Freunde wie Weimer und Selenskyj
Um zum Freundeskreis von Friedrich Merz zu gehören sollte man schon ein schräger Vogel oder in finanziellen Sachen unsolide sein. Jetzt ist peinlicherweise zu allem Unglück nach der Entfernung des Korruptis Jermak aus dem Kiewer Machtzirkel auch noch ein Gedichtbändchen von Wolfram Weimer aus dem Jahr 1986 aufgetaucht.
„Unglück“ heißt ein Gedicht von Weimer: „überwuchert mit Eiterbeueln nötigt er die Schwangere zum Fleischreiben. Sein Pech daß sein Schwanz platzt. Ihr Pech daß warmer Eiter ihren Unterleib überflutet und das Kind ersäuft“. Phantasie hat er schon, und was für welche!
Eine andere Stilblüte: „und schlingen unsere Leiber, schlemmen unsere Fleischer, erschlagen unsere Zeiter und schlagen auf uns selber ein, zum Töten sind wir uns zu fein, verdampfter Lieberschleim“.
Muß man sowas Übelranziges absondern, um Kulturstaatssekretär zu werden? Weimer war 21, als er das gedichtet hat. Mit 18 ist man bereits wahlberechtigt.
Es gab 1912 schon mal ein ähnlich ekliges Gedicht des 26jährigen Gottfried Benn, die sog. Rattentrauer:
Der Mund eines Mädchens, das lange im Schilf gelegen hatte, sah so angeknabbert aus. Als man die Brust aufbrach, war die Speiseröhre so löchrig. Schließlich in einer Laube unter dem Zwerchfell fand man ein Nest von jungen Ratten. Ein kleines Schwesterchen lag tot. Die andern lebten von Leber und Niere, tranken das kalte Blut und hatten hier eine schöne Jugend verlebt. Und schön und schnell kam auch ihr Tod: Man warf sie allesamt ins Wasser. Ach, wie die kleinen Schnauzen quietschten!
Etwas abartige Kunst im Weimer-Stil war auch Frank Wedekinds Bänkelgesang „Tantenmörder“ (1897, Wedekind hat mit 33 Lenzen noch pubertiert):
Ich habe meine Tante geschlachtet.
Meine Tante war alt und schwach.
Ihr aber, oh Richter, ihr trachtet
Meiner blühenden Jugend-Jugend nach.
Ein unbekannter Autor des Spätkaiserreichs hatte – vermutlich inspiriert durch den Kolonialkrieg gegen die Hottentotten – das Spottlied „Durch die Wüste Kalahari“ geschaffen: „Schlimmer als des Durstes Qualen war die Angst vor Kannibalen. Kommt der Häuptling Wumba-Wu, reicht ne Tasse Eiter zu.“ Eine Strophe weiter: „Auf den Straßen fließt der Eiter, der Verkehr geht nicht mehr weiter, und schon mancher Straßenfeger stolpert über tote Neger.“ Schon wieder Ideenklau von Weimer?
Sowas gabs also schon länger. Gottfried Benn, Frank Wedekind und der unbekannte Liedermacher sind allerdings nicht Kulturbeamte geworden. Es gab damals noch keinen Kanzler Merz, dessen Talentsuche so glücklos war. Weil wir gerade einen Ausflug ins Spätkaiserreich gemacht haben: Etwas von der ungelenken Kommunikation des Kaisers Wilhelm II. hat Merz schon. Oder?
