Die Vertuschung des Niedergangs
Noch liegen nicht alle Jahresabschlüsse deutscher Kapitalgesellschaften vor, obwohl wir auf Mitte April zusteuern. Andere Länder sind da wesentlich transparenter, da viel schneller. Insbesondere Japan, die Vereinigten Staaten und Schweden haben viel mehr Tempo. Manchmal weiß man schon Ende Januar was im Vorjahr los war, mindestens aber zwei Monate nach Ende des Wirtschaftsjahrs.
Deutschland, Brasilien, China und Kasachstan nehmen sich dagegen alle Zeit der Welt.
Deutsche AGs müssen detaillierte Jahresabschlüsse nach internationalen Standards (IFRS) erstellen, einschließlich Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung, Anhang und Lagebericht. Dies ist in Amerika, Schweden oder Japan aber auch so.
Für börsennotierte deutsche Unternehmen gelten strenge Transparenzregeln und umständliche Abläufe. Der Abschluss muss vom Vorstand aufgestellt, vom Aufsichtsrat gebilligt und von einem Abschlussprüfer extern geprüft werden. Dieser Prozess dauert im Durchschnitt (DAX, MDAX etc.) oft 74 Tage, bei DAX-Konzernen im Schnitt 59 Tage. Die Berichte der Wirtschaftsprüfer sind mit Formalien überfrachtet, zum Beispiel mit einem Fragenkatalog nach § 53 HGRG (Haushaltsgrundsätzegesetz) oder mit dem ESG-Planerfüllungsstand.
Insbesondere die Tätigkeit von Wirtschaftsprüfern muß ich mal hinterfragen. Das böseste Beispiel für ein Desaster war Wirecard, In den Büchern stimmte alles, das Geld war aber auf den Konten nicht da. Ein anderes Unglück war in einer kommunalen Gesellschaft passiert. Türkische Lieferanten hatten leistungslose Rechnungen gestellt, die auch bezahlt wurden. Die Wirtschaftsprüfer sahen nicht nach, ob die gelieferten Gegenstände körperlich vorhanden waren. Es entstand ein Millionenschaden, während die Abschlüsse testiert wurden.
Ein anderer Fall. Ein Unternehmer hatte mit einer Stadt einen Vertrag über den Betrieb von Pumpen für das Freibad und den Friedhof geschlossen. Dadurch sollte alles billiger werden. Die Rechnungsprüfer stellten zwar fest, daß der Betrieb danach teurer war, als vorher, konnten aber die Ursache nicht finden, da rechnerisch alles stimmte. Nach Wochen der ergebnislosen Rechnerei wurde ich mit der Ursachenforschung beauftragt. Nachdem ich mich drei Tage in zwei dicken Ordnern der Prüfer dumm gelesen hatte, fuhr ich vor Ort. Eine von den abgerechneten Pumpen gab es schlicht nicht, der Springbrunnen auf dem Friedhof entpuppte sich als winziger Sprudelstein.
Der Immobilieninvestor Schneider führte die Prüfer auf andere Baustellen, wo der Bautenstand etwas weiter war. Das war einfach, weil Baustellen keine Hausnummern haben und für Prüfer das Gelände etwas schmutzig ist, wo man schnell wieder weg will.
Kurz gesagt, die gelackten Wirtschaftsprüfer braucht es nicht. Es sind kompetente Leute erforderlich, die einfach nachschauen ob etwas da ist, was in den Büchern steht. Dafür braucht es keine Monate.
Es wird Zeit, daß mit der Kettensäge aufgeräumt wird, und die Bürokratie auf das Notwendige zurechtgeschnitten. Es ist gesamtwirtschaftlich zweckäßig, über die Leistungsfähigkeit der Unternehmungen schneller im Bild zu sein.
