Gehen Sie einmal in unsere großen Städte, und es wird Ihnen anders zu Muthe

Städte hatten früher den Vorteil, daß man mit kurzen Wegen viel erledigen konnte. Dienstleistungen, Wohnen, Arbeit und Vergnügen gab es auf engstem Raum. Nach 1960 wurde das Gewerbe wegen Lärm und Emissionen rausgeekelt. Teilweise gingen die Industriellen und Handwerker auch freiwillig, weil das Bauland zu teuer und die Gewerbesteuern zu hoch waren. Dann kam die Auswanderung der Familien nach den Vorstädten und ins Umland. Das sagt alles über die Trostlosigkeit der Stadt aus.

Im neuen Jahrtausend begannen auch noch die Büros sich aus der Innenstadt zu verabschieden. Zu schlechte Erreichbarkeit für die Kunden, keine Parkplätze für die Beschäftigten, außer Rand und Band geratene Viren in Großraumbüros. Und aktuell wird auch das Einkaufen in Passagen und Malls zunehmend uninteressant, weil alles geschlossen wurde. Die große Zeit der Kaufhäuser ist schon lange vorbei. Einkaufen kann man ganz ohne Blitzer und Parkhausgebühren wenn man im Internet bestellt. Naturheilerpraxen, Apotheken, Spielotheken, Burger King, Wettbüros, Starbucks, Pflegeheime, Ordnungsämter, Dönerbrater, Pimkie und Bijou Brigitte, Barbershops, Sanitätshäuser, Asialäden, Hörgerätehändler, Mc-Geiz-Filialen, Optiker und Krankenkassen beleben das Stadtbild nach wie vor. Aber wie lange noch?

Der Verkehr wird in Deutschland langsam aber sicher aus den Städten ferngehalten. Weimar ist inzwischen mit Blitzern und Parkuhren regelrecht gespickt. In Erfurt sind die Parkhäuser schlicht zu teuer und Apolda hat sich die letzten Jahre feingemacht. Seitdem kostet das Parken Geld. Lediglich in Magdala macht das Einkaufen noch Spaß, da gibt es einen Bäcker, einen Fleischer, eine Raiffeisen, einen Elektroladen, den Getränkeshop, einen Blumenladen und einen Lebensmittel. Ich glaube das wars. Den Rest muß man im Internet bestellen.

Heute rieb ich mir die Augen, als ich in eine Mainstreamgazette reinschaute: Die grüne KGE will die Innenstädte retten. Find ich gut. Dazu müßte man erst mal die Grünen wegen ihren vielen Verboten verbieten und bei einem Subbotnik alle Parkuhren sowie überflüssige Verkehrsschilder wegflexen. Die ganzen Satzungen wegen Sondernutzungen müßten auf dem Marktplatz verbrannt werden und die GEZ abgeschafft. Dann müßten Dr. Merkel und ihr Epidemiestab in ein Schiff nach Chile gesetzt werden und der Handel wieder in Gang gebracht, von mir aus im Winter sogar mit Maske. Das Wirtschaftsministerium müßte auf den Plätzen Schnelladesäulen für Glühwein aufstellen und die Frauenunion müßte Kuchen backen und kostenlos verteilen, wenn es sein muß mit Pfannkuchenquote und Quarkförderprogramm.

 

Grüße an den V-Schutz. „Aber gehen Sie einmal in unsere großen Städte, und es wird Ihnen anders zu Muthe werden. Halten Sie einmal einen Umgang an der Seite eines zweiten ›Hinkenden Teufels‹ oder eines Arztes von ausgedehnter Praxis, und er wird Ihnen Geschichten zuflüstern, daß Sie über das Elend erschrecken und über die Gebrechen erstaunen, von denen die menschliche Natur heimgesucht ist und an denen die Gesellschaft leidet.“ (Geh. Rath v. Goethe zu Eckermann am 12.02.1828)

 

8 Antworten auf “Gehen Sie einmal in unsere großen Städte, und es wird Ihnen anders zu Muthe

  1. Die Rettung ist schon nah. Sondersteuer auf online order und das Geld, was davon übrig bleibt wird verteilt. Vermutlich werden die Einnahmen die Verwaltungskosten nicht oder kaum decken. Dafür wurde neue Plätze zur „Beschäftigung“ geschaffen. Die Erhöhung dieser Steuer steht dann bereits fest. Wieso erinnert mich das jetzt an die Sozial-, Finanz- und Wirtschaftspolitik der letzten 50 Jahre?

  2. Ich habe nach der Wende in einer Kleinstadt der Mark im arbeitsamtlich beaufsichtigten Umschulungssystem für Arbeitssuchende aus den stillgelegten örtlichen VEB als Trainer gearbeitet. Da gab es Versuche der Stadtverwaltung, für die Aufenthaltsbenutzung der Bürgersteige und Plätze eine Kommunalgebühr zu erheben. Die Stadt brauchte unbedingt Einnahmen.
    Das Geschäft ging so: Die Gastwirte mussten für Sitzplätze vor ihren Lokalitäten Gebühren an die Stadt entrichten, was ja auch noch normal und heute noch vertretbar ist. Der Kauf einer Bockwurst mit Brötchen hatte es in sich, man bezahlte, auch wenn man sie stehend aß, diese Kommunalgebühr im Preis immer mit. Einige Leute haben sich darüber aufgeregt, weil sie meinten, es dürfe nicht sein, dass das bloße Herumstehen auf dem Bürgersteig Geld kostet. Es gab nämlich Gastwirte mit Imbisständen, die von Leuten, die nur so herumstanden ohne eine Bockwurst zu kaufen, eine adäquate Herumstehgebühr verlangten.
    Um den Ärger nicht noch auszuweiten, verfügte die Stadtverwaltung, dass diese Preisaufschläge nur von der Benutzung der Stühle und Bänke in der Hauptgeschäftsstraße einschließlich Marktplatz durch die Gastronomie zu erheben sei.
    So fing es an und war für die, die das alte Vorwende-Regime los werden wollten, ein Kulturschock. Wie man an Erfurt und Weimar sieht, hat sich die innerstädtische Abzocke scheibchenweise in einer Art Salamietaktik bis zur Unerträglichkeit ausgeweitet. Erinnert sich heute noch jemand an die Anfänge von 1990-92?

  3. Ich hatte letztens in Erfurt zu tun und die gespensterhafte Stad rief Erinnerungen an die Kindheit in einem armseligen Dörfchen anfang der 50er wach: 2 Bäcker, 2 Kneipen, großer Tanzboden, Kirche / Pfarrer, Bibliothek, Gemeindeschwester, 2 Friseure, Polizist, hauptamtlicher(!) Bürgermeister, Gemeindearbeiter, Förster, 2 Tischler, Schmied, Steinmetz, Schlachter, 2 Läden, 2 Maler / Anstreicher, Zigarren“fabrik“, 2 Schneider, Schuster, Installateur, Mühle, Grundschule, Kindergarten (Mauerer, Dachdecker… ?). Dazu, vom Finanzamt großzügig übersehen, eine Menge kleiner Dienstleistungen: Reparaturen, Hofschlachtungen, Näharbeiten u.v.a. – direkt bezahlt oder im Tausch gegen Naturalien oder eigene Arbeiten.

    1. Also, Herr Hausmann, was Sie hier schildern, das hört sich nach einer sehr idyllischen Daseinsweise in der dörflichen (sozialistischen?) Menschengemeinschaft an.
      Heute wären die Leute froh, wenn sie in Kleinkleckersdorf (irgendwo in MV) noch eine halbwegs leuchtende Straßenlampe vorfinden. Ich sage Ihnen, das, was einmal so schön war, kommt nicht wieder. Ich behaupte sogar, je weiter sich die digitalisierte Modernität der Gesellschaft ausbreitet, desto geringer ist die Möglichkeit der Rückkehr zu so einer Menschengemeinschaft gegeben.

      1. Natürlich bekommen Kindheit und Jugend später einen milde Färbung. (Aus heutigher Sicht waren es ärmlich / primitive Verhältnisse, unter der Fuchtel der Kommunisten.) Nach meiner Erinnerung gab es jedoch eine relativ dichte Infrastruktur oder viele Dienstleistungen, ohne Auto, ohne Telephon – getragen von persönlichen Netzwerken, ohne die die Bewirtschaftung kleiner Felder, Gärten oder Haustiere auch garnicht möglich war und wo wir Kinder selbstverständlich eingespannt wurden; meinetwegen um Kohlen mit dem Handwagen vom Güterbahnhof zu holen – was uns nichts ausmachte. Heute unvorstellbar.

  4. Für die selbsternannte „urbane Elite“ ist’s allemal gut – die sollen in ihren Ghettos bleiben.
    Arme Würstchen – natürlich vegan, gluten- und laktosefrei. Dafür mit Haltung – Ego ersetzt Bildung.

    Seit den Gebietsverlusten im Osten hat sich das Stimmenschwergewicht an den westlichen Rand verlagert – und amit auch der Verlust an Bodenständigkeit, Konservatismus und Zuverlässigkeit.

    1. @Cindy aus WE
      „Arme Würstchen – natürlich vegan, gluten- und laktosefrei. Dafür mit Haltung- Ego ersetzt Bildung.“

      Die sind oft „akademisch“ gebildet.
      „Akademische Bildung“ ist im besten Schland das es je gab, das Gegenteil von Bildung.
      Und dann der nächtliche, immer öfter auch tägliche Kontakt mit den robusten Mentalitäten der Fremdkontinentalen.
      Mir wäre das in so einer Innenstadt nichts.

    2. Diese Ernährungsmoden, welche den Kindern früh eingeimpft werden, haben mich als Thüringer nie interessiert und ich lache jedesmal, wenn die Enkel auftauchen und sich mit Gehacktem & Co den Bauch vollschlagen (letztens eine Leberwurstverkostung). Trotzdem gibt es Fälle ernster Zöliakie, wo man für diese Hinweise dankbar ist.

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