Frauen in der Politik – wirklich ein Gewinn?

Frauen in der Politik gab es immer schon. Und wenn es die Germanenfrauen waren, die ihre Männer am Rande des Schlachtfelds anspornten. Maria Theresia gebar 16 Kinder, die russische Zarin Katharina II. hatte drei Kinder. Und nebenbei waren Großreiche zu regieren. Die Schriftstellerin Madame de Staël wurde mit 23 erstmals Mutter und bekam 5 Kinder. Alles Frauen, die Beruf und politische Karriere miteinander verbanden. Cleopatra, Golda Meir, Indira Gandhi, Benazir Bhutto, Anna Amalia, Margaret Thatcher, Königin Bona, Katharina von Medici. Fast in jeder Epoche der Weltgeschichte und fast in jeder Weltengegend waren Frauen am Ruder.

Lediglich während der Lebensreform wurden Frauen aus Politik, Kunst und Kultur unter dem Einfluß Friedrich Nietzsches weitgehend herausgehalten. Er hatte folgende galante Stichwörter gegeben:

Noch ist das Weib nicht der Freundschaft fähig: Katzen sind immer noch die Weiber, und Vögel. Oder besten Falles, Kühe“

Ach, diese Armuth der Seele zu Zweien! Ach, dieser Schmutz der Seele zu Zweien! Ach, dieses erbärmliche Behagen zu Zweien!

Nun, ich mag ihn nicht, diesen Himmel der Überflüssigen! Nein, ich mag sie nicht, diese im himmlischen Netz verschlungenen Thiere!

Würdig schien mir dieser Mann und reif für den Sinn der Erde: aber als ich sein Weib sah, schien mir die Erde ein Haus für Unsinnige.

Ja, ich wollte, dass die Erde in Krämpfen bebte, wenn sich ein Heiliger und eine Gans mit einander paaren.

Dieser ging wie ein Held auf Wahrheiten aus und endlich erbeutete er sich eine kleine geputzte Lüge. Seine Ehe nennt er´s.

Fidus hat 1901 in seinem Entwurf eines Kopulationstempels „Tempel der Erde“ einige Hinweise zum nietzscheanischen Mann-Frau-Verhältnis gegeben. Auf der Frauenseite gibt es den Saal der Lust, die Halle der Gefühle und den Saal der Sehnsucht, die Männer gehen durch den Saal des Ehrgeizes, die Halle des Willens und den Saal der Liebe bevor in der Halle der Ergebung die Zuteilung der Paare erfolgt. Massenhochzeiten wie in Korea waren vorgesehen.

Auch im ach so progressiven Bauhaus herrschte dank den dort zelebrierten Werten von Friedrich Nietzsche reformistische Frauenfeindlichkeit. Gropius verortete in seiner allgemeinen ahistorischen Formen- und Raumlehre das Dreieck, die Farbe rot und den Geist bei der Männlichkeit, das Quadtrat, die Farbe blau und die Materie bei den Weibern. Klee definierte das Genie selbstverständlich als männlich, als er es 1928 in der Zeitschrift „bauhaus“  mit „zeugung“ verglich. Er stand damit in einer Denktradition für die, ausgehend von Nietzsche, Schöpfertum und Männlichkeit weitgehend identisch waren. In Weimar und Dessau waren Männer Kulturwesen und Frauen Naturwesen. Folglich verfrachtete der Meisterrat die Frauen in die Webereiwerkstatt, die als „Frauenabteilung“ geführt wurde. Aus dieser Rollenverteilung kam man als Frau nur – typisch für sozialistische Systeme – mit Protektion heraus. Im Bereich Bau und Ausbau gab es unter den Absolventen folglich nur vier Schneewittchens unter hunderten Zwergen.

Wo war die Madame de Stael, wo waren Charlotte von Stein, Angelika Kaufmann, Anna Amalia, Maria Theresia, die Günderode, Bettina von Arnim, Annette von Droste-Hülshoff, Marie-Antoinette, die Frau von Göchhausen des 20. Jahrhunderts? Wo waren um die Jahrhundertwende die selbstbewussten Frauen geblieben? In einem Moment, wo das Frauenwahlrecht eingeführt wurde, war der Einfluß von Frauen im deutschen Politik- und Kulturbetrieb auf den historischen Tiefpunkt gesunken. Rosa Luxemburg wurde noch schnell erschossen, so dass Käthe Kollwitz, Clara Vieweg, Clara Zetkin, Else Lasker-Schüler und Ricarda Huch in einem sich ständig ausdehnenden Meere von dichtenden, politisierenden, malenden und komponierenden Männern fast allein zurückblieben. Die Tendenz der zurückgehenden Zahl von Frauen als Dichterinnen, Politikerinnen und Schriftstellerinnen hatte sich bereits im ganzen 19. Jahrhundert verstärkt; als Nietzsche die Frau endlich in den Kuhstall stellte, hatte sie den Zenit ihres Einflusses längst überschritten.

In der Literatur des ausgehenden 19. Jahrhunderts wurde ihre Rolle neu definiert: Wedekind beschreibt seine Lulu als wildes schönes Tier, und Clara Vieweg biologisierte die werktätige Frau bis zur animalischen Stilisierung:

„Ihre Pupillen vergrößerten sich, ihre geschmeidigen Glieder duckten sich zum Sprung, nun tauchte ihr Gesicht mit den zitternden Nasenflügeln dicht vor dem seinen auf – ein Kuß und ein Biß brannten auf der Wange…“

Eine ähnliche Rolle spielte die fünfzehnjährige Marcella im Kreis der „Brücke“-Kommunarden. Wenigstens wurden Frauen im biologistischen Milieu nicht ignoriert, aber das ihnen zugestandene Aktionsfeld lag zweifelsfrei nicht auf intellektuellem Gebiet. Dem gefühlsbetonten Geist der Zeit entsprechend wurde die weibliche Lust aus ihrem natürlichen nervlichen Zusammenhang mit dem Gehirn herausdestilliert, verselbständigt, aufgebauscht und überhöht. George Grosz stellte in „Der Schuldige bleibt unerkannt“ die Frau als Täterin dar, die als Prostituierte ihre Macht über die Freier ausspielt, seine eigene Frau stellte er in „Daum marries her pedantic automation george in may 1920, john heartfield is very glad of it“ als aufreizende sexuelle Provokateurin dar, sie schaut im wahrsten Sinne des Wortes etwas blöd aus der Wäsche. Ständig geil und möglichst doof, so wollte das der reformistische Mann.

Deutschland fällt immer von einem Extrem ins andere. Es hat mit kranken Politikern und verrückten Medien zu tun, wenn der Bogen der Erwartungen an Frauen in der Politik heute überspannt wird. Die Hoffnungen sind zu hochgeschraubt, um erfüllt werden zu können.  Wenn die Protagonisten der Frauenquoten sich mal in Osteuropa umgesehen hätten, wo Gleichberechtigung schon seit Menschengedenken propagiert und teilweise praktiziert wurde, wären sie weniger euphorisch und hätten ein realeres Bild. Bereits damals im Ostblock gab es zur frühzeitigen Warnung wahre Monsterfrauen in der Politik. Zum Beispiel die Zwangsadoptionsministerin Margot Honecker, die Blutrichterin Hilde Benjamin und die Einkaufsweltmeisterin Elena Ceaușescu.

Aktuell haben wir in Deutschland zahlreiche regierende und opponierende Frauen. Doch was sind das für Karikaturen! Angela Merkel, Claudia Roth, Katrin Göring-Eckardt, Astrid Rothe-Beinlich, Barbara Hendricks, Manuela Schwesig, Hannelore Kraft und Simone Peter. Es scheint eine Negativauslese des schönen Geschlechts nach oben gespült zu werden. Was bei den Männern im Bundeskabinett und in der Landespolitik übrigens auch der Fall ist. Solche Sympathieträger wie Heiko und Ralf dominieren unsere verqueeren Nachrichten.

Es wird sich das zeigen, was schon seit Cleopatra galt: Den Unterschied macht nicht das Geschlecht, sondern der Politikstil und das Geschick. Entscheidend ist, ob es sich um Frauen mit der Mentalität einer BDM- oder FDJ-Führerin handelt, oder ob sie auch mal einen Plan B haben, um mit demokratischen Mitteln zum Ziel zu kommen und andere Leute zu überzeugen und mitzunehmen.

Mit Bundeskanzler Frau Dr. Merkel ist das deutsche Parlament zu oft ausgeschaltet worden, europäische Kollegen wurden in außenpolitischen Entscheidungen übergangen, so daß der ehemalige französische Präsident im Nachhinein bedauerte, daß Merkel alleine mit dem türkischen Präsidenten verhandelt habe. Ein in der Bunderepublik bisher nicht gekanntes Demokratiedefizit ist das Markenzeichen der Kanzlerin. Die Atomausstiegsentscheidung, die Grenzöffnung, die Griechenlandrettung, die Förderung für das Elektroauto. Boshafterweise kann man ihr vorwerfen, der am meisten am Parlament vorbeiregierende deutsche Kanzler seit Adolf Hitler zu sein.

Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Virginia Raggi aus der Bewegung der 5 Sterne hat Rom erobert. In Turin wird Chiara Appendino regieren. Beide sind noch nicht in Großorganisationen verdorben worden und versprechen mehr Transparenz und Bürgernähe. Falls es doch schief gehen sollte: Sie sehen wenigstens besser aus, als Frau Dr. Merkel, Fräulein Roth oder Bundesministerin Hendricks.