Ratlosigkeit nach Unfall

Auf der Bundesautobahn bei Bramsche war ein Lkw mit Stickstoff umgekippt und Stickstoff trat aus.

Stickstoff ist ein farbloses, geruchloses und geschmackloses Gas, das den größten Teil der Luft ausmacht (etwa 78% Volumenanteil). Stickstoff kommt auch in organischen Verbindungen wie Aminosäuren, Proteinen und DNA vor und ist daher für alle lebenden Organismen unentbehrlich.

Stickstoff ist ein sehr reaktionsarmes Element und bildet normalerweise keine Verbindungen mit anderen Elementen oder Molekülen. Es kann jedoch unter bestimmten Bedingungen wie hohem Druck und Temperatur mit anderen Elementen wie Sauerstoff, Wasserstoff und Kohlenstoff reagieren, um Stickoxide, Ammoniak und andere Verbindungen zu bilden.

Der Transport in flüssiger Form ist die wirtschaftlichste Methode für Großkunden, da flüssiger Stickstoff extrem verdichtet ist (1 Liter flüssig ergibt ca. 690 Liter Gas). Der Transport erfolgt in hochmodernen Tankwagen mit vakuumisolierten Doppelwand-Tanks (ähnlich einer riesigen Thermosflasche). Diese Tanks bestehen meist aus Edelstahl im Inneren und Kohlenstoffstahl außen. Sie halten den Stickstoff dauerhaft bei rund -196 °C. Erwärmt sich der Stickstoff, zum Beispiel nach einem Unfall, dehnt er sich gewaltig aus. Der Druck entweicht durch ein duales oder redundantes System aus federbelasteten Sicherheitsventilen (Pressure Relief Valves). Als sekundäre Absicherung sind Berstscheiben (Rupture Discs) verbaut. Dies sind dünne Membranen, die bei einem plötzlichen, extremen Druckanstieg (z. B. bei einem Unfall oder Totalausfall der Vakuumisolierung) kontrolliert reißen. Sie sind in der Regel auf 125 % bis 150 % des maximalen Designdrucks eingestellt und verhindern das katastrophale Bersten des Stahltanks.

Die einzige Herausforderung ist es, den Fahrer aus der Kabine rauszuholen und zu versorgen. Ansonsten kann nichts passieren. Das Meeting von 100 Einsatzkräften ist aus meiner Sicht unverständlich, da das Gas in die Luft entweicht, die ohnehin überwiegend aus Stickstoff besteht. Wichtigtuerei?

Die Sperrung in Fahrtrichtung Süden dauerte knapp 5,5 Stunden (von ca. 08:55 Uhr bis 14:15 Uhr). In Fahrtrichtung Bremen/Hamburg (Norden) dauerte die Sperrung aufgrund aufwendiger Bergungsarbeiten rund 11,5 Stunden (von ca. 08:55 Uhr bis 20:30). Ich frage mich, warum die Gegenfahrbahn überhaupt gespert wurde.

Der Einsatz zeigt die Ineffizienz des politischen Systems, wo niemand mehr das geringste Risiko eingeht. Letztlich wird Steuergeld verschleudert und volkswirtschaftlicher Schaden angerichtet.

Auf der BAB A 9 zwischen den Anschlussstellen Dittersdorf und Triptis am 9. April 2026 kam es auch ohne Gefahrgut zu einer Sperrung von etwa 15 Stunden. Hunderte Lkws verloren einen Tag. Der Unfall ereignete sich am frühen Donnerstagmorgen gegen 03:00 Uhr, als ein Lkw auf das Absicherungsfahrzeug eines wegen eines Defekts liegengebliebenen Tinyhouse-Transports auffuhr. Nach den aufwendigen Rettungs-, Ermittlungs- und Bergungsarbeiten war die Fahrtrichtung gegen 17 Uhr immer noch nicht freigegeben. Umstand pur!