaufwands auf das nahezu Viereinhalbfache des Vorjahreswertes; er lag mit 16,2 Mrd € zudem deutlich über seinem langfristigen Mittel. Auslöser waren vor allem hohe Abschreibungen auf festverzinsliche Wertpapiere sowie eine erhöhte Risikovorsorge im Kreditgeschäft. Darüber hinaus stiegen auch die allgemeinen Verwaltungsaufwendungen gegenüber dem Jahr 2021 um 3,3% an. Zusammen mit dem gestiegenen Netto Bewertungsaufwand wog dies den Anstieg der operativen Erträge mehr als auf
.

Auf Deutsch gesagt: Viele Banken, zum Beispiel meine Raiffeisen, zahlen immer noch keine Zinsen auf Einlagen, während zum Beispiel die Zinsen für Baukredite gestiegen sind. Die Abschreibungen auf festverzinsliche Wertpapiere – in der Regel ein beschönigender Ausdruck für verbriefte Staatsschulden – resultieren daraus, daß sich der Wert von älteren Schuldpapieren, die mit geringem Kupon ausgegeben wurden, bei steigenden Zinsen pulverisiert.

Zum Kreditgeschäft 2022 schrieb die Buba:

Das stärkste Wachstum (+ 19,4%) verzeichneten kurzfristige Buchkredite an inländische nichtfinanzielle Unternehmen und private Haushalte. Insbesondere nichtfinanzielle Unterneh men hatten bereits zu Beginn des Jahres 2022 einen hohen Finanzierungsbedarf für Lagerhal tung und Betriebsmittel aufgrund der Liefer kettenprobleme und Materialengpässe, die seit der Coronavirus- Pandemie bestanden. Ab dem Ende des ersten Quartals 2022 erhöhte sich der Finanzierungsbedarf und damit die Kreditnach frage der nichtfinanziellen Unternehmen weiter. Die wichtigsten Gründe dürften die zusätzliche Unsicherheit durch den Krieg in der Ukraine und dessen wirtschaftliche Folgen, Absicherung gegen steigende Zinsen sowie die weiter an ziehende Inflation gewesen sein.

Neben den kurzfristigen wuchsen auch mittelund langfristige Buchkredite an inländische nichtfinanzielle Unternehmen und private Haushalte im Berichtsjahr deutlich. Für dieses Wachstum waren erneut in erster Linie die Wohnungsbaukredite verantwortlich. Mit jahresdurchschnittlich 6,6% fiel deren Ausweitung allerdings etwas geringer aus als im Jahr 2021 (+ 7,1%). Ab dem dritten Quartal 2022 schwächte sich das Wachstum der Wohnungsbaukredite immer weiter ab, nachdem sich der Wachstumstrend des Vorjahres im ersten Halbjahr 2022 zunächst fortgesetzt hatte. Der allgemeine inflationsbedingte Kaufkraftverlust, deutlich gestiegene Baupreise sowie gestiegene Finanzierungskosten dämpften die Nachfrage der privaten Haushalte nach Wohnungsbaukrediten. Hinzu kam, dass die Banken angesichts gestiegener Kreditausfallrisiken die Kreditbedingungen im Neugeschäft weiter deutlich verschärften und die Ablehnungsquote erheblich anstieg.

Die Großbanken arbeiteten 2022 rentabler, als 2018, die Sparkassen und Genossenschaften im Gegenteil.

Zum laufenden Geschäftsjahr schreibt die Buba:

Inwieweit das steigende Zinsniveau nach kurzfristiger Belastung die Ertragslage der deutschen Banken mittelfristig stützt, bleibt abzuwarten. Im anhaltend schwierigen ökonomischen Umfeld nehmen ertragsbelastende Risiken bei den Instituten zu. Zwar ist zu erwarten, dass sich der weitere Wertberichtigungsbedarf auf festverzinsliche Wertpapiere infolge kleinerer Zinsschritte des Eurosystems und reduzierter Zinserwartungen der Märkte im laufenden Jahr verringert. Ob die zuletzt beobachtete Verbesserung des Zinsüberschusses allerdings weiter anhält, bleibt offen. Insbesondere dürfte sich
der Anstieg der Bestandsmarge im Kredit- und Einlagengeschäft62) der deutschen Kreditinstitute im Jahr 2022 als nicht nachhaltig erweisen: Auf der Aufwandsseite dürften sich hier steigende Einlagenzinsen niederschlagen, sollte der Wettbewerb um Einlagen und damit die Zinsweitergabe im Einlagengeschäft steigen. Zudem kommt das Kreditneugeschäft sowohl durch nachfrage- als auch durch angebotsseitige Faktoren zunehmend unter Druck (Stichwort: Neubaukrise), was über eine sinkende Neugeschäftsmarge ebenfalls die Bestandsmarge reduzieren könnte. Eine schwache gesamtwirtschaftliche Entwicklung könnte zu sätzlich zu einem Anstieg von Kreditausfällen führen.

Grüße an den Inlandsgeheimdienst: „Bringst du Geld, so findest du Gnade; sobald es dir mangelt, schließen die Türen sich zu.“ (Geh. Rath v. Goethe 1794, Reineke Fuchs)

Beitragsbild: Der Buka schreckt nach einem Bafin- und Cum-Ex-Horrortraum auf. Pastell von B. Zeller aus ZZ,