Der Kampf gegen Zucker und Kernenergie
In einer Broschüre der HJ hieße es: „Ernährung ist keine Privatsache … “ Der Pimpf habe die Pflicht gesund zu sein, was man durch richtige Ernährung erreichen könne. Nun würde man aber viel zu kurz greifen, wenn man Daniel Günthers oder Renate Kynasts Zuckerphobie aus dem Nationalsozialismus herleiten würde, denn sie gab es schon in der Lebensreform um 1900. Umgekehrt war der Nationalsozialismus eine Fortentwicklung der oft übergriffigen Jugendbewegung.
Die Kohlrabiapostel des ausgehenden 19. Jh. wollten angesichts von Verstädterung und Industrialisierung den schädlichen Einflüssen der Zivilisation entgegenwirken. Hauptsächliche Schlachtfelder solcher Bemühungen waren Sport und Ernährung. Bei der Ernährung bedeutete das oft den Verzicht auf Fleisch, Milch, Käse und Eier. Kritisch stand man dem Kochen gegenüber und mampfte wie die Hasen Rohkost. Ich habe mal zugeschaut, wie ein paar Frauen in der Mittgspause ihre Salatportionen verzehrt haben, Das war Schwerarbeit. Genussmittel waren für den Küchentisch-Wächterrat seit jeher tabu: Alkohol und Tabak, Kaffee, Tee und Gewürze, Salz und natürlich Zucker.
Denn durch Verbilligung waren um 1900 ehemalige Luxusgüter wie Weißbrot, Zucker, Kaffee und Schnaps zu Grundnahrungsmitteln im stressigen Alltag der ärmeren arbeitenden Bevölkerung geworden.
Die Hitlerjugend warb in ihren Broschüren für Pellkartoffeln, Sojamehl, Vollkornbrot, Rohkost, Milch und Obst, Fleisch sollte eingeschränkt verzehrt werden. Hintergrund der Propaganda war neben der Gesundheit die Einsparung von Nahrungsmittelimporten.
Die Vollwerternährung hatte nach dem Krieg hungerbedingt ihre prominente Stellung in den Kochbüchern verloren. Ihre Agitatoren verlagerten ihre propagandistischen Tätigkeiten in das verbliebene lebensreformerische Milieu, was nach 45 dünn gesäht war. Großmutter aß manchmal noch „Siemonsbrot“, wenn etwas ähnliches erhältlich war. Ich hab da gestreikt, genauso wie beim Lebertran.
Jörg Albrecht hat in seiner Dissertation „Vom „Kohlrabi-Apostel“ zum „Bionade-Biedermeier“: Zur kulturellen Dynamik alternativer Ernährung in Deutschland“ den roten Faden zwischen Lebensreform und den Grünen aufgespürt:
„Konkret können gewisse personelle Kontinuitäten verfolgt werden, die sich im Zusammenhang mit der
Vollwerternährung von der Zeit des Nationalsozialismus bis in die Gegenwart erstrecken und dieser Alternativen Ernährungsform über verschiedene Personen und Organisationen eine dauerhafte Anhän
gerschaft im ernährungsreformerischen, ernährungswissenschaftlchen und medizinischen Feld sowie einen stabilen Platz im kollektiven Bewusstsein verschafft haben. Als Beispiel dafür möchte ich Max Otto Bruker (1909–2001) anführen, der in den 1970er Jahren – neben dem Zahnarzt Johann Georg Schnitzer (1930) – als bekanntester Verfechter der Vollwertlehre gelten kann: Seine Bedeutung für die alternative Naturkostbewegung verdeutlicht sich daran, dass er – gegen seinen Willen und nach einer juristischen Auseinandersetzung mit der „Radikalökologin“ und ehemaligen Grünen-Politikerin Jutta Ditfurth Anfang
der 1990er Jahre – „als Scharnierstelle zwischen Ökologie- und Naturkostbewegung auf der einen Seite und Neonaziszene auf der anderen Seite bezeichnet“ werden darf.
Bruker studierte Medizin, war Internist und SA-Mitglied sowie Anwärter auf Mitgliedschaft im „Nationalsozialistischen Deutschen Ärztebund (NSDÄB)“. Als Assistenzarzt lernte er Ende der 1930er
Jahre auch die Methoden der Naturheilkunde und Homöopathie kennen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er Leiter verschiedener Kliniken, in denen er die Vollwertkost therapeutisch einsetzte bzw. all
gemein die Krankenverpflegung darauf umstellte. Die damit erzielten Erfolge motivierten ihn, die Prinzipien der Vollwerternährung öffentlich zu propagieren und gleichzeitig die herkömmlichen Ernährungsgewohnheiten wegen der ihnen zugeschriebenen Gesundheitsschäden zu kritisieren. Aufsehen erregte Bruker ab Ende der 1950er Jahre mit seinen sogenannten „Kampfschriften“: In diesen polemisierte er vor allem gegen die Verwendung von Zucker und Auszugsmehlen, welche er in der Tradition der Ernährungsreform und der Vollwerternährung bzw. der nationalsozialistischen Gesundheitsprävention für die „Zivilisationsschäden“ verantwortlich machte. (…) Bruker versuchte darüber hinaus erfolglos seine Ansichten in die Gesundheitspolitik einzubringen. Für besondere Sympathien im entstehenden Alternativen Milieu könnte seine relativ frühe öffentliche Positionierung gegen die Atomkraft gesorgt haben. Bereits im Juli 1968 verfasste Bruker unter dem Titel Der Notstand der Demokratie – aufgezeigt am Kernkraftwerk Würgassen „[…] eine[n] der ersten überregionalen deutschen Brandartikel gegen die zivile Kernkraft“. Dass seine Einschätzung, nach der „die Hauptgefahren der Radioaktivität in der Erbschädigung“ lägen, allerdings etwas mit eugenischen Positionen zu tun haben könnten, scheint den meisten Akteuren aus dem Alternativen Milieu, die sich für Ernährung interessierten, nicht bekannt gewesen zu sein, wie die Auseinandersetzungen um Ditfurths Einschätzungen später zeigten. Zwar engagierte sich Bruker 1978 in der „Grünen Liste Rheinland-Pfalz“, aber ebenso und bereits längere Zeit in einer teils völkisch biologistisch orientierten Organisation: Dem „Weltbund zum Schutz des Lebens“.
Wir sehen hier, wie unglücklich Daniel Günther mit seiner Zuckersteuer ein überliefertes ernährungspädagogisches Minenfeld betritt, nur um den Geruch des Northvolt-Versagers irgendwie zu überdecken. Immerhin, was die Kernkraft betraf, gehörte er nicht zu den schlimmen Saboteuren und Hetzern: Günther plädierte 2022/23 dafür, die Kernkraftwerke nicht wie geplant abzuschalten, um Netzstabilität und günstige Strompreise zu gewährleisten. Er sah den Weiterbetrieb als notwendiges Mittel, um auf die Energieknappheit zu reagieren. Allerdings war die Union damals in der Opposition und nach dem Regierungsantritt von Merz waren alle guten Vorsätze vergessen.

Papperlapapp, es bleibt nach wie vor bei dem Bestseller von Graf Dracula : “ Richtig ernähren ….. länger Leben !
Positiv zu vermerken ist kylie jenner mit Zigarette, Kim kardashian mit Pelzmantel.
Die Stars geben die Richtung vor.