Die Zeitschrift „fairkehr“ sollte in „Fakekehr“ umbenannt werden


Wikipedia ist eine nie versiegende Quelle von höherem Blödsinn. Heute wollte ich mal wissen, was Katharina Schulze von den Bayerngrünen auf ihrem Spaßtrip nach Kalifornien an Ökoenergie verjubelt hat. Ich stieß bei Wikipedia auf folgende Angaben:

Im Zusammenhang mit Mobilität verbrauchen z. B. Fahrräder pro Personenkilometer 0 kWh, Pedelecs 0,008, U-Bahnen 0,02, Straßenbahnen 0,08, Omnibusse 0,13, Züge 0,19 sowie (Personen)-KFZ 0,56 kWh.

Als Quelle wurde die Zeitschrift fairkehr 8/2017 des Verkehrsclub Deutschland e. V. angegeben. Ist schon speziell: Bei den Grünen geht Radfahren ohne Energie.

Aber wer schickt schon sein Fahrrad allein auf die Reise. Es würde nicht einen Meter weit kommen ohne Fahrer. Ein Mensch bringt wenn er sich ordentlich anstrengt, mit den Beinen eine Leistung von 0,1 kW. In einer Stunde also 0,1 kWh Arbeit. Wenn er auf dem Fahrrad 10 Kilometer in der Stunde schafft, werden pro Kilometer also 0,01 kWh verbraucht. Um diese geringe Arbeit zu erbringen braucht es etwa den dreifachen Input, da der Mensch nur einen Wirkungsgrad von etwa 33 % hat. Zwei Drittel sind Energieverlust durch Abwärme (Schwitzen), Warmwasserverluste (Zinkeln), innere Reibung im Gedärm und alles mögliche, was ich mit Rücksicht auf meine Leserinnen übergehe. Pro Kilometer also 0,03 kWh Energieeinspeisung über Nahrung.

Nun kann der Mensch in unseren Breiten von Nahrung allein nicht leben. Pro Kopf werden nach Wikipedia jährlich 28 GJ Raumwärme, 5,5 GJ Warmwasser, 4,0 GJ Beleuchtung verbraucht, zusammen etwa 38 GJ. Nicht nur im eigenen Heim, sondern auch bem Arbeitgeber und im öffentlichen Raum. Ein GJ sind 278 kWh. 38 GJ sind also 27.800 kWh. Wenn man die menschlichen Betriebsstunden auf 5.500 im Jahr ansetzt, so kommt man auf 5 kW erforderliche Leistung pro Stunde.

Für den Radfahrer kämen also noch einmal 0,5 kW pro km dazu, wenn er 10 km pro Stunde schafft. Der Radfahrer bringt also eine Arbeit von 0,0 für das Fahrrad, 0,03 kWh für das Essen und 0,5 kWh für Wärme und Zivilisation auf die Waage. Fällt Ihnen da was auf? Im Fahrrad steckt ja entgegen der Angaben des Verkehrsclubs Deutschland auch Herstellungsenergie und die Energie für die Herstellung einer Wohnung des Radfahrers braucht es ja auch noch.

Das BIP betrug 2017 in Deutschland 3277 Mrd. €. Dazu wurden rund 4.000 PJ Energie benötigt. Pro € BIP wurden etwa 0,34 kWh verbraucht. Für ein Fahrrad zu 500 € nach dem Dreisatz also ganz rund geschätzt 170 kWh. Fährt das Fahrrad 10.000 km bis zur Verschrottung sind das 0,017 kWh/km.

Nun braucht der Radfahrer auch eine Wohnung. Die kostet 500 € Miete im Monat, so sind das ebenfalls 170 kWh, die abgestottert werden, pro Stunde also 0,24 kWh. Schafft man in der Stunde 10 km mit dem Rad sind das noch einmal 0,024 kWh pro km.

Der Energieverbrauch eines in den deutschen Vorschriftenwald eingebetteten Radfahrers liegt also nicht bei Null, sondern irgendwo zwischen 0,5 und 0,7 kWh pro km.

Und nun kommt das Verblüffende: Diese Arbeit fällt ja beim Autofahren auch an. Blos, daß man da nicht 10, sondern 100 Kilometer pro Stunde schafft. Pro Kilometer hat der in seiner Zivilisation gefangene Mensch (mit Wohnung, Nahrung, Licht, Heizung, Warmwasser…) dann nur einen Energieverbrauch von 0,05 bis 0,07 kWh, die zu den vom Verkehrsclub berechneten 0,56 kWh dazukommen.

Ob der spastige Verkehrsclub in seinen 0,56 kWh pro km die Herstellungsaufwändungen des Fahrzeugs schon erfaßt hat? Weiß man nicht. Typisch grüne Intransparenz. Die behaupten mal irgendwas, der Rest ist fester, unerschütterlicher Glaube. Die leben intellektuell noch vor Kopernikus und Galilei.

Wenn man den Fahrer einbezieht, ist der Energieverbrauch des Rad- und des Autofahrers pro Kilometer fast pari. Wenn das Auto mit zwei bis vier Personen besetzt ist, ist es dem Fahrrad energetisch haushoch überlegen, den dann teilen sich die 0,56 kWh ja durch zwei bis vier. Gut, bei vier Personen Besatz steigt auch der Verbrauch etwas. Kommt drauf an, ob die Fahrgäste einen so guten Ernährungszustand aufweisen wie der Abgeordnete Bütikofer.

Wenn das Auto dem Fahrrad nicht wirtschaftlich und energetisch überlegen wäre, wäre es nie erfunden und weiterentwickelt worden.

Was Katharina Schulze auf ihrem Trip nach Kalifornien nun verflogen hat, weiß ich immer noch nicht, weil den Verkehrsclub das nicht interessiert. Wahrscheinlich wegen den grünen Vielfliegern. Schon Tom Petty hatte Sorgen, daß Katharina nach dem Abheben nicht weder unten ankommt.

Ich lerne fliegen, aber ich habe keine Flügel
Herunterkommen ist das Schwierigste
Ja, und fliege über meine Probleme, fliege über meine Sorgen
Ich lerne fliegen, aber ich habe keine Flügel
Fliege hoch in den blauen Himmel und schaue auf die Welt unten
Herunterkommen ist das Schwierigste
Ich lerne fliegen, aber ich habe keine Flügel
Runterkommen, Baby, das ist das Schwierigste

5 Kommentare zu “Die Zeitschrift „fairkehr“ sollte in „Fakekehr“ umbenannt werden

  1. Gute Aufstellung. Nur eine Kritik: 100 km/h mit dem Auto sind zu hoch angesetzt. Ich habe im letzten Jahr (20.000 km) einen Schnitt von 60 km/h geschafft (guter Drittelmix).

  2. Sehr geehrter Herr Dr. Prabel!
    Schon zu DDR-Zeiten zu Beginn der 80iger wurde zum Energiebedarf im gesamten Lebenszyklus von Baustoffen – konkret Dämmstoffen – an unserer gemeinsamen Wirkungsstätte am WB von Prof. Harry B. geforscht.
    Die Aufgabe war einfach formuliert unter den Randbedingungen der wirtschaftlichen Not in der DDR:
    Lohnt es sich, die Energiemenge X für einen Dämmstoff von der Gewinnung seiner Rohstoffe, über seine Herstellung, Transport und Verarbeitung bis hin zum späteren Austausch/Abriß und Entsorgung mit dem Ziel zur Einsparung von Heizenergie der Menge Y aufzuwenden?

    Das Ergebnis war eindeutig.
    Auch ohne politische Motivation, weil auf naturwissenschaftlicher Basis mit Sachverstand ermittelt.

    Es gab einen marginalen Unterschied zu heute:
    Die Berabeiter dieser Untersuchung hatten (welch Wunder) einen erfolgreichen Hochschulabschluß hinter sich, noch dazu in einem fachlich naheliegenden Gebiet. Niemand von denen hatte nur am Bodensee tote Wasservögel gesammelt oder in den Anden Blümchen gepflückt, um Jahrzehnte später die Menschen mit unsinnigen Verboten und einer lebensfernen Ideologie zu traktieren.

    • Harry hat leider mit Preisen geforscht, die noch verzerrter waren, als die heutigen. Eine vernünftige Forschungskulisse fängt mit Preisen an, die hinsichtlich des Herstellungsaufwands einen gewissen Info-gehalt haben. Aber damals wie heute waren die Herrscher ja noch stolz darauf im Nebel zu stochern… Primat der Politik über die Ökonomie nannte Trittin das.

      • Über „die Preise“ sind wir uns ja einig.

        Selbst verzerrungsfreie Preise hätten nichts am Ergebnis geändert – weder damals, noch heute.

        „Der Preis ist das,. was es kostet.“ (H.B.)

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